Passengers – 05.01.2017 im Kino

Passengers Bildrechte: Sony Pictures
Passengers
Bildrechte: Sony Pictures

Was ist eigentlich schlimmer? Eine schlechte Filmidee zu haben oder eine gute zu vermurksen? Für all diejenigen, die an dieser Stelle noch unentschieden sind: Der Film Passengers kann bei der Beantwortung dieser Frage helfen. Denn die Idee des Films ist brillant und auch die Darsteller und das Budget können überzeugen. Aber das ändert nichts daran, dass dieser Film mit voller Geschwindigkeit auseinanderbricht und nie die Umlaufbahn verlässt. Die Story stolpert über ihre eigenen Füße, lässt so gut wie jede Spannende Wendung vermissen und ist so vorhersehbar wie die Eis-Werbung vor Beginn des Films. Aber hübsch verpackt … das muss ich zugeben.

Trailer Passengers

Wer der Langeweile im Kino entgehen will, der kann gerne mein „Passengers-Bullshit-Bingo“ nutzen und/oder fortschreiben. Denn Passengers ist nicht nur vorhersehbar und uninspiriert. Der Film besteht fast nur aus Zitaten und Elementen anderer Filme. Daher:

Passengers-Bullshit-Bingo!

Spielregeln:

Erstelle ein Koordinatensystem mit 3 x 3 Feldern (mindestens) und beschrifte jedes mit dem Namen eines Kinofilms. Wer jetzt eine Szene, Einstellung oder Dialog aus den vergangen 20 Jahre wiedererkennt, darf ein Kreuz machen. Wer drei Kreuze in eine Reihe hat muss im Kino laut „Bingo“ rufen. (Und nein, machen Sie sich keine Sorgen um die anderen Besucher des Kinos. Die werden Ihnen für jede inhaltliche Ablenkung dankbar sein.)

Szenen aus Filmen zum Wiedererkennen:

  • Sunshine
  • Wall-E
  • Mission to Mars
  • Event Horizon
  • Der Marsianer
  • Total Recall
  • Aliens – Die Rückkehr
  • Cargo
  • Cast Away

to-be-continued

 

Das ist besonders gemein für die Darsteller Jennifer Lawrence und Chris Pratt. Denn beide spielen erstklassig und füllen die geringen Spielräume soweit es geht aus.  Nur diesen beiden ist es zu verdanken, dass wenigstens an einigen Stellen so etwas wie Emotionen aufkommen.

Was richtig erstaunlich ist:  diese Szenen stehen immer im krassen Kontrast zum Filmkonzept. Der erste Kuss der beiden, die erste handgreifliche Auseinandersetzung oder der erste Sex. Das funktioniert großartig. Diese kleinen, persönlichen Szenen helfen einem als Zuschauer durch den Film. Dessen Ende übrigens an Langweiligkeit und Trivialität kaum zu überbieten ist.

Was letztendlich den Film endgültig ins Aus schießt, ist die Ignoranz und das unglaubliche Desinteresse an auch nur einfachsten, physikalischen Prinzipien. Ich glaube jetzt einfach einmal, dass ein 1 km langes Raumschiff tatsächlich über 100 Jahre automatisch durch den Weltraum fliegt und dabei tausende tiefgekühlter Menschen an Bord hat. Deutlich ist zu erkennen, dass die Passagierkabinen der Avalon  um die Mittelachse rotieren um Schwerkraft zu erzeugen (Warum eigentlich, wenn alle an Bord im Tiefschlaf sind?). Und dann ist das System gestört und die Schwerkraft vollständig weg? Kein Übergang – keine Warnzeichen. Einfach aus. Hallo? Fehler bemerkt? Aber gut, der Effekt ist beeindruckend.

Passengers – Pool ohne Schwerkraft

Dabei hätte der Film so unglaublich viele, begeisternde Storyelemente haben können. Wie ist es, auf einem Kreuzfahrtschiff ganz alleine zu sein? Wann schlägt Einsamkeit in Wandalismus um? Wie bereite ich mich auf meinen sicheren, einsamen Tod vor? Wie versuche ich, den Sicherheitscomputer davon abzuhalten mich am Leben zu halten? Wie viel Schuld und Tod erträgt Liebe?

Ach und eins noch. Eventuell geht es ja nur mir so. Wenn die wirklich alleine an Bord eines solchen Luxusschiffes mit Panoramapool sind. Und wenn wirklich niemand vorbeikommen kann. Und niemand sonst aufwacht. Die beiden wirklich ganz und gar alleine sind. Warum tragen sie dann Badesachen?

All diese Fragen schießen mir durch den Kopf, als ich Passengers sehe. Und ich bin hin- und hergerissen. Zwischen der tollen Visualität des Films, zwei sehr guten Schauspielern und dem unglaublich ärgerlichen Rest. Dieser Film erstickt sich selbst mit Zitaten, CGI-Design und einer völlig nichtssagenden Story. Ja, das ist schlimmer als einfach nur einen miesen Film zu drehen.

Das Ende der Superhelden – Kinojahr 2016

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Auswahl der enttäuschenden Superheldenstreifen 2016 Bildrechte: Wald Disney Motion Pictures / Warner Bros. Pictures

 

Superhelden können nicht sterben! – Zumindest im Kinojahr 2016. Von X-Men bis Deadpool. Von Thor bis Batman. Von Hulk bis Harley Quinn. Und das ist genau das Problem. Das von Marvel und DC aufpolierte Heldenuniversum steckt in einer fundamentalen Krise: Es wird langweilig. Denn letztendlich laufen diese Filme auf immer den gleichen Moment hinaus: Held mit Superkräften (wusste vor dem Film noch nix von seinen Fähigkeiten oder hat sie im Film davor schon entdeckt und setzt sie jetzt ein) zerschmettert den Bösewicht und rettet die Welt. Toll, habe ich so noch nie im Kino gesehen. Oh, warte … doch!

Bestes Beispiel für die völlige Sinnentleerung dieser Filmgattung ist sicher Doktor Strange mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle. Ein großartiger Schauspieler, der dem Effektesturm aus den Hochleistungsrechnern der Filmstudios tatsächlich einige emotionale Momente abtrotzten kann. Aber der Rest? Ein visuelles Gewitter. Ein Blitzschlag in 3D. Eine blendende Computervision. Zurück bleibt versengte Kino-Erde und die Erkenntnis, dass im nächsten Film der Doktor wieder mit dabei ist. Selbst der großartig rotzige Deadpool kann sich diesem Merchandising-Diktat nicht entziehen. Und ich habe die Vermarktungsbombe Avengers bisher ganz bewusst nicht erwähnt. Civil War bereitet den nächsten Film vor und endlich ist auch Spiderman wieder mit dabei. Bitte nicht …

Trailer Doktor Strange

Die maximale Enttäuschung 2016 war in diesem Kontext sicher Batman vs Superman. Ein Film, der die Frage nach der persönlichen Verantwortung aufwerfen will und zwei ikonische Helden in die Schlacht schickt. Doch genau das tut er nicht. Am Ende ist es wieder: Bösewichte bekommen von einem oder mehreren Superhelden tierisch einen auf den Pelz gebrannt. Und neue Figuren für das Franchise werden eingeführt. Argh …. Das kennen wir ja schon.

Batman vs Superman Trailer

Dann auch noch Suicide Squad. Meine Hoffnung auf eine marodierende Truppe von Superhelden, die dem ganzen glattgebügelten und heldenhörigen Marvel und DC Universum ordentlich einen reinwürgen. Auch wieder nichts. Einer der größten Enttäuschungen, über die nicht mal Harley Quinn hinwegtrösten kann. Das ist doch nicht zum Aushalten.

Suicide Squad Trailer

Ich will diese Langeweile nicht mehr. Ich will mich nicht von noch mehr Effekten täuschen und betäuben lassen. Ich hätte gerne wieder Kino und nicht eine vom Marvel Universum feindlich übernommene Kinoleinwand. Ich will, dass auch Superhelden sterben können.

Um wieder mitfiebern zu können.

Um mit Spannung der Geschichte zu folgen.

Um endlich wieder geschockt, begeistert oder fasziniert aus dem Kino zu kommen.

„Let them die!“  Game of Thrones

Assassin’s Creed – ab 28.12.2016 im Kino

Szene aus Assassin's Creed Bildrechte: Twentieth Century Fox
Szene aus Assassin’s Creed
Bildrechte: Twentieth Century Fox

 

Nein, das kann nicht gut gehen. Die Verfilmung eines Videospiels und dann mal wieder mit Jeremy Irons der schon bei Dungeons & Dragons (2000) den Film nicht retten konnte. Geht nicht gut. Obwohl diese Bewertung natürlich unfair ist, spielt doch Michael Fassbender die Hauptrolle. Und Moment, der Regisseur von Assassin’s Creed hat doch mit Fassbender bereits Macbeth (2015) inszeniert und war für die goldene Palme in Cannes nominiert.  Und dann ist auch noch Marion Cotilliard dabei, die ebenfalls in Macbeth mitmeuchelte. Also so schlecht stehen die Vorzeichen doch nicht. Dachte ich mir, in meiner jugendlichen Naivität.

Trailer Assassin’s Creed

 

Doch dann kam, was kommen muss: Der Film wird vom Marketing zerrissen. So ist Assassin’s Creed ein Film über Attentäter und Mörder im 15. Jahrhundert, in dem kein Blut fließen darf. Dies hätte wohl die Altersfreigabe gefährdet. Und die unaussprechlichen Schrecken der spanischen Inquisition bleiben eine Kulisse, vor und in der gehüpft, gerannt und sich geduckt werden darf. Also passend für ein Videospiel. Da überraschte es mich auch nicht mehr, dass selbst Thomás de Torquemada, erster Großinquisitor Spaniens und Begründer der institutionellen Folterung im Namen der katholischen Kirche, zu einem irritierend blassen Bösewicht mit komischer Frisur verkommt.

Aber was habe ich denn erwartet? (siehe oben) Und ist es eventuell unfair, an eine Videospielverfilmung die gleichen Maßstäbe wie an „normale“ Kinofilme anzulegen? Gar sowas, wie historische Genauigkeit zu verlangen? Ja, das ist unfair. Denn von einem Videospiel würde ich das ja nun auch nicht verlangen.

Also, was ist Assassin`s Creed dann? Ein actiongeladener Film bei dem permanent gerannt, gesprungen und sich von hohen Türmen gestürzt wird. Auf dieses Stunts, scheint die Filmcrew besonders stolz zu sein. Und hin und wieder werden, aber nur um die Pausen zu überbrücken, pseudowissenschaftliche und pseudophilosophische Gespräche geführt. Ist das schlimm? Nein, denn mehr würde ich auch von einem Videospiel nicht erwarten. Die Action ist gut inszeniert und bei einigen Einstellungen über den Dächern von irgendeiner Stadt, die ein mittelalterliches Spanien darstellen soll, hatte ich den dringenden Wunsch mir einen Controller zu schnappen und meine Spielfigur auszuwählen. Nur das war, realistisch gesehen, zu erwarten. Wer das im Kino sucht, der kommt auf seine Kosten. Alle anderen sollten sich lieber das Gemälde eines Inquisitionsverfahrens von Francisco de Goya anschauen. Oder ein anderes historisches Gemälde.

Vaiana – ab 22.12.2016 im Kino

Vaiana - der Disney Weihnachtsfilm 2016 Copyright: Disney Pictures
Vaiana – der Disney Weihnachtsfilm 2016
Copyright: Disney Pictures

Disney und Weihnachten. Das ist wie Rentiere und Weihnachtspunsch. Wie  Tannenbaum und Bescherung. Wie beleuchtete Innenstädte und Coca-Cola. Das gehört nicht zwangsläufig zusammen, aber ist über die Jahre eine ganz passende Symbiose eingegangen. Und daher war ich schon sehr gespannt auf Vaiana.

Trailer Vaiana

Der letzte Disney Prinzessinnenfilm „Die Eiskönigin“ (2013) ist schon länger her und war der bisher erfolgreichste Film der Disney Animation Studios. Wie groß und anhaltend die Begeisterung für Anna und Elsa ist, konnte ich im Sommer selbst miterleben. Ich war in Kalifornien bei der abendlichen Parade im Disneyland. Und vom kleinen Mädchen bis zur erwachsenen Frau haben fast alle „Let it go!“ mitgesungen. Viele mit Tränen in den Augen. Und an die kaum überschaubare Menge an Kostümen und Andenken will ich mich, ehrlich gesagt, gar nicht erst erinnern.

Jetzt also Vaiana. Und das Disney-Schema ist sofort wiederzuerkennen: „Du trägst ein Kleid, singst viel und sprichst mit Tieren. Du bist eine Prinzessin!“ (Filmzitat „Vaiana“)  Mehr muss man eigentlich über den Film nicht wissen. Es gibt tolle Dialoge, eine große Portion Disney-Humor und Selbstironie und eine wunderbare Südsee-Welt die in 3D richtig Spaß macht. Und es wird gesungen. Zu viel gesungen. Aber nun gut … es ist halt Weihnachten. Und Disney-Weihnachtsfilme sind wie Glühwein: Nur rund um Weihnachten findet man sich mit dieser besonderen Rezeptur ab und findet sie lecker.

Für mich ist dieser Film dennoch etwas Besonderes. Zwischen den Zeilen ist eine überraschende Ernsthaftigkeit zu spüren. Denn die Geschichte von Vaiana nimmt die Sagen und Legenden aus Polynesien offensichtlich ernst. Trotz all des Zuckergusses, ist jeder einzelnen Szene ein tiefer Respekt anzumerken. Vor den Menschen, ihrer Lebensweise und ihrer Schöpfungslegende. Hier wird nicht eine Schablone benutzt und ein klischeehaftes, touristisches Ambiente bedient. Selbstbewusst und stolz werden hier Grundzüge einer Kultur vermittelt.

Vaiana ist die wohl modernste und selbstbewussteste Heldin, die bisher von Disney gezeichnet wurde. Keine Wespentaille mehr. Keine männlichen Helden die in der Not helfen und das Mädchen retten. Das Happy End erarbeitet sie sich selbst, weil sie lernt und versteht. Es macht wirklich Spaß, ihr dabei zuzusehen. Und dann singt sie wieder … Naja, das Paradies hat einen Haken.

 

 

Rouge One – A Star Wars Story ab 14.12.2016 im Kino

Bildrechte: Disney Pictures
Rouge One – ab 14.12.2016 im Kino

Ich gebe es offen zu. Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht, dass Rouge One bei mir durchfällt. Meine erste Befürchtung: Die Ewoks kommen zurück. Nein, sorry. Das war jetzt unfair. Aber die Gefahr besteht für mich immer, dass Star Wars wie ein freundliches Puppentheater daherkommt. Mit den immer gleichen Elemente: Lichtschwerter – Todesstern – Rebellen sind cool und gewinnen. Das hat bei Episode VII für mich noch funktioniert. Aber jetzt braucht es einen neuen Ansatz. Dann die Nachricht im Sommer: Disney lässt nachdrehen. Es sei zu sehr ein Kriegsfilm geworden. Also einen Monat nachsitzen für Schauspieler und Crew. Schlechtes Zeichen. Droht hier ein weiterer „Fluch der Karibik“?

https://www.youtube.com/watch?v=sC9abcLLQpI

Jetzt habe ich den Film gesehen. Und eine Erwartung hat er bei mir völlig erfüllt: Er ist das, was Star Wars gebraucht hat. Nicht ein Remake. Keine Badewanne voller Nostalgie. Danke dafür.

Natürlich gibt es die Elemente, die mich in meine Jugend zurückversetzen. Die Anzeigen der Geräte, die Filmsequenzen und Anspielungen auf die Originalepisoden IV bis VI sind wunderbar. Es passt alles zusammen. Das Universum von Star Wars wird hier passend und stilsicher erneuert und erweitert. Das gefällt mir sehr gut. Selbst wenn einige Raumschiffdesigns es jetzt nicht treffen. Und vor allem der Transporter schon sehr absurd gemacht ist. (Das LEGO-Modell wird sich sicherlich super verkaufen.)

Doch in diesem Film passiert etwas, das deutlich über diese Nostalgie hinaus geht. Rouge One schildert die Rebellion aus der Sicht derer, die eben nicht die Helden der Originalsaga sind. Diejenigen, die den Preis bezahlen und sich nicht mit Jedi-Kunststücken retten können. Die Zahl der Toten ist hoch, die moralischen Probleme vielschichtig und eine Rettung kaum möglich. All das macht diesen Film anders.

Dennoch ist Rouge One mir nicht konsequent genug. Das mag an dem Nachdreh liegen. Möglich. Oder daran, dass im Star Wars-Universum ein Film über die Rebellion nicht FSK 16 erhalten darf. Das hat viel Aufwand gekostet und häufig habe ich mir im Kino gedacht: Knapp FSK 12 gerettet. Dennoch ist dieser Film nichts für Kinder die unter dem Weihnachtsbaum mit Star Wars-Lego spielen wollen.  Dieser Film ist die Dunkelheit, aus der eine neue Hoffnung erwächst.

Technische Anmerkung: Spannend zu beobachten ist an diesem Film, wie offensichtlich und zugleich gekonnt der Übergang zwischen digitalen Effekten und Realverfilmung passiert. In den vergangenen Jahren war dies vor allem bei SFX der Fall. Jetzt wagen sich die Filmemacher an die Charaktere und Schauspieler. Siehst zwar noch ein wenig nach PS4 Pro aus. Aber wäre ich Schauspieler, dann würde ich mir Sorgen machen.

 

Arrival – Im Kino ab dem 24.11.2016

Foto aus dem Film. Bildrechte: Sony Pictures
Foto aus dem Film.
Bildrechte: Sony Pictures

Trailer zu Arrival – ab 24.11.2016 im Kino

Um Missverständnisse gleich zu vermeiden: Arrival ist kein Science Fiction Film. Also, natürlich geht es um Außerirdische und ihren ersten Besuch auf der Erde. Es geht um riesige, fremdartige Raumschiffe. Und geradezu verpflichtend in diesem Genre ist es auch, dass es um Krieg und Frieden geht. Und dennoch: Arrival ist kein Science Fiction Film. Das habe ich jetzt verstanden.

Denn wer den Film gesehen hat wird von keinem dieser klassischen „Außerirdischer trifft Mensch“ – Storyelemente wirklich nachhaltig beeindruckt sein. Im Gegensatz zu Alien wird sich kaum jemand schütteln, beim Gedanken an die außerirdischen Kreaturen. Im Gegensatz zu Independence Day bleiben weder Explosionen noch markige Sprüche in Erinnerung. Im Gegensatz zu  Star Wars ist die Schlacht zischen Gut und Böse bedeutungslos.

Arrival ist statt dessen ein Film, der etwas wundervolles leistet. Er zeigt, zu welch beeindruckender Schöpfungskraft das Kino fähig sein kann. Als ob man versucht mit geschlossenen Augen unsere Welt aus einem völlig neuen Blickwinkel zu sehen. Der Film führt einen geradezu behutsam auf diesen Pfad. Und hier zeigen Amy Adams, Jeremy Renner und Forest Whitaker, zu welch großer schauspielerischen Leistung sie fähig sind. Unterstützt werden Sie von einem Drehbuch, dass genug Raum lässt. Hier wird nicht versucht mit vorschnellen Erklärungen den Plot zu ersticken. (Ich sage nur „Midi-Chlorianer“.) Sogar die Musik ist so unglaublich passend und zurückhaltend, wie es diesem Film gebührt. Arrival gibt das unausgesprochenen Prinzip aus: „Verändere Dich Und Verstehe“. Und jeder im Publikum kann diese Reise mitmachen.

Es passiert mir selten, dass ich aus dem Kino komme und  mir denke: So, genau so muss dieser Film sein. Bei Arrival ist das passiert. Ich konnte – ungelogen – 20 Minuten lang meine Empfindungen nicht in Worte fassen. Es ist wohl das größte Kompliment, dass ich einem Regisseur machen kann: Ich würde es bereuen, wenn ich diesen Film nicht gesehen hätte.

Wegen all dieser Punkte ist für mich dieses 117 Minuten lange Kinojuwel kein SciFi-Film. Trotz Aliens und Raumschiffen.