Avengers: Endgame – 24.04.2019

Whatever it takes!

Ich war ja der festen Überzeugung, dass die Schwemme an Superheldenfilmen und die überzogen bombastische Infinity War-Schlacht zu einer akuten Superhelden-Narkolepsie bei mir geführt hat. Schon wieder ein Held im Cape? Schnarch … Ein Superschurke der wahlweise die Welt oder das Universum zerstören will? Schnarch … Neue Superhelden von denen ich vorher noch nie gehört habe? Schnarch. Die Diagnose ist offensichtlich. Also habe ich mich für Avengers: Endgame mit Kaffee auf 300 Minuten Revenge-Hero-Action vorbereitet. Und ich hätte nicht falscher liegen können.

Was mich am meisten überrascht hat: Dieser Film trägt über die gesamte Spielzeit – ohne den Zuschauer mit permanenten Explosionen und Schlachten wieder wachrütteln zu müssen. Ganz im Gegenteil. Der Film hat eine eher ruhige und in seinen besten Momenten anrührend melancholische Grundstimmung. Er nimmt seine Superhelden ernst in ihrer Trauer über den Snap von Thanos. Das Gefühl alleine zurückgeblieben zu sein wird besonders bei Black Widow spürbar. Es sind diese Momente, die Avengers: Endgame tragen. Es sind die stillen, eindringlichen Situationen in denen kein stählerner Anzug und kein mythischer Hammer (oder Axt) weiterhelfen und die Helden schützen. Das ist wirklich großartig.   

Was mir gefällt

Es wäre so einfach gewesen alles kurzerhand noch einmal größer zu machen. Noch mehr Action als beim Angriff auf New York. Noch buntere Weltallschlachten als in Guardians of the Galaxy. Oder noch größere Superkräfte als bei Captain Marvel. All das passiert nicht. Stattdessen schleudert der Film den Zuschauer auf die Anfänge und auf die Menschen hinter den Kostümen zurück. Weder Tony Stark noch Steve Rogers hatten bisher so großartige Szenen in einem der vielen früheren Filme des Marvel Cinematic Universe (MCU). Dieser Film ist ein würdiges Ende.

Was mir nicht gefällt

Wirklich nur ganz wenig. Was ich schade finde ist der Laufzeit des Filmes geschuldet. Mit einigen Figuren wird sehr beiläufig umgegangen. Dies ist kein Endgame sondern eine Hommage an IronMan, Captain America, Hulk und Thor. Es wird auch nicht wirklich etwas final ausgetragen. Es bleibt genug Material für weitere Filme und weitere Helden in Capes und weitere Schlachten mit Endgegnern, welche die Welt oder das Universum zerstören wollen. Huch … da ist meine Superhelden-Narkolepsie … Schnarch. 

Story 

Kurz gesagt: die Schlacht um die Infinity-Steine ist natürlich unausweichlich und mit einer gut erzählten Storyline kommt der Film auch dort an. Unterhaltsam und anrührend ist der Weg für die Helden. Er ist gut und mit der richtigen Mischung aus Witz und Emotion erzählt. Auffällig ist allerdings eine Besonderheit. Dieser Film hat ganz offensichtlich zwei Anfänge, die hintereinander stattfinden. Offensichtlich haben sich die Verantwortlichen bei Marvel/Disney dafür entschieden, den bereits fertiggestellten Abschluss von Infinity War als Beginn von Endgame zu nutzen. Eine gute Entscheidung, da die Dramaturgie rund um Thanos so besser auf beide Filme verteilt werden kann. Der Zeitsprung zwischen den beiden Teilen verändert allerdings die Stimmungslage im Film deutlich und ich habe mich gefragt, ob ich den Thanos-Teil überhaupt gebraucht hätte. 

Fazit

Ganz sicher wird Avengers: Endgame der Film des Jahres. Er packt richtig zu und lässt einen im Kinosessel nicht mehr los. Er ist ein emotionaler Ritt und ein passendes Ende der Avengers-Reihe. Und das ist wahrlich nicht wenig. 

Bildrechte: Marvel / Disney Pictures Deutschland

Shazam! – 04.04.2019

Von der Sehnsucht niemals erwachsen werden zu wollen

Für mich gibt es zwei Blickwinkel auf Shazam! Der eine ist eher freundlich und wohlwollend. Der andere ist es nicht. Denn bei diesem Film ist es sehr wichtig, die eigenen Erwartungen zu kennen, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Denn so richtig funktioniert Shazam! nur für einen Fan der DC-Comics, der von den letzten Filmen (jenseits von Wonder Woman und Aquaman) enttäuscht zurückgelassen wurde. Der das quälenden Kinoerlebnis von Batman vs Superman hinter sich gebracht hat und dennoch nicht die Hoffnung auf einen guten Film im DC-Universum verloren hat. Der wird sich bei Shazam! wohlig-warm aufgehoben fühlen. Denn dieser Film verzichtet auf das für DC so typische Heldenpathos und will einfach nur Spaß machen. Unter diesen Vorzeichen funktioniert der Film wirklich hervorragend. 

Allerdings gibt es da noch die zweite Sichtweise. Das ist der Blickwinkel derjenigen, die kein Superhelden-Trauma im Marvel-Konkurrenzuniversum erlitten haben. Die eventuell ins Kino gehen, um einen Film zu sehen, der neu, witzig und emotional ist. Der zwischen den notwendigen und zu erwartenden Action-Sequenzen sogar etwas Raum für Storytelling und emotionale Entwicklung zulässt. Wer sowas ernsthaft erwartet, wird sich nach langen 132 Minuten Kinofilm fragen, ob er seine Zeit nicht hätte besser verbringen können. Und die Antwort ist: ja, hätte er!

Was mir gefällt

Endlich ist der Mief und Muff der DC-Superhelden durch einmal Stoßlüften aus den obligatorischen Geheimverstecken und Doppelidentitäten vertrieben worden. Wo sich die Mitglieder der Justice League im selbstherrlichen Pathos der jedes Mal erneuten und nicht mehr überraschenden Weltrettung baden, ist Shazam! erstaunlich kleinlaut. Der Held ist halt keine gestählter Multimilliardär sondern ein Schüler, der mit seinem Leben nicht zurechtkommt. Und er kämpft nicht gegen Oberschurken aus Paralleldimensionen sondern zuallererst mit und gegen sich selbst und dann auch noch gegen einen Erwachsenen, der ihn in die Knie zwingen will. Die Darstellung dessen was passiert, wenn ein Außenseiter in der Pubertät Superkräfte bekommt, das ist wirklich sehenswert. 

Was mir nicht gefällt

Hinter den Kulissen des Superhelden-Films gibt es wirklich wenig zu entdecken. Der pubertäre Wunsch, die eigene Besonderheit der Welt zu zeigen, wird in wirklich vielen Filmen präsentiert. Es ist ein typisches Narrativ des Jugendfilmes und wird auch in Action-Filmen wie „Kick-Ass“ (2010) oder „Spider Man: Homecoming“ bereits erzählt. Shazam! ist hier also kein wirklich neuer Ansatz. Auch der Versuch, die eigenen Superkräfte mit Humor einzuordnen ist nicht neu, wie Marvel bereits gezeigt hat. So bleibt im Kern als Überraschung nur die Art, wie Shazam! den Superhelden initiiert. Ein wenig dürftig für einen Film, der über zwei Stunden lang ist. 

Story 

Die Story für Shazam! ist stark und unterhaltsam. Gar keine Frage. Da verzeihe ich als Kinobesucher sogar die offensichtliche Nachlässigkeit des Veröffentlichungstermins. Wieso zur Hölle kommt ein Kinofilm, der intensiv auf die Vorweihnachtszeit festgelegt ist, Anfang April in die Kinos? Ich kann darüber noch immer nur den Kopf schütteln. Ebenfalls ein Rätsel ist es mir, warum der Film 132 Minuten lang sein muss. Diese Geschichte hätte wirklich locker 30 Minuten kürzen sein können, ohne dass etwas verloren gehen würde. Alleine dieser Anfang, der sich zieht wie Kaugummi und dessen Inhalt mehrfach im Film erneut beschrieben und diskutiert wird. Es hat aber auch seinen Vorteil. Wer kurz auf der Toilette war oder verspätet in den Kinosaal gekommen ist, wird der Story immer folgen können. 

Niemand sollte von Superhelden-Filmen zu viele emotionale Elemente erwarten. Oft sind Beziehungen zwischen solchen Figuren nur eine Vorbereitung der finalen Auseinandersetzung. Für irgendetwas oder irgendwen müssen Batman, Superman, Ironman oder sonstwer schließlich kämpfen. Dafür braucht es Nebenfiguren, um die Schlacht persönlich werden zu lassen. Auch Shazam! nutzt seine Nebendarsteller nur als emotionale Stufen für die Besteigung des Superhelden-Olymps. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Anders betrachte: Für einen DC-Film gibt es viel zu lachen, viel zu erleben und eine wirklich sympathische Hauptfigur. Nach dem Abspann bleibt kein sonst üblicher unangenehmer Nachgeschmack einer DC-Comikverfilmung zurück. Shazam! hat Tempo und Witz. Mehr, als ich erwartet habe.   

Fazit

Für mich ist Shazam! ein Durchatmen im DC-Universum. Es gibt also doch noch die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen die nicht überdimensional und gigantisch übertrieben sind. Billy Batson ist ein Außenseiter, dem ich gerne zusehe und dem ich seine Superkräfte zutiefst gönne. Aber all das täuscht für mich kaum darüber hinweg, dass Shazam! wie eine Wiederholung von etwas ist, das man schon einmal gesehen hat. Alle Elemente des Filmes sind bereits aus anderen Verfilmungen bekannt. Shazam! ist ein unterhaltsamer Film, aber er lässt die Möglichkeit liegen, etwas wirklich Neues auf die Leinwand zu bringen. 

Bildrechte: Warner Bros. Deutschland

Captain Marvel – 07.03.2019

„If you want something said, ask a man; if you want something done, ask a woman.”

Margaret Thatcher

Mein allererster Reflex, als ich von Captain Marvel gehört habe war dieser: „Bitte, bitte nicht noch ein Superheldenfilm. Ich habe keine Lust mehr auf Filme über Comic-Helden aus den unbekannteren Vororten des Marvel-Universums!“ Und seit Spiderman ist die Geschichte immer gleich: Typ hat vorher keine Superheldenkräfte. Dann entdeckt er, dass er auf einmal welche hat. Zum Schluss prügelt er sich mit einem Superschurken und gewinnt. Das dauert in der Regel über 120 Minuten und am Ende ist die Erde gerettet.
So ähnlich funktioniert auch Captain Marvel. Aber eben nur so ähnlich und nicht genauso. Und das macht den großen Spaß an diesem Film aus. Nicht nur weil die Heldin eine Frau ist. Sondern auch, weil die Story des Films anders aufgebaut ist.

Was ist anders bei Captain Marvel? Ich gebe mal ein Beispiel: Bisher gab es lediglich zwei Sorten von Filmen aus dem MCU (Marvel Cinematic Universe). Entweder kämpften Helden, wie in der Avengers Filmreihe, auf der Erde gegen Schurken. Oder die Schlachten wurden wie bei Thor oder Guardians of the Galaxy, am anderen Ende des Universums ausgetragen. Der wirklich neue Twist bei Captain Marvel ist, dass die Erde erstmalig fast völlig unwichtig ist. Sie ist ein Schauplatz für Duelle und Schlachten, aber weder die Menschen noch die Zukunft des Planeten motiviert die Heldin. Noch nie fühlte sich der Planet so unwichtig an und noch nie waren die Hauptfiguren so desinteressiert an Kollateralschäden. Captain Marvel benimmt sich wie eine Touristin, die weiß, dass sie bald wieder weg ist.

Was mir gefällt

Ganz klar: der Film ist einfach herrlich differenziert erzählt und Brie Larson ist eine wunderbar Superheldin. Sie ist eine selbstbewusste Heldin, die während des Films immer menschlicher und verständlicher wird. Sie ist ein Superheld, der in sich den Menschen entdeckt. Die als gefährliche Alien-Kriegerin beginnt und am Ende eine Frau ist, zu deren Fähigkeit es halt gehört aus ihren Händen Energiestrahlen abzuschießen. Soweit sowas halt menschlich und normal sein kann. Mir hat außerdem gut gefallen, dass dieser Film keine offensichtliche feministische Agenda hat. Captain Marvel ist eine Frau. Und das reicht. So wird viel Platz für einen richtig guten Film geschaffen.

Was mir nicht gefällt

Das ist wirklich wenig. Das Einzige, was mich tatsächlich gestört hat, war die Retro-Verliebtheit der Filmemacher. Ich finde es auch sehr amüsant aus heutiger Superheldensicht auf die 90er Jahre zurückzublicken. Es ist wirklich sehr lustig, wenn Captain Marvel mit den ersten Computern und den Anfängen des Internets konfrontiert wird. Aber irgendwann ist dann auch gut. Und nicht alle Szenen müssen mit „dem Besten der 90er“ unterlegt werden. Hier ist Captain Marvel für mich manchmal ein Stück über das Ziel hinausgeschossen.

Story

Natürlich ist es ein Superheldenfilm und natürlich geht es um die Anfänge von SHIELD. Also wird auch alles bedient, was der Fan erwartet. Es gibt alle notwendigen Charaktere inklusive Nick Fury. Es gibt bombastisch inszenierte Schlachten und dramatische Verfolgungsjagden. Doch Captain Marvel ist nie eine Wiederholung. Immer dann, wenn ich befürchtet habe zu wissen wie es weiter geht, ändert sich die Struktur der Story. Immer wenn ich dachte: Ja klar, so muss es sein, dann kam es anders. Dabei steht die emotionale Geschichte der Hauptfigur vor dem Klamauk und vor den Effekten. Eine für Marvel sehr ungewohnte Herangehensweise, die aber wunderbar funktioniert.

Fazit

Nicht nur in der Marvel-Timeline beginnt alles mit Captain Marvel. Für mich ist Captain Marvel auch insgesamt eine der gelungensten Interpretationen des Comic-Universums. Die Kombination aus überraschender Storyline, einer beeindruckend menschlich agierenden Hauptdarstellerin und einem reduzierten Action-Gewitter funktioniert toll. Für mich einer der besten MCU-Filme.

Bildrechte: Disney Pictures Deutschland

Robin Hood – 10.01.2019

“Let’s face it. You’ve gotta be a man to wear tights!”

Little John, Men in Tights (1993)

Robin Hood? Die Geschichte mit Maid Marian und dem Loxley? Die kennt nun wirklich jeder. Die Abenteuer aus dem Sherwood Forest sind seit der Erfindung des Filmes in den unterschiedlichsten Varianten ins Kino gekommen. Zu den Highlights der Robin Hood-Filmhistorie gehören sicherlich die Zeichentrickversion von Disney (1973), die romantische Variante mit Kevin Costner (1991) oder die Satire von Mel Brooks (1993). Diese Reihe kann um etliche weitere Versionen erweitert werden, je nach eigenen Interessen und Vorlieben. Von Erol Flynn (1938) bis zur Version von Ridley Scott (2010). Diese Filme hatten eines gemeinsam: Sie waren einzigartig, unterhaltend und haben dem König der Diebe eine neue Perspektive abgerungen. Die aktuelle Neuverfilmung ist hingegen nur eins: überflüssig. 

Schon vor zwei Jahren bewies Guy Ritchie, dass historische Kino-Stoffe das reinste Kassengift sein können Sein kolossales Scheitern an der Artus-Legende war ein Desaster, das nur wenige sich ansehen mochten. Bei Robin Hood ist es in diesem Jahr noch schlimmer. Die Geschichte aus dem Sherwood Forest ist unglaublich sinnentleert erzählt. Ja, schlimmer noch. Der schon fast zwanghaft wirkende Versuch, aktuelle politische Themen in diesen Film zu integrieren, macht alles nur noch schlimmer. Robin Hood als Gewerkschaftsführer für mehr Steuergerechtigkeit? Oder als Parlamentarier in einer von Eliten beherrschten Demokratie? Oder als Kriegsveteran, der mit seinem Trauma allein gelassen wird? Das passt vorne und hinten nicht zusammen. 

Robin Hood im Straßenkampf mit Pfeil und Bogen

Am Anfang des Films hielt ich es noch für eine mutige dramaturgische Idee, den Film nicht in jenem mittelenglischen Wald spielen zu lassen. Inzwischen bilde ich mir gerne ein, dass dies aus Umweltschutzgründen geschehen ist, um den Bäumen die Dreharbeiten und die miserable Storyline zu ersparen. Ich mag diesen rücksichtsvollen Gedanken. Denn die Kinozuschauer werden durch diesen Robin Hood weit weniger respektvoll behandelt. 

Ein sinnloser Versuch eines Filmes, dem man zumindest sein Budget ansieht.

Was mir gefällt

Es muss wohl einen Spirituosenhändler in der Nähe von Hollywood geben, der mit glänzenden Augen an die Zeit zurückdenkt, in der Drehbuchautor Joby Harold und Regisseur Otto Bathurst an diesem Film gearbeitet haben. Denn anders als mit massivem Missbrauch von Alkohol oder potentiell anderen die Sinne betäubenden Mitteln, ist dieser unzusammenhängende und zutiefst unlogische Kuddelmuddel der sich Robin Hood nennt wirklich nicht zu erklären. Ich finde es super mutig diesen Film ins Kino zu bringen und tatsächlich davon auszugehen, dass Menschen sich freiwillig 116 Minuten alberne Action Szenen und sinnlose Dialoge ansehen und danach zufrieden nach Hause gehen. Respekt. 

Kann ich auch weniger geben? Nein? Schade …
Robin Hood – nicht im Sherwood Forest

Was mir nicht gefällt

Die Liste was bei diesem Robin Hood aus meiner Sicht alles falsch gelaufen ist, sprengt jeden Rahmen. Es beginnt bei Taron Egerton, der als Hauptdarsteller eine äußerst unglückliche Figur macht. Weiter geht es mit einem sinnlosen Drehbuch und endet bei einer so blödsinnigen Ideologie, dass es mich vor Wut fast aus dem Kinosessel gerissen hat. Der Aufstand britischer Minenarbeiter ist als Leitmotiv von Robin Hood völlig daneben und historisch um mehrere Jahrhunderte auseinander. Solche Ungereimtheiten leistet sich der Film leider permanent. Von dargestellten Situationen, die tatsächlich physikalisch gar nicht möglich sind, schweige ich ganz bewusst. In diesem Film wird sogar der Städtekrieg in der Wüste in engen Gassen mit Pfeil und Bogen ausgetragen. Spätestens hier wird aus einem unlogischen ein wirklich lächerlicher Film.

Das alles hätte ich eventuell sogar noch hinnehmen können. Aber die rücksichtslose Lieblosigkeit, mit der hier klassische Figuren der Robin Hood-Sage behandelt werden, das war zu viel. Hätten Bruder Tuck oder der Sheriff von Nottingham die Möglichkeit wegen Verunglimpfung zu klagen, ich würde sie unterstützen. 

Mehr als 1 Stern ist echt nicht drin
Der Sheriff in der Stadt Nottingham

Story 

„Ja, Hallo! Ich bin Robin Hood, der Held des neuen Kinofilms. Ich bin so eine Art Kriegsheld mit posttraumatischer Belastungsstörung. Ich bin gleichzeitig auch noch ein adeliger Volksheld, der zur Rebellion aufruft. Und ich kann den Sherriff von Nottingham nicht leiden, weil ich eine total krasse Verschwörung aufdecke die zwar keinerlei Sinn macht, aber echt nicht gut für uns Briten ist.“ Danke Robin. Mehr gibt es wohl nicht zu sagen. Und nein, ich übertreibe jetzt nicht. Die 116 Minuten sind sogar noch mit viel mehr Blödsinn, überflüssigen Wendungen und dämlichen Begebenheiten angefüllt. Wäre dieses Drehbuch nur als grobe Skizze für einen möglichen Kinofilm gedacht, selbst dann hätten alle Beteiligten wieder neu anfangen müssen. Denn das hier bringt nichts. 

Was für eine alberne Story
I bims, der Robin!

Fazit

Das Jahr 2019 hat sicherlich viele schöne Momente. Dieser Film leider nicht. Wer Robin Hood mag, sollte sich einfach eine BluRay kaufen oder einen VOD-Dienst nutzen. Egal auf welchen der alten Filme die Wahl fällt – er ist in jedem Fallbesser als die aktuelle Kinoversion. „Oo-De-Lally!“

Insgesamt: 1 Stern für den Film

Bildrechte: Studio Canal

Bumblebee – 20.12. 2018

A robot is a girls best friend

Ich hätte es wirklich nicht für möglich gehalten. Eher hätte ich daran geglaubt, dass die Avengers einen Gastauftritt in „Downtown Abbey“ bekommen und Harry Potter drei Billboards Outside Hogwarts aufstellt. Ist es wirklich möglich, aus diesem totalen Metallschrott der Transformers-Serie einen guten Film zu machen? (Ja, ich habe mich bei diesen Zeilen auch ein wenig gegruselt. Die Begriffe „gut“ und „Transformers“ in einem Satz, ohne sarkastisch zu sein – oh Mann.) Ich hatte einen, im besten Falle vergnüglichen, Action-Film erwartet. Stattdessen ist Bumblebee ein anrührender, emotionaler und sehr gut erzählter Film über eine 18-jährige Frau, die sich in ihrer eigenen Familie fremd fühlt. 

Natürlich gibt es immer noch die absurd-albernen Transformers-Szenen in denen sich die Roboter beschießen, schlagen, Gliedmaßen abreißen und so weiter. Sonst würde der Film ja auch nicht Bumblebee sondern LadyBird heißen. Genau das ist übrigens die wirklich beeindruckende Leistung des Filmes. Er beweist, dass sich sogar mit Spielzeug eine wirklich spannende und emotionale Geschichte erzählen lässt, ohne das Transformers-Universum zu verlassen. Der Film passt in die Reihe und ist gleichzeitig der einzige Teil, der nicht absurd, sexistisch, militaristisch und sinnbefreit ist. 

© Paramount Pictures

Was mir gefällt

Zuallererst finde ich den Mut der Filmemacher richtig beeindruckend. Sie erzählen den Bumlebeeals eine Mischung aus „Nummer 5 lebt“ und „About a Boy“. Die Hauptfigur Charlie Watson sucht keinen Roboter, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Das wäre der übliche Plot für einen Transformers-Film irgendwo zwischen Teil 1 und 5. Sie sucht nach Vertrauen, nach Verständnis und nach einem Freund. Diese Anforderungen sind eigentlich vollständig inkompatibel mit dem dämlichen Hau-Drauf-Roboteruniversum. Doch es funktioniert. Das ist wirklich beeindruckend.

© Paramount Pictures

Was mir nicht gefällt

Nur ganz wenige Teile dieses Films haben mich nicht mitgenommen. Die Action-Szenen im All haben bei mir böse Befürchtungen aufkommen lassen, der Film drohe wieder in die alten Zerstörungsmuster zerfallen. Da muss man halt durch. Die Szenen sind für den Film auch nicht notwendig, aber wohl für die Transformers-Fans die Teil 5 für einen unterhaltsamen Film halten, weil Robo-Dinos die Feuer speien können darin vorkommen. Kann man bei dem Franchise wohl nicht anders lösen. Kloppende Roboter im All gehören zur DNA dieses Filmuniversums. Aber alles übrige ist wirklich gut. 

© Paramount Pictures

Story 

Wie unaufgeregt und undramatisch es Travis Knight als Regisseur gelingt die Welten einer 18jährigen Frau inklusive ihrer Konflikte mit Mama, Stiefvater und kleinem Bruder mit einem mehrere Meter hohen Transformer zu verbinden, der den Großteil des Filmes kein Wort spricht, das ist wirklich sehenswert. Es sind die Klischees, die hier ausgelassen werden, die Bumblebee vom Genreeinerlei zu einem wirklich sehenswerten Film reifen lassen (Sorry, wenn ich mich noch einmal direkt einmische. Aber habe ich das wirklich geschrieben? Ein gereifter Transformers-Film? Ach du meine Güte. Das habe ich nicht für möglich gehalten.). Und Hailee Steinfeld ist übrigens wirklich eine Entdeckung in diesem Film. Mehr als es Megan Fox in den Filmen je gewesen ist. Vor allem jetzt, wo mir die sexistischen Michael-Bay-Kamerafahrten wieder in den Sinn kommen. 

© Paramount Pictures

Fazit

Es ist wirklich überraschend. Aber ich kann nur sagen, der Film ist wirklich gut und einer der besten Blockbuster-Filme 2018. Er ist emotional, mitreißend und hat gute Actionszenen ohne zu viel Metallschrott. Die Darsteller bringen eine wirkliche Tiefe in den Film und nicht jede Wendung der Story ist schon ewig vorher erkennbar. Bumblebee ist wirklich erstaunlich und bemerkenswert gute Kinounterhaltung.  

Bildrechte: Paramount Pictures Deutschland

Verschwörung – 21.11.2018

Armageddon was yesterday, today we have a serious problem.” The Girl with the Dragon Tattoo 

Ich habe nur eine Bitte: Wenn beim nächsten Mal ein Marketingmitarbeiter in der Türe steht und sagt: „Ich habe hier eine mega brighte Story dabei. Ein absolutes must do! Die Vorgänger haben als Bücher 400 Millionen gemacht. Als Bücher, das müsst ihr euch mal geben. Und hier, das ist das jüngste Buch. Das machen wir!“ Wenn also dieser oder so ein ähnlicher Satz in einer Filmproduktion fällt, dann bitte, denkt einen Tag mal in Ruhe darüber nach. Denn wenn nicht, dann kommt sowas dabei raus: 

Spoiler Hinweis: Der Trailer erzählt übrigens alles, was im Film vorkommt. Wirklich alles. Wer sich den gerade angesehen hat, der kennt jetzt eigentlich den Film. Und er hat damit keinen Fehler gemacht. Denn mehr als diesen Trailer gibt es nicht zu entdecken. Daher: Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt Euch gerade das Geld für ein Kinoticket gespart. 

Aber mal ein wenig intensiver auf den Film geblickt: Die Verfilmung des vierten Teils der „Millenium-Trilogie“, deren ersten drei Teile Stieg Larsson erschaffen hat, hat so unglaublich viele Schwächen und ist an manchen Stellen schon fast eine Beleidigung für jeden, der die ersten drei Bücher gemocht hat. 

Nur eins von sehr, sehr vielen Beispielen: Wer erinnert sich an Mikael Blomkvist aus den ersten Teilen? Ja? —- Sehr gut. Behaltet ihn so in Erinnerung. Denn im jüngsten Film wird er nicht mehr gebraucht. Zumindest scheinen der Regisseur und der Autor davon überzeugt zu sein. Aber dort wo Mikael hin verschwunden ist, dorthin sind auch Spannung, Witz und eine gute Storyline abgeschoben worden. Was bleibt ist Claire Foy, die sich als Lisbeth Salander engagiert und bemüht. Allerdings war sie in „Aufbruch zum Mond“ deutlich besser.  

Was mir gefällt

Ich mag Schweden. Ich mag Stockholm. Ich mag den Schnee, das Eis und den Kontrast zwischen zurückhaltender, schwedischer Mentalität und brutaler, gesellschaftskritischer Kriminalstory. In einigen, wenigen Momenten schafft es auch „Verschwörung“ dieses Gefühl abzuliefern. Wer möchte: Die Version von David Fincher „Verblendung“ aus dem Jahr 2011 ist in dieser Hinsicht deutlich treffsicherer. Wenn auch dieser Film hinter den Erwartungen und hinter der schwedischen Fernsehreihe zurückgeblieben ist. Es war auch durchaus interessant Lisbeth Salander in der Neuinterpretation von Claire Foy zu begegnen, die ihre Figur noch weiter entmenschlicht hat und stattdessen mehr Richtung einsamen Agenten weiterentwickelte. Der Rest ist leider uninteressanter und schnell zu vergessender Kinodurchschnittskram. 

Was mir nicht gefällt

Ich habe mich mehrfach während des Films gefragt, ob die Autoren die Bücher gelesen haben und ob sie überhaupt einen Zugang zu den Figuren gefunden haben. Das würde für mich den Unterschied machen zwischen missglückt und sabotiert. Wenn ich als Regisseur keinen Spaß an der Verfilmung eines Buches habe, dann sollte ich es sein lassen. Wenn Figuren zu Abziehbildern verkommen und selbst die zumindest potentiell dramatische Konfrontation mit dem moralisch fragwürdigen Bösewicht nur irgendwo zwischen Langweile und absurder Unglaubwürdigkeit hin und her pendelt, dann gibt es kaum noch einen Grund ins Kino zu gehen. 

Story 

Kurze Charakterstudie um die fehlende Liebe zu den Figuren zu beschreiben: Lisbeth Salander  wirkt wie eine weibliche Mischung aus James Bond und Jason Bourne, die nach ihrer Geburt allerdings nach Schweden ausgewandert ist und seitdem nur so irgendwie zurechtkommt und mit einem gewissen Desinteresse auf die Welt schaut. Fertig. Diese Figur konfrontiert der Film dann mit einer Story, die aus der ganz tiefen Ramschkiste der B-Movie Actionfilme kommt. Weltverschwörung, Atomraketen, zwielichtige Hacker und eine gemeingefährliche böse Schwester. Bitte sehr. Von der Dramatik der originalen Trilogie, die immer das familiäre Drama mit regional verwurzelten Konflikten konfrontierte, davon ist wirklich nichts geblieben. Die Trilogie war eine runde Sache und ich hätte nichts vermisst, wenn diese zusätzliche vierte Geschichte nicht erzählt worden wäre. 

Sony

Fazit

Es bleibt mir ein Rätsel warum rund 2,3 Millionen Euro deutsches Fördergeld in diese Filmproduktion geflossen sind. Also rund 20.000 Euro für jede Filmminute zwischen Langeweile, Klischee und Unglaubwürdigkeit. Ich hätte mir wirklich eine gute Verfilmung gewünscht. Und ich hätte Claire Foy um so mehr eine gute Regie und ein gutes Drehbuch gewünscht.

 „But she wished she had had the guts to go up to him and say hello. Or possibly break his legs, she wasn’t sure which.” The Girl Who Played with Fire

Bildrechte: Sony Pictures

Mile 22 – 12.09.2018

Spannend wie die Fahrt mit dem Bus zum Flughafen

Das habe ich mir gewünscht: Ich wollte eine dreckige Story mit bösen Wendungen und einer zupackenden Portion Action. Mehr nicht. Das waren tatsächlich meine Wünsche bei „Mile 22“. Und jetzt, nachdem ich den Film gesehen habe, denke ich mir: Ich war naiv und hatte wohl zu hohe Ansprüche. „Mile 22“ hätte alles Potential gehabt für eine Mischung aus „Stirb Langsam“ und „16 Blocks“. Ein zeitkritischer Job, eine Crew die jenseits des Gesetzes steht und schlicht 22 Meilen bis zum Ziel überleben muss. Es hätte gradlinig, heftig und mitreißend sein können. Stattdessen wurde es brutal, stupide und über weite Strecken sinnlos.

Ist es denn wirklich so schwierig, geradlinig eine Geschichte zu erzählen? Regisseur Peter Berg („Boston“ / „Deepwater Horizon“ – übrigens beide auch mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle) ist jetzt wirklich nicht für feinsinnige Emotionsstudien bekannt. Aber selbst er haut diesen Film gegen die Wand und lässt sein Publikum zuschauen, wie das Kind in den Brunnen fällt. Bildlich gesprochen. Der Film ist für Actionfans zu lahm und für Erzählkino zu sinnlos und brutal. Das Potential ist wirklich da. Aber es bleibt ein Brei, der zäh an der Wand runter läuft.

Was mir gefällt

Der Cast gefällt mir ausgesprochen gut. Alle Schauspieler zeigen große Präsenz und mühen sich wirklich, durch die ganzen Explosionen, Schießereien und dämlichen Dialoge heil hindurch zu kommen. Einzige Ausnahme ist John Malkovich, der offensichtlich das Drehende seiner wenigen Tage am Set herbeigesehnt hat. Lustlos ist hier noch geschmeichelt. Ansonsten wird es wirklich schwierig weiteres Positives über den Film zu sagen. Obwohl, doch. Die Story hätte wirklich Möglichkeiten gehabt und ein paar Wendungen sind wirklich überraschend. Eigentlich …

Was mir nicht gefällt

Vor allem die lausige Dramaturgie dieses Filmes. Aus welchen Gründen auch immer Peter Berg eine zweite Erzählebene eingebaut hat, sie funktioniert gar nicht. Immer wieder wurde ich im Kino aus der eigentlichen Story herausgerissen um mir triefend langweilige Monologe anzuhören. Über die allgemeine Sicherheitslage und den Grund, warum Handeln wichtiger als Denken ist. Oder so …

Story

Kurze Schilderung aus dem Kino: Der Film ist ja mit 95 Minuten nicht allzu lang geraten. Trotzdem saß ich nach 60 Minuten im Kino, schaute auf meine Uhr und hoffte, dass es nicht noch viel länger dauert. Wenn mir das bei einem Actionfilm passiert, dann ist das echt ein ganz mieses Zeichen. Denn es bedeutet, dass die Action bei einem solchen Film so beliebig und redundant ist, dass sie nicht mehr zur Unterhaltung taugt. Bei „Mile 22“ ist es sogar noch schlimmer. Ich hatte Angst, dass die zweite Erzählebene wieder auftaucht und mich mit ihrer bräsigen Erzählweise sogar mehr nervt. Ich wartete also nicht nur auf das Filmende, ich hatte Angst davor, bis dahin noch unnötig geärgert und gelangweilt zu werden. Schlimmer geht es kaum noch.

Fazit

So ist das nix. Der Film ist für einen Actionkracher zu langatmig und für alles Übrige einfach zu nervtötend. Der hoffnungslose Versuch des Regisseurs den Figuren eine gewisse Tiefe zu geben, geht völlig den Bach hinunter. Denn für den Film spielen diese Elemente überhaupt und gar keine Rolle. Sie kosten nur Zeit und den Zuschauer eine Menge seiner Nerven.

 

 

 

 

 

Bildrechte: Constantin Film Deutschland

 

 

Predator Upgrade – 12.09.2018

Alte Regel: Ein Update macht nicht immer alles besser

Bevor ich mich in die Tiefen dieses Filmes werfe und meine völlige Fassungslosigkeit über so viel unzusammenhängenden Blödsinn erkläre, bevor ich also mit meinen Eindrücken beginne, will ich Eins klarstellen: Das hier ist niemals ein Upgrade für die Predator-Reihe. Dieser Film ist ein brutal und rücksichtslos zusammengezimmertes Konglomerat aus Versatzstücken. Hier passt nichts zusammen. Am Ende des Filmes war ich so verwirrt, dass ich sogar die beiden „Alien vs Predator“ B-Movies als vergleichsweise gute Filme empfunden habe. Das alles ist kein Wunder, hatte „Predator Upgrade“ doch bei Testvorführungen so unglaublich schlecht abgeschnitten, dass ein Großteil des Endes komplett umgeschrieben und neu gedreht wurde.

Das hier ist kein Predator Film. So fühlt sich das für mich zumindest an. Denn der gesamte einzigartige Plot der Serie ist fast völlig zerlegt und in die Tonne für Alien-Restmüll geworfen worden. Die einst furchteinflößenden Monster, die fast unsichtbar Jagd auf die Hauptfiguren machten, haben ihre Macht verloren. Ich kenne Halloween-Kostüme mit Gummimasken, die mich mehr gruseln. Auch das Gefühl der Protagonisten aus den ersten Filmen, diesem Monster hilflos ausgeliefert zu sein, ist fort. Zurückgeblieben ist ein ziemlich stumpfes Rumgeballer mit kleinen Witzen zwischendurch.

 

Was mir gefällt

Äh, jetzt wird es schwierig. Denn ich mag Regisseur Shane Black (Iron Man3). Aber das hier ist ein Film für die Restekiste bei einem Flohmarkt in der Provinz. Zugutehalten will ich ihm, die gelungene Charakterisierung seiner Hauptfiguren. Sie sind gut getroffen und recht unterhaltsam. Auch gefallen hat mir, die eher dezente bis nicht vorhandene Nostalgie des Filmes. Im Gegensatz zu den jüngsten Star Wars-Filmen ersäuft dieser Predator nicht im wohligen Gefühl des Retrocharmes. Puh, jetzt atme ich erst einmal durch. Da habe ich zumindest zwei Punkte gefunden.

 

 

Was mir nicht gefällt

Der Rest! Kurz gesagt. Am Anfang pendelt der Film noch ein wenig sinn- und inspirationslos zwischen Buddy-Komödie und Kriegsdrama. Hier und da ein paar Lacher. Dann wieder Action. Wieder ein paar Lacher. Das (neu gedrehte) Ende hingegen, ist an Absurdität und Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Innerhalb kürzester Zeit geht jedes Gefühl für Ort und Zusammenhang der Handlung verloren. Die Nacht wird zum Tag, Waffen tauchen auf und verschwinden wieder. Handlungsreste erscheinen auf einmal wieder und bereits eingeführte Figuren sind plötzlich einfach weg. Da bleibt einem als Kinozuschauer nur übrig sich zurückzulehnen, und sich von den Actioneinlagen berieseln zu lassen.

Story

Ja, es gibt sie. Aber sie ist sinnlos und eines Predator-Filmes nicht würdig. Doch, ich weiß was ich hier schreibe. Schon die vergangenen Filme waren keine Story-Meisterwerke. Und „Predators“ von 2010 war auch kein wirkliches Highlight im Storytelling. Aber hier wird einfach zu viel vernachlässigt. Die Figuren wachsen einem nicht ans Herz, da sie zu wenig Zeit für ihrer Charakterentwicklung bekommen. Die Gummi-Monster wirken nicht wirklich bedrohlich, da ihre Überlegenheit bis auf wenige Szenen kaum zu spüren ist. Das eigentliche Motiv der Reihe, die geradezu hilflose Auseinandersetzung mit einem überlegenen Gegner findet hier kaum noch statt. In den ersten Filmen war es erschreckend mit anzusehen, wie die Schafherde (Menschen) von einem Wolf (Alien) immer schlimmer dezimiert wurde. Wie fremdartig inszenierte, brutale Rituale jeden Kampfesmut erstickten. Nein, das gibt es hier nicht. Aber wenigstens ist der Film kurzweilig und actionreich. Yeah!

Fazit

Es hätte alles so viel Sinn ergeben können. Regisseur Shane Black war im ersten Predator-Film noch als Darsteller dabei. Jetzt hätte er auf dem Regiestuhl den Filmen eine neue Dynamik verleihen können. Stattdessen hat er für Predator das geleistet, was vorher schon Regisseur Kevin Feige mit „Ghostbusters“ gelungen ist. Er hat den schlechtesten Film der jeweiligen Reihe hinzugefügt. Danke für nichts.

Bildrechte: 20th Century Fox Deutschland

Sicario 2 – 18.07.2018

Es gibt kein Gutes im Bösen

Verdammt, ich habe ein echtes Problem mit diesem Film – und zwar ein moralisches. Denn dort, wo der Vorgängerfilm noch ethische Grundsätze auf die dreckige Wirklichkeit des Drogenkrieges treffen ließ, dort findet sich bei Sicario 2 nur noch Leere. Keiner der Helden hinterfragt, was sie tun. Sie machen es einfach. So absurd unmenschlich und zutiefst rücksichtslos es auch ist. Gewaltausbrüche bringen die Figuren nicht mehr in eine moralische Zwickmühle oder stellen einen letzten Ausweg dar. Sie gehören einfach dazu.  Mord, Schießereien und Verstümmelungen sind ein zu akzeptierender Teil der Geschichte und somit jenseits aller Ethik. Dieser Film entzieht sich einer Bedeutung und betrachtet nur die reine Abfolge von Ursache und Wirkung. Mir ist das viel zu wenig. Gerade, wenn Regisseur und Produzenten für sich in Anspruch nehmen, den großartigen ersten Teil fortsetzen zu wollen.

Jenseits der Moral

Wem es gelingt – mir leider nicht so – die moralische Schieflage dieses Filmes hinzunehmen, der bekommt wirklich sehr gut gemachte Action mit zwei großartigen Hauptdarstellern geboten. Hinzu kommt, dass mir das Setting rund um die Grenze zwischen den USA und Mexico sehr gefällt. Ich mag die Aufnahmen der Wüste, wenn in dieser Einsamkeit die Sonne untergeht. Ich bin wirklich begeistert von der Einsamkeit und Erbarmungslosigkeit dieser Gegend und davon, wie alle Figuren dadurch noch härter und unbeugsamer wirken. Sicario 2 lebt von der Landschaft und nutzt sie visuell beeindruckend aus.

Was mir gefällt

Wie gut mir die Landschaftsaufnahmen gefallen, das habe ich ja gerade schon gesagt. Darüber hinaus gibt es einen großartigen Soundtrack. Er vermeidet es, Songs und Melodien zu offensichtlich in den Film einzubetten. Stattdessen gibt es eine unterstützende Soundmalerei, die immer die Schauspieler oder die Landschaft als Inspiration zu haben scheint. Das ist wirklich ausgesprochen gelungen. Regie und Schauspieler? Sie machen das, was sie sollen. Sie inszenieren sich selbst als amoralische Kämpfer in einer Region, in der Flüchtlinge wie Vieh behandelt werden. Das passt in den Film und ist stimmig.

Was mir nicht gefällt

Ich fange jetzt nicht schon wieder mit der Moral-Keule an. Selbst wenn es mir auf der Zunge liegt. Aber nein, was ich schmerzlich vermisse ist vor allem eine Darstellerin: Emily Blunt hat dem ersten Film extrem gutgetan. Sie war der Gegenpol zu der Testosteronschau der Männer. Und dieser Gegenpol fehlt jetzt völlig. Sie wurde auch nicht ersetzt. Frauen kommen in diesem Film nur am Rande vor. Als Stichwortgeber oder Entführungsopfer. In dieser Macho-Trump-Welt gibt es offensichtlich für Zwischentöne keinen Platz. Mist, dann bin ich doch schon wieder moralisch geworden. Sorry.

Story

Kurz gesagt: Der Film funktioniert. Vor allem, wenn man zu spät ins Kino geht und die ersten 10 bis 15 Minuten verpasst, weil es an der Getränke- und Popcorn-Theke länger gedauert hat. Der gesamte Anfang kann einfach weg. In die Tonne. Denn er macht keinen Sinn, er bedeutet für den Film nichts und spielt weder für die Figuren noch für die Entwicklung der Geschichte eine Rolle.

Alles was danach kommt, ist routiniert bis gut erzählt. Die Spannung ist an jeder Stelle greifbar und die Härte und Physis der Figuren kommt sehr gut zur Geltung. Was keiner erwarten sollte sind spannende Wendungen oder überraschende Enthüllungen. Die Politiker sind ängstlich und dämlich. Die Helden brutal und durchsetzungsstark. Die Opfer sind weinerlich und verängstigt. Das war es.

Fazit

So funktioniert es für mich nicht. Einen Film über Flüchtlingselend, Menschenschmuggel und Drogenkartelle zu machen und dann moralisch völlig zu versagen. Das Schicksal von tausenden zu einer Kulisse zu degradieren und stattdessen eine absurde Motivation für Schießereien in Mexico zu liefern. Das ist für mich einfach zu wenig. Wie es anders geht, beweist der großartige Film „No Way Out“. Auch mit Josh Brolin in der Hauptrolle. Aber Sicario 2 ist für mich einfach nur gescheitert.

 

 

 

Bildrechte: Studiocanal

 

 

 

 

 

 

 

Christopher Robin – 16.08.2018

Erinnere Dich an die guten Zeiten, bevor Du sie vergisst!

Ich habe mich gefragt, wann ich mich zuletzt so gefühlt habe, wie nach diesem Film. Wann und wo war mein Herz gleichzeitig so begeistert und doch tief melancholisch. Und dann fiel es mir wieder ein. Zuletzt habe ich mich so gefühlt, als ich mich gestern auf meine Bank im Flur gesetzt habe. Denn dort sitzt seit Jahren schon mein alter, gelber ziemlich gerupfter Teddybär. Meine Schwester hat ihn als Kind auf dem Jahrmarkt gewonnen und mir geschenkt. Seitdem ist er bei mir. Ein Stück meiner Kindheit.

So, genau so fühlt sich Christopher Robin für mich an. Ein melancholisch-freundlicher Ausflug in eine vergangene Zeit.

Disney Familienfilm und melancholisch – geht das überhaupt?

Es ist vielleicht eine komische Frage. Aber darf ein Familienfilm eine andere Stimmung haben als glücklich und fröhlich? Meistens sind diese Filme ja geprägt von fröhlichen, lustigen und herzensguten Figuren. Die Landschaften sind bunt und das Ende ist stets gut. Umso überraschter war ich von der Grundstimmung von „Christopher Robin“. Denn hier geht es nicht um glückliche Kindertage, sondern um die Melancholie eines Erwachsenen, der seine Kindheit im Spiegel der Erinnerungen wiederentdeckt. Dem Pu der Bär nicht die verspielte Kindheit zurückbringt, sondern tragisch vor Augen führt, was er verloren hat.

Ich mag den Ansatz. Mir gefällt diese Sichtweise auf die Vergangenheit, weil sie nicht verklärt oder glorifiziert, sondern eher beschreibt, welchen Preis wir für das Erwachsenwerden zahlen.

 

Was mir gefällt

Zuallererst natürlich die Animation von Puuh, Tigger, I-Aah und Ferkel. Es ist wirklich hinreißend schön zu sehen, wie sich die Stofftiere verhalten. Denn sie imitieren nicht die Realität, sondern rutschen von Stühlen und schwimmen im Wasser wie Stofftiere. Genau so, wie es mein Teddybär damals in der Badewanne gemacht hat. Und Ewan McGregor gelingt es großartig, sich als Erwachsener in diese Stofftiergruppe einzufügen. In ihm brennt immer der Funken, der ihn Kind sein lässt und der durch seine Arbeit in London fast erloschen ist. Das macht wirklich Spaß.  

Was mir nicht gefällt

Jetzt wo ich versuche es zusammen zu schreiben fällt mir auf, dass ich eigentlich keine wirklichen Kritikpunkte finde. Mich hat die Stimme von Puuh dem Bär ein wenig gestört. Aber nur anfänglich. Irgendwann habe ich akzeptiert, dass auch Bären älter werden und man das hört. Bei meinem Teddy ist das Fell auch schon abgewetzt und die Nähte halten nicht mehr wirklich.

Story

Es ist natürlich ein wenig schade, dass die hinreißende Freude der Zeichentrickversion von Puuh es nicht in diesen Film geschafft hat. Der honigliebende Teddy als bester Freund des jungen Christopher Robin. Das ist hier Jahre her und fast vergessen. Wer sich darauf einlassen kann und nicht enttäuscht ist, der wird von einer erstaunlich differenzierten Zeichnung der menschlichen Figuren überrascht sein. Die Story schildert erwachsen sein nicht als Bedrohung oder Abstumpfung, sondern eher als eine zwangsläufige Evolution jedes Menschen. Und Christopher Robin ist auch erwachsen ein guter Mann. Er fühlt sich gespalten in seinem Wunsch, für seine Familie und für seinen Kollegen da zu sein. Er verliert das Verspielte durch sein Verständnis für Verantwortung. Das macht diese Story wirklich außergewöhnlich. Dabei bleibt die Geschichte in ihrer Struktur allerdings immer familiengerecht. Ein erstaunlicher inhaltlicher Spagat der hier gut gelingt.

Fazit

Aus diesem Film bin ich nicht jubelnd herausgekommen. Ich bin nach Hause gefahren und habe mich neben meinen gelben Teddy auf die Bank im Flur gesetzt. Und das war schön und ein wenig traurig zugleich. Dass ein Kinderfilm diese Tiefe auslöst und ein solch starkes Gefühl mitgibt, ist wirklich erstaunlich. Das macht Christopher Robin zu einem besonderen Film für mich.

 

 

 

Bildrechte: Disney Pictures Germany