Toy Story 4 – 14.08.2019

“Most unfortunately, in the lives of puppets there is always a ‚but‘ that spoils everything.” 

Carlo Collodi, Pinocchio

„Wir machen keine Sequels“, war einmal ein zentraler Grundsatz von Pixar. Dieses großartige Filmstudio, dass mit Findet NemoObenund WALL-Etatsächlich Filmgeschichte geschrieben hat. (Und von diesen großartigen Filmen gab es noch viel mehr.) Aber natürlich hat sich keiner bei Pixar an diese Grundregel gehalten, als ihre Filme zu erfolgreich wurden. Und so kam es zu Cars2,Planes2und The Incredibles 2. Alles Filme, die den hervorragenden Ruf ihrer Vorgänger ruinierten aber gleichzeitig an der Kinokasse Millionen Dollar einspielten. Und die unendlichen Geldquellen des Merchandisings kommen da noch oben drauf. 

Und dann gibt es da die Toy Story-Reihe, die tricktechnisch einen Meilenstein darstellt, aber spätestens mit Toy Story 3nun wirklich zu Ende erzählt war. Und jetzt kommt Toy Story 4 und kaum ein Film hat mich in diesem Jahr so begeistert, wie dieser. 

Warum? Ganz einfach: In Fortsetzungen wird meistens alles größer. Es kommen neue Charaktere hinzu, neue Schauplätze und neue Herausforderungen. Und das alles nur, um die immer gleiche und beim Publikum bekannte und gemochte Story noch einmal erzählen zu können. Und jetzt kommt Pixar. Die machen diesen Film kleiner. Viel kleiner. Selbst viele der seit Jahren bekannten Hauptfiguren kommen kaum vor. Stattdessen schaffen die Autoren und der Regisseur so Raum für eine neue, menschliche und an vielen Stellen geradezu philosophische Story.  

Weniger bekannte Figuren, als in den vorherigen Teilen.
Plastikhelden mit Charme und Witz

Warum ich mir den Film noch einmal ansehen würde

Weil er das wichtigste hat, was ein Film mitbringen muss. Eine Botschaft, ein Herz und eine exzellent erzählte Geschichte. Und ich rede hier nicht über diese Disney-Plazebos „Wir sind alle Freunde“. Das hier ist nicht der My Little Pony-Film oder noch schlimmeres. In Toy Story 4 steht Woody vor einer zutiefst menschlichen Entscheidung, die weder hochdramatisch noch emotional überspitzt ist. Gerade dadurch, dass die Wendungen der Story einfach und überschaubar bleiben, komme ich als Zuschauer diesen computeranimierten Hauptfiguren näher, als es bei vielen hochkarätig besetzten Blockbustern möglich ist. Toy Story 4ist der Anti-Avengers! Und das ist großartig.  

Ein besonderer Held – und Woody.

Was mir fehlt

Ich habe wirklich nichts zu kritisieren. Sorry. Das einzige was der Kinogänger wissen muss: Das hier ist kein Action-Blockbuster sondern großes Kino! 

Es sind halt Stofftiere. Die sind niedlich.

Story 

Die Frage bei Filmen, die eine jüngere Zielgruppe ansprechen ist ja häufig die gleiche: Wie kann ich den Kinofilm für Kinder spannend machen, ohne die Erwachsenen zu langweilen. Die Antwort von Pixar in Toy Story 4ist wohl diejenige, mit den größten Herausforderungen. Der Film will über die Story beide Zielgruppen begeistern. Deswegen verzichten Regisseur und Drehbuchautor konsequent auf übertriebene Action und beängstigende Schockmomente. Damit haben sie die Kinder für ihre quietschbunte Welt begeistert. Auf der anderen Seite eröffnet dieser Film erwachsenen Zuschauern eine erzählerische Tiefe, die an Arthaus-Filme erinnert. Ok, das ist eventuell jetzt ein wenig dick aufgetragen. Aber es geht in die richtige Richtung. Toy Story 4ist – jenseits der bunten Spielzeugfiguren – ein Film über einige große Fragen des Lebens. Wie kommen wir zu wichtigen Entscheidungen, wenn der Lebensweg sich gabelt? Wie können wir vertrauen, wenn die Antwort nicht offensichtlich ist? 

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter …

Fazit

Toy Story 4ist ein wirklich großer Kinofilm, der im besten Sinne bescheiden und zurückhaltend erzählt wird. Ein tolles Erlebnis für Erwachsene und Kinder und daher im perfekten Sinne ein Familienfilm. 

Pixar hat versprochen, nach Toy Story 4erst einmal keine Sequels mehr zu produzieren. Nachdem ich diesen Film gesehen habe, finde ich es fast ein wenig schade. 

Originalität: 4,5 / 5

Story: 5 / 5

Regie und Drehbuch: 5 / 5

Insgesamt: 5 / 5

Bildrechte:  Disney Pictures Germany

Yesterday – 11.07.2019

So may I introduce to you / The act you’ve known for all these years …

The Beatles

Ich will es gar nicht erst verheimlichen. Ich bin begeistert aus dem Kino gekommen und ich werde mir Yesterday auch auf jeden Fall noch einmal ansehen (dann mit englischem Original-Ton). Denn Yesterday ist ein wunderbarer Film, der aus einer kleinen und absurden Idee einen großartigen Kinoabend zaubert. Ich will jetzt nicht das völlig abgegriffene Bild vom Schmetterling, der das Wetter beeinflusst, zitieren. Denn es würde dem Film nicht gerecht werden. Er ist fantastisch, lyrisch und mitreißend. Auf die beste Art, die Kino zu bieten hat.   

Um das größte Lob gleich loszuwerden: Es gibt für mich ein einziges Argument, warum dieser Film eine ganz besonders herausragende Stellung in diesem Kinojahr hat. Er verzichtet vollständig auf Erklärungen. Er streicht 13 Beatles-Alben aus der Welt und versucht nicht einmal zu beschreiben, warum das passiert ist. Das ist so unglaublich gut, denn so fällt es dem Zuschauer viel leichter, mitzufühlen. Gerade dieser Moment ist es, der Yesterday so besonders macht. Außer der Hauptfigur erinnert sich nur noch der Kinozuschauer an das, was fehlt. An Songs wie „Penny Lane“, „Help“ und natürlich „Yesterday“. 

Warum ich mir den Film noch einmal ansehen würde

Yesterday bietet dem Zuschauer eine einzigartige Gelegenheit: Er kann, wenn er sich darauf einlässt, die Beatles-Songs neu entdecken und für sich selbst feststellen, was ihm fehlen würde. Denn dieser Film ist kein Musical wie „Mamma-Mia“, bei dem die Story eigentlich nur existiert, um zum nächsten Song zu kommen. Er verzichtet auch auf jeden biographischen Ansatz, wie ihn „Rocketman“ oder „Bohemia Rhapsody“ umsetzen. Die Erkenntnis des Filmes ist nicht „Ach, so ist es zu dem Song gekommen.“ Die Magie liegt in dem Gedanken „Ja, ich würde auch nicht auf Yesterday verzichten wollen.“ Das ist hervorragendes Erzählkino. 

Was mich davon abhalten könnte, den Film noch einmal zu sehen

Es gibt wirklich wenig, was ich nicht mag. Ich hatte große Erwartungen an den Film und nicht alle wurden erfüllt. Ich dachte mir, Danny Boyle als Regisseur (Slumdog Millionär) sowie Autor Richard Curtis (Tatsächlich Liebe) – das kann nur ein großartiger Film werden. Das stimmt auch zu weiten Teilen. Aber es gibt zwei Punkte, die ich nicht mag. 

Zuallererst: Das Ende. Der Film scheitert tragisch beim Versuch, die Story zu einem würdigen Ende zu bringen. Es ist leider zutiefst klischeebeladen, langweilig und in der Konsequenz völlig unangemessen. Das war nichts. Leider. 

Und ich hätte mir ein wenig mehr Spaß an den positiven Seiten der Story gewünscht. Der Gewissenskonflikt, sich mit fremden Federn zu schmücken und darauf seinen Erfolg aufzubauen, der ist wichtig für die Moral des Films. Aber ein wenig mehr Spaß hätte die Hauptfigur dennoch haben können. Als Straßenmusiker endlich Erfolg zu haben, das ist nicht nur belastend. Davon bin ich überzeugt.  

Story 

Es gelingt diesem Film wunderbar, die Entwicklung der Figuren in diesem eigentlich völlig unglaubwürdigen Setting, nachvollziehbar zu gestalten. Das ist eine wirklich große Leistung, denn jede Alien-Invasion und jede romantische Liebeskomödie ist glaubwürdiger, als diese Story. Auf einmal fehlen die Songs der Beatles im kollektiven Gedächtnis. Einfach so. Das ist – und ich liebe es, dies hier schreiben zu können – im besten Sinne an den Haaren herbeigezogen.

Der Film fühlt mit seinen Figuren und schafft es immer wieder überraschend und im besten Sinne, warmherzig zu sein. Bis auf die ätzend ehrliche Musik-Managerin bringen alle Figuren ihre eigene Biographie und nachfühlbare Emotion mit. Das fügt sich so zu einer geradlinigen Storyline die in ihrer differenzierten Ausarbeitung in diesem Kinojahr einzigartig ist. Und die emotionale Einbettung des Auftritts von Jack Malik am Strand in England ist ein wirklich genialer Akt des Storytellings. Alleine für diese bittersüße Szene lohnt sich der Kinobesuch. 

Fazit

Solche wunderbaren Filme sind selten geworden im Kino. Die Kombination aus tollen Darstellern, einer unaufdringlichen aber stets präsenten Regie und einer hervorragenden Storyline ist wirklich begeisternd. Dafür verzeihe ich auch das etwas nervige Ende. 

Bildrechte:  Universal Pictures Germany

Men in Black International – 13.06.2019

Von der Sehnsucht direkt nach dem Film „geblitzdingst“ zu werden

Es sollte doch nicht so schwer sein, einen guten Men in Black-Film zu machen. Denn die Zutaten für ein spaßiges Kinoerlebnis sind seit Teil 1 offensichtlich. Ein Men in Black-Film lebt von einem großartigen Ermittlerduo, wobei einer der Erfahre Alien-Cop ist und der andere der Neuling der stellvertretend für den Zuschauer erstaunt ist und sich zurechtfinden muss. Dann braucht es ein stylisches Design mit Chromwaffen und spacigen Innenräumen. Und zu guter Letzt braucht ein solcher Film noch verrückte Aliens, die sich hinter der Maske einer normalen Welt verbergen und eine gute Portion Humor. Fertig, oder? Doch wie Teil 2 und 3 beweisen, ist es nicht so einfach diese Dinge zusammen zu bringen. Und Teil 4 der Serie, genannt „International“, vermurkst es dann völlig.   

Denn Men in Black International ist weder spannend noch komisch noch interessant. Viel schlimmer noch. Die Macher des Filmes scheinen davon überzeugt zu sein, dass es in der Welt von Men in Black nichts mehr zu entdecken gibt. Sie verzichten fast vollständige auf überraschenden Aliens und ignorieren die Interaktionen der offensichtlichen und der außerirdischen Welt fast vollständig. Damit geht leider auch der Reiz dieser Filmreihe im unendlichen All der Beliebigkeit verloren. 

Warum ich mir den Film noch einmal ansehen würde

Das ist schwierig. Eigentlich würde ich auf die Veröffentlichung bei VOD warten und Men in Black International dann eventuell noch eine Chance geben. Das hier ist einer dieser Filme, die ich mir noch einmal ansehen würde, wenn mir nichts mehr einfiele und ich zu faul wäre, um vom Sofa aufzustehen und Pizza bestellen würde. Dann könnte ich aber durchaus Spaß haben. Die Ausstattung ist cool und auch Tessa Thompson und Chris Hemsworth haben wie in Thor 3 durchaus ihre gemeinsamen Momente. Vom Rest sollte der Zuschauer einfach nicht zu viel erwarten. 

Was mir fehlt

Das klingt jetzt kitschig, aber ein wenig mehr Liebe zum Men in Black-Universum würde ich mir sehnlichst wünschen. Diese überraschten Momente, wenn skurrile Aliens mit den Hauptfiguren interagieren. Wenn sich die langweiligsten Orte als geheime Hauptquartiere und Verstecke herausstellen. Wenn dann auch noch dem Zuschauer dieses besserwisserische Gefühl vermittelt wird: „Hey, das hast Du nicht gewusst? Der ist ein Alien! Das ist doch offensichtlich!“  Dann hätte auch Men in Black International eine Chance gehabt. So ist es ein in der Pose erstarrter Film ohne Kern und Substanz. 

Story 

Nur ganz kurz gesagt: Bei Men in Black-Filmen spielte die Story nie eine wichtige Rolle.  Darum ging es auch nicht. Es geht um Design, Action und Aliens. Das war es. Doch Teil 4 fällt sogar hinter diese Minimalanforderungen zurück. Kurz gesagt: Wer nicht von Anfang an weiß, wie die Geschichte ausgeht, war zu lange am Popcornstand und hat danach nicht richtig aufgepasst, weil er seinen Platz im Kino noch gesucht hat. Die Story ist unsinnig und jederzeit vorhersehbar. Als Zuschauer bleibt einem da nur das Mitleid mit den Hauptfiguren und die Frage, warum die so lange dafür brauchen.

Fazit

Zur Ehrenrettung von Men in Black International kann ich sagen, dass ich an einigen Stellen durchaus gelacht habe und meinen Spaß hatte. Aber es waren wenige Stellen und mein Lachen wurde jedes einzelne mal von einem Kopfschütteln abgelöst. Ich wünsche mir wirklich einen funktionierenden Neuralyzer. Dann könnte ich mir Teil 1 noch einmal anschauen und ihn noch einmal völlig neu erleben. Ich hätte Spaß und wäre begeistert wie frisch und neu hier alles ineinander passt. All das kann ich über Teil 4 leider nicht sagen. 

Bildrechte:  Sony Pictures Germany

Avengers: Endgame – 24.04.2019

Whatever it takes!

Ich war ja der festen Überzeugung, dass die Schwemme an Superheldenfilmen und die überzogen bombastische Infinity War-Schlacht zu einer akuten Superhelden-Narkolepsie bei mir geführt hat. Schon wieder ein Held im Cape? Schnarch … Ein Superschurke der wahlweise die Welt oder das Universum zerstören will? Schnarch … Neue Superhelden von denen ich vorher noch nie gehört habe? Schnarch. Die Diagnose ist offensichtlich. Also habe ich mich für Avengers: Endgame mit Kaffee auf 300 Minuten Revenge-Hero-Action vorbereitet. Und ich hätte nicht falscher liegen können.

Was mich am meisten überrascht hat: Dieser Film trägt über die gesamte Spielzeit – ohne den Zuschauer mit permanenten Explosionen und Schlachten wieder wachrütteln zu müssen. Ganz im Gegenteil. Der Film hat eine eher ruhige und in seinen besten Momenten anrührend melancholische Grundstimmung. Er nimmt seine Superhelden ernst in ihrer Trauer über den Snap von Thanos. Das Gefühl alleine zurückgeblieben zu sein wird besonders bei Black Widow spürbar. Es sind diese Momente, die Avengers: Endgame tragen. Es sind die stillen, eindringlichen Situationen in denen kein stählerner Anzug und kein mythischer Hammer (oder Axt) weiterhelfen und die Helden schützen. Das ist wirklich großartig.   

Was mir gefällt

Es wäre so einfach gewesen alles kurzerhand noch einmal größer zu machen. Noch mehr Action als beim Angriff auf New York. Noch buntere Weltallschlachten als in Guardians of the Galaxy. Oder noch größere Superkräfte als bei Captain Marvel. All das passiert nicht. Stattdessen schleudert der Film den Zuschauer auf die Anfänge und auf die Menschen hinter den Kostümen zurück. Weder Tony Stark noch Steve Rogers hatten bisher so großartige Szenen in einem der vielen früheren Filme des Marvel Cinematic Universe (MCU). Dieser Film ist ein würdiges Ende.

Was mir nicht gefällt

Wirklich nur ganz wenig. Was ich schade finde ist der Laufzeit des Filmes geschuldet. Mit einigen Figuren wird sehr beiläufig umgegangen. Dies ist kein Endgame sondern eine Hommage an IronMan, Captain America, Hulk und Thor. Es wird auch nicht wirklich etwas final ausgetragen. Es bleibt genug Material für weitere Filme und weitere Helden in Capes und weitere Schlachten mit Endgegnern, welche die Welt oder das Universum zerstören wollen. Huch … da ist meine Superhelden-Narkolepsie … Schnarch. 

Story 

Kurz gesagt: die Schlacht um die Infinity-Steine ist natürlich unausweichlich und mit einer gut erzählten Storyline kommt der Film auch dort an. Unterhaltsam und anrührend ist der Weg für die Helden. Er ist gut und mit der richtigen Mischung aus Witz und Emotion erzählt. Auffällig ist allerdings eine Besonderheit. Dieser Film hat ganz offensichtlich zwei Anfänge, die hintereinander stattfinden. Offensichtlich haben sich die Verantwortlichen bei Marvel/Disney dafür entschieden, den bereits fertiggestellten Abschluss von Infinity War als Beginn von Endgame zu nutzen. Eine gute Entscheidung, da die Dramaturgie rund um Thanos so besser auf beide Filme verteilt werden kann. Der Zeitsprung zwischen den beiden Teilen verändert allerdings die Stimmungslage im Film deutlich und ich habe mich gefragt, ob ich den Thanos-Teil überhaupt gebraucht hätte. 

Fazit

Ganz sicher wird Avengers: Endgame der Film des Jahres. Er packt richtig zu und lässt einen im Kinosessel nicht mehr los. Er ist ein emotionaler Ritt und ein passendes Ende der Avengers-Reihe. Und das ist wahrlich nicht wenig. 

Bildrechte: Marvel / Disney Pictures Deutschland

Shazam! – 04.04.2019

Von der Sehnsucht niemals erwachsen werden zu wollen

Für mich gibt es zwei Blickwinkel auf Shazam! Der eine ist eher freundlich und wohlwollend. Der andere ist es nicht. Denn bei diesem Film ist es sehr wichtig, die eigenen Erwartungen zu kennen, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Denn so richtig funktioniert Shazam! nur für einen Fan der DC-Comics, der von den letzten Filmen (jenseits von Wonder Woman und Aquaman) enttäuscht zurückgelassen wurde. Der das quälenden Kinoerlebnis von Batman vs Superman hinter sich gebracht hat und dennoch nicht die Hoffnung auf einen guten Film im DC-Universum verloren hat. Der wird sich bei Shazam! wohlig-warm aufgehoben fühlen. Denn dieser Film verzichtet auf das für DC so typische Heldenpathos und will einfach nur Spaß machen. Unter diesen Vorzeichen funktioniert der Film wirklich hervorragend. 

Allerdings gibt es da noch die zweite Sichtweise. Das ist der Blickwinkel derjenigen, die kein Superhelden-Trauma im Marvel-Konkurrenzuniversum erlitten haben. Die eventuell ins Kino gehen, um einen Film zu sehen, der neu, witzig und emotional ist. Der zwischen den notwendigen und zu erwartenden Action-Sequenzen sogar etwas Raum für Storytelling und emotionale Entwicklung zulässt. Wer sowas ernsthaft erwartet, wird sich nach langen 132 Minuten Kinofilm fragen, ob er seine Zeit nicht hätte besser verbringen können. Und die Antwort ist: ja, hätte er!

Was mir gefällt

Endlich ist der Mief und Muff der DC-Superhelden durch einmal Stoßlüften aus den obligatorischen Geheimverstecken und Doppelidentitäten vertrieben worden. Wo sich die Mitglieder der Justice League im selbstherrlichen Pathos der jedes Mal erneuten und nicht mehr überraschenden Weltrettung baden, ist Shazam! erstaunlich kleinlaut. Der Held ist halt keine gestählter Multimilliardär sondern ein Schüler, der mit seinem Leben nicht zurechtkommt. Und er kämpft nicht gegen Oberschurken aus Paralleldimensionen sondern zuallererst mit und gegen sich selbst und dann auch noch gegen einen Erwachsenen, der ihn in die Knie zwingen will. Die Darstellung dessen was passiert, wenn ein Außenseiter in der Pubertät Superkräfte bekommt, das ist wirklich sehenswert. 

Was mir nicht gefällt

Hinter den Kulissen des Superhelden-Films gibt es wirklich wenig zu entdecken. Der pubertäre Wunsch, die eigene Besonderheit der Welt zu zeigen, wird in wirklich vielen Filmen präsentiert. Es ist ein typisches Narrativ des Jugendfilmes und wird auch in Action-Filmen wie „Kick-Ass“ (2010) oder „Spider Man: Homecoming“ bereits erzählt. Shazam! ist hier also kein wirklich neuer Ansatz. Auch der Versuch, die eigenen Superkräfte mit Humor einzuordnen ist nicht neu, wie Marvel bereits gezeigt hat. So bleibt im Kern als Überraschung nur die Art, wie Shazam! den Superhelden initiiert. Ein wenig dürftig für einen Film, der über zwei Stunden lang ist. 

Story 

Die Story für Shazam! ist stark und unterhaltsam. Gar keine Frage. Da verzeihe ich als Kinobesucher sogar die offensichtliche Nachlässigkeit des Veröffentlichungstermins. Wieso zur Hölle kommt ein Kinofilm, der intensiv auf die Vorweihnachtszeit festgelegt ist, Anfang April in die Kinos? Ich kann darüber noch immer nur den Kopf schütteln. Ebenfalls ein Rätsel ist es mir, warum der Film 132 Minuten lang sein muss. Diese Geschichte hätte wirklich locker 30 Minuten kürzen sein können, ohne dass etwas verloren gehen würde. Alleine dieser Anfang, der sich zieht wie Kaugummi und dessen Inhalt mehrfach im Film erneut beschrieben und diskutiert wird. Es hat aber auch seinen Vorteil. Wer kurz auf der Toilette war oder verspätet in den Kinosaal gekommen ist, wird der Story immer folgen können. 

Niemand sollte von Superhelden-Filmen zu viele emotionale Elemente erwarten. Oft sind Beziehungen zwischen solchen Figuren nur eine Vorbereitung der finalen Auseinandersetzung. Für irgendetwas oder irgendwen müssen Batman, Superman, Ironman oder sonstwer schließlich kämpfen. Dafür braucht es Nebenfiguren, um die Schlacht persönlich werden zu lassen. Auch Shazam! nutzt seine Nebendarsteller nur als emotionale Stufen für die Besteigung des Superhelden-Olymps. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Anders betrachte: Für einen DC-Film gibt es viel zu lachen, viel zu erleben und eine wirklich sympathische Hauptfigur. Nach dem Abspann bleibt kein sonst üblicher unangenehmer Nachgeschmack einer DC-Comikverfilmung zurück. Shazam! hat Tempo und Witz. Mehr, als ich erwartet habe.   

Fazit

Für mich ist Shazam! ein Durchatmen im DC-Universum. Es gibt also doch noch die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen die nicht überdimensional und gigantisch übertrieben sind. Billy Batson ist ein Außenseiter, dem ich gerne zusehe und dem ich seine Superkräfte zutiefst gönne. Aber all das täuscht für mich kaum darüber hinweg, dass Shazam! wie eine Wiederholung von etwas ist, das man schon einmal gesehen hat. Alle Elemente des Filmes sind bereits aus anderen Verfilmungen bekannt. Shazam! ist ein unterhaltsamer Film, aber er lässt die Möglichkeit liegen, etwas wirklich Neues auf die Leinwand zu bringen. 

Bildrechte: Warner Bros. Deutschland

Captain Marvel – 07.03.2019

„If you want something said, ask a man; if you want something done, ask a woman.“

Margaret Thatcher

Mein allererster Reflex, als ich von Captain Marvel gehört habe war dieser: „Bitte, bitte nicht noch ein Superheldenfilm. Ich habe keine Lust mehr auf Filme über Comic-Helden aus den unbekannteren Vororten des Marvel-Universums!“ Und seit Spiderman ist die Geschichte immer gleich: Typ hat vorher keine Superheldenkräfte. Dann entdeckt er, dass er auf einmal welche hat. Zum Schluss prügelt er sich mit einem Superschurken und gewinnt. Das dauert in der Regel über 120 Minuten und am Ende ist die Erde gerettet.
So ähnlich funktioniert auch Captain Marvel. Aber eben nur so ähnlich und nicht genauso. Und das macht den großen Spaß an diesem Film aus. Nicht nur weil die Heldin eine Frau ist. Sondern auch, weil die Story des Films anders aufgebaut ist.

Was ist anders bei Captain Marvel? Ich gebe mal ein Beispiel: Bisher gab es lediglich zwei Sorten von Filmen aus dem MCU (Marvel Cinematic Universe). Entweder kämpften Helden, wie in der Avengers Filmreihe, auf der Erde gegen Schurken. Oder die Schlachten wurden wie bei Thor oder Guardians of the Galaxy, am anderen Ende des Universums ausgetragen. Der wirklich neue Twist bei Captain Marvel ist, dass die Erde erstmalig fast völlig unwichtig ist. Sie ist ein Schauplatz für Duelle und Schlachten, aber weder die Menschen noch die Zukunft des Planeten motiviert die Heldin. Noch nie fühlte sich der Planet so unwichtig an und noch nie waren die Hauptfiguren so desinteressiert an Kollateralschäden. Captain Marvel benimmt sich wie eine Touristin, die weiß, dass sie bald wieder weg ist.

Was mir gefällt

Ganz klar: der Film ist einfach herrlich differenziert erzählt und Brie Larson ist eine wunderbar Superheldin. Sie ist eine selbstbewusste Heldin, die während des Films immer menschlicher und verständlicher wird. Sie ist ein Superheld, der in sich den Menschen entdeckt. Die als gefährliche Alien-Kriegerin beginnt und am Ende eine Frau ist, zu deren Fähigkeit es halt gehört aus ihren Händen Energiestrahlen abzuschießen. Soweit sowas halt menschlich und normal sein kann. Mir hat außerdem gut gefallen, dass dieser Film keine offensichtliche feministische Agenda hat. Captain Marvel ist eine Frau. Und das reicht. So wird viel Platz für einen richtig guten Film geschaffen.

Was mir nicht gefällt

Das ist wirklich wenig. Das Einzige, was mich tatsächlich gestört hat, war die Retro-Verliebtheit der Filmemacher. Ich finde es auch sehr amüsant aus heutiger Superheldensicht auf die 90er Jahre zurückzublicken. Es ist wirklich sehr lustig, wenn Captain Marvel mit den ersten Computern und den Anfängen des Internets konfrontiert wird. Aber irgendwann ist dann auch gut. Und nicht alle Szenen müssen mit „dem Besten der 90er“ unterlegt werden. Hier ist Captain Marvel für mich manchmal ein Stück über das Ziel hinausgeschossen.

Story

Natürlich ist es ein Superheldenfilm und natürlich geht es um die Anfänge von SHIELD. Also wird auch alles bedient, was der Fan erwartet. Es gibt alle notwendigen Charaktere inklusive Nick Fury. Es gibt bombastisch inszenierte Schlachten und dramatische Verfolgungsjagden. Doch Captain Marvel ist nie eine Wiederholung. Immer dann, wenn ich befürchtet habe zu wissen wie es weiter geht, ändert sich die Struktur der Story. Immer wenn ich dachte: Ja klar, so muss es sein, dann kam es anders. Dabei steht die emotionale Geschichte der Hauptfigur vor dem Klamauk und vor den Effekten. Eine für Marvel sehr ungewohnte Herangehensweise, die aber wunderbar funktioniert.

Fazit

Nicht nur in der Marvel-Timeline beginnt alles mit Captain Marvel. Für mich ist Captain Marvel auch insgesamt eine der gelungensten Interpretationen des Comic-Universums. Die Kombination aus überraschender Storyline, einer beeindruckend menschlich agierenden Hauptdarstellerin und einem reduzierten Action-Gewitter funktioniert toll. Für mich einer der besten MCU-Filme.

Bildrechte: Disney Pictures Deutschland

Robin Hood – 10.01.2019

“Let’s face it. You’ve gotta be a man to wear tights!”

Little John, Men in Tights (1993)

Robin Hood? Die Geschichte mit Maid Marian und dem Loxley? Die kennt nun wirklich jeder. Die Abenteuer aus dem Sherwood Forest sind seit der Erfindung des Filmes in den unterschiedlichsten Varianten ins Kino gekommen. Zu den Highlights der Robin Hood-Filmhistorie gehören sicherlich die Zeichentrickversion von Disney (1973), die romantische Variante mit Kevin Costner (1991) oder die Satire von Mel Brooks (1993). Diese Reihe kann um etliche weitere Versionen erweitert werden, je nach eigenen Interessen und Vorlieben. Von Erol Flynn (1938) bis zur Version von Ridley Scott (2010). Diese Filme hatten eines gemeinsam: Sie waren einzigartig, unterhaltend und haben dem König der Diebe eine neue Perspektive abgerungen. Die aktuelle Neuverfilmung ist hingegen nur eins: überflüssig. 

Schon vor zwei Jahren bewies Guy Ritchie, dass historische Kino-Stoffe das reinste Kassengift sein können Sein kolossales Scheitern an der Artus-Legende war ein Desaster, das nur wenige sich ansehen mochten. Bei Robin Hood ist es in diesem Jahr noch schlimmer. Die Geschichte aus dem Sherwood Forest ist unglaublich sinnentleert erzählt. Ja, schlimmer noch. Der schon fast zwanghaft wirkende Versuch, aktuelle politische Themen in diesen Film zu integrieren, macht alles nur noch schlimmer. Robin Hood als Gewerkschaftsführer für mehr Steuergerechtigkeit? Oder als Parlamentarier in einer von Eliten beherrschten Demokratie? Oder als Kriegsveteran, der mit seinem Trauma allein gelassen wird? Das passt vorne und hinten nicht zusammen. 

Robin Hood im Straßenkampf mit Pfeil und Bogen

Am Anfang des Films hielt ich es noch für eine mutige dramaturgische Idee, den Film nicht in jenem mittelenglischen Wald spielen zu lassen. Inzwischen bilde ich mir gerne ein, dass dies aus Umweltschutzgründen geschehen ist, um den Bäumen die Dreharbeiten und die miserable Storyline zu ersparen. Ich mag diesen rücksichtsvollen Gedanken. Denn die Kinozuschauer werden durch diesen Robin Hood weit weniger respektvoll behandelt. 

Ein sinnloser Versuch eines Filmes, dem man zumindest sein Budget ansieht.

Was mir gefällt

Es muss wohl einen Spirituosenhändler in der Nähe von Hollywood geben, der mit glänzenden Augen an die Zeit zurückdenkt, in der Drehbuchautor Joby Harold und Regisseur Otto Bathurst an diesem Film gearbeitet haben. Denn anders als mit massivem Missbrauch von Alkohol oder potentiell anderen die Sinne betäubenden Mitteln, ist dieser unzusammenhängende und zutiefst unlogische Kuddelmuddel der sich Robin Hood nennt wirklich nicht zu erklären. Ich finde es super mutig diesen Film ins Kino zu bringen und tatsächlich davon auszugehen, dass Menschen sich freiwillig 116 Minuten alberne Action Szenen und sinnlose Dialoge ansehen und danach zufrieden nach Hause gehen. Respekt. 

Kann ich auch weniger geben? Nein? Schade …
Robin Hood – nicht im Sherwood Forest

Was mir nicht gefällt

Die Liste was bei diesem Robin Hood aus meiner Sicht alles falsch gelaufen ist, sprengt jeden Rahmen. Es beginnt bei Taron Egerton, der als Hauptdarsteller eine äußerst unglückliche Figur macht. Weiter geht es mit einem sinnlosen Drehbuch und endet bei einer so blödsinnigen Ideologie, dass es mich vor Wut fast aus dem Kinosessel gerissen hat. Der Aufstand britischer Minenarbeiter ist als Leitmotiv von Robin Hood völlig daneben und historisch um mehrere Jahrhunderte auseinander. Solche Ungereimtheiten leistet sich der Film leider permanent. Von dargestellten Situationen, die tatsächlich physikalisch gar nicht möglich sind, schweige ich ganz bewusst. In diesem Film wird sogar der Städtekrieg in der Wüste in engen Gassen mit Pfeil und Bogen ausgetragen. Spätestens hier wird aus einem unlogischen ein wirklich lächerlicher Film.

Das alles hätte ich eventuell sogar noch hinnehmen können. Aber die rücksichtslose Lieblosigkeit, mit der hier klassische Figuren der Robin Hood-Sage behandelt werden, das war zu viel. Hätten Bruder Tuck oder der Sheriff von Nottingham die Möglichkeit wegen Verunglimpfung zu klagen, ich würde sie unterstützen. 

Mehr als 1 Stern ist echt nicht drin
Der Sheriff in der Stadt Nottingham

Story 

„Ja, Hallo! Ich bin Robin Hood, der Held des neuen Kinofilms. Ich bin so eine Art Kriegsheld mit posttraumatischer Belastungsstörung. Ich bin gleichzeitig auch noch ein adeliger Volksheld, der zur Rebellion aufruft. Und ich kann den Sherriff von Nottingham nicht leiden, weil ich eine total krasse Verschwörung aufdecke die zwar keinerlei Sinn macht, aber echt nicht gut für uns Briten ist.“ Danke Robin. Mehr gibt es wohl nicht zu sagen. Und nein, ich übertreibe jetzt nicht. Die 116 Minuten sind sogar noch mit viel mehr Blödsinn, überflüssigen Wendungen und dämlichen Begebenheiten angefüllt. Wäre dieses Drehbuch nur als grobe Skizze für einen möglichen Kinofilm gedacht, selbst dann hätten alle Beteiligten wieder neu anfangen müssen. Denn das hier bringt nichts. 

Was für eine alberne Story
I bims, der Robin!

Fazit

Das Jahr 2019 hat sicherlich viele schöne Momente. Dieser Film leider nicht. Wer Robin Hood mag, sollte sich einfach eine BluRay kaufen oder einen VOD-Dienst nutzen. Egal auf welchen der alten Filme die Wahl fällt – er ist in jedem Fallbesser als die aktuelle Kinoversion. „Oo-De-Lally!“

Insgesamt: 1 Stern für den Film

Bildrechte: Studio Canal

Bumblebee – 20.12. 2018

A robot is a girls best friend

Ich hätte es wirklich nicht für möglich gehalten. Eher hätte ich daran geglaubt, dass die Avengers einen Gastauftritt in „Downtown Abbey“ bekommen und Harry Potter drei Billboards Outside Hogwarts aufstellt. Ist es wirklich möglich, aus diesem totalen Metallschrott der Transformers-Serie einen guten Film zu machen? (Ja, ich habe mich bei diesen Zeilen auch ein wenig gegruselt. Die Begriffe „gut“ und „Transformers“ in einem Satz, ohne sarkastisch zu sein – oh Mann.) Ich hatte einen, im besten Falle vergnüglichen, Action-Film erwartet. Stattdessen ist Bumblebee ein anrührender, emotionaler und sehr gut erzählter Film über eine 18-jährige Frau, die sich in ihrer eigenen Familie fremd fühlt. 

Natürlich gibt es immer noch die absurd-albernen Transformers-Szenen in denen sich die Roboter beschießen, schlagen, Gliedmaßen abreißen und so weiter. Sonst würde der Film ja auch nicht Bumblebee sondern LadyBird heißen. Genau das ist übrigens die wirklich beeindruckende Leistung des Filmes. Er beweist, dass sich sogar mit Spielzeug eine wirklich spannende und emotionale Geschichte erzählen lässt, ohne das Transformers-Universum zu verlassen. Der Film passt in die Reihe und ist gleichzeitig der einzige Teil, der nicht absurd, sexistisch, militaristisch und sinnbefreit ist. 

© Paramount Pictures

Was mir gefällt

Zuallererst finde ich den Mut der Filmemacher richtig beeindruckend. Sie erzählen den Bumlebeeals eine Mischung aus „Nummer 5 lebt“ und „About a Boy“. Die Hauptfigur Charlie Watson sucht keinen Roboter, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Das wäre der übliche Plot für einen Transformers-Film irgendwo zwischen Teil 1 und 5. Sie sucht nach Vertrauen, nach Verständnis und nach einem Freund. Diese Anforderungen sind eigentlich vollständig inkompatibel mit dem dämlichen Hau-Drauf-Roboteruniversum. Doch es funktioniert. Das ist wirklich beeindruckend.

© Paramount Pictures

Was mir nicht gefällt

Nur ganz wenige Teile dieses Films haben mich nicht mitgenommen. Die Action-Szenen im All haben bei mir böse Befürchtungen aufkommen lassen, der Film drohe wieder in die alten Zerstörungsmuster zerfallen. Da muss man halt durch. Die Szenen sind für den Film auch nicht notwendig, aber wohl für die Transformers-Fans die Teil 5 für einen unterhaltsamen Film halten, weil Robo-Dinos die Feuer speien können darin vorkommen. Kann man bei dem Franchise wohl nicht anders lösen. Kloppende Roboter im All gehören zur DNA dieses Filmuniversums. Aber alles übrige ist wirklich gut. 

© Paramount Pictures

Story 

Wie unaufgeregt und undramatisch es Travis Knight als Regisseur gelingt die Welten einer 18jährigen Frau inklusive ihrer Konflikte mit Mama, Stiefvater und kleinem Bruder mit einem mehrere Meter hohen Transformer zu verbinden, der den Großteil des Filmes kein Wort spricht, das ist wirklich sehenswert. Es sind die Klischees, die hier ausgelassen werden, die Bumblebee vom Genreeinerlei zu einem wirklich sehenswerten Film reifen lassen (Sorry, wenn ich mich noch einmal direkt einmische. Aber habe ich das wirklich geschrieben? Ein gereifter Transformers-Film? Ach du meine Güte. Das habe ich nicht für möglich gehalten.). Und Hailee Steinfeld ist übrigens wirklich eine Entdeckung in diesem Film. Mehr als es Megan Fox in den Filmen je gewesen ist. Vor allem jetzt, wo mir die sexistischen Michael-Bay-Kamerafahrten wieder in den Sinn kommen. 

© Paramount Pictures

Fazit

Es ist wirklich überraschend. Aber ich kann nur sagen, der Film ist wirklich gut und einer der besten Blockbuster-Filme 2018. Er ist emotional, mitreißend und hat gute Actionszenen ohne zu viel Metallschrott. Die Darsteller bringen eine wirkliche Tiefe in den Film und nicht jede Wendung der Story ist schon ewig vorher erkennbar. Bumblebee ist wirklich erstaunlich und bemerkenswert gute Kinounterhaltung.  

Bildrechte: Paramount Pictures Deutschland

Verschwörung – 21.11.2018

Armageddon was yesterday, today we have a serious problem.” The Girl with the Dragon Tattoo 

Ich habe nur eine Bitte: Wenn beim nächsten Mal ein Marketingmitarbeiter in der Türe steht und sagt: „Ich habe hier eine mega brighte Story dabei. Ein absolutes must do! Die Vorgänger haben als Bücher 400 Millionen gemacht. Als Bücher, das müsst ihr euch mal geben. Und hier, das ist das jüngste Buch. Das machen wir!“ Wenn also dieser oder so ein ähnlicher Satz in einer Filmproduktion fällt, dann bitte, denkt einen Tag mal in Ruhe darüber nach. Denn wenn nicht, dann kommt sowas dabei raus: 

Spoiler Hinweis: Der Trailer erzählt übrigens alles, was im Film vorkommt. Wirklich alles. Wer sich den gerade angesehen hat, der kennt jetzt eigentlich den Film. Und er hat damit keinen Fehler gemacht. Denn mehr als diesen Trailer gibt es nicht zu entdecken. Daher: Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt Euch gerade das Geld für ein Kinoticket gespart. 

Aber mal ein wenig intensiver auf den Film geblickt: Die Verfilmung des vierten Teils der „Millenium-Trilogie“, deren ersten drei Teile Stieg Larsson erschaffen hat, hat so unglaublich viele Schwächen und ist an manchen Stellen schon fast eine Beleidigung für jeden, der die ersten drei Bücher gemocht hat. 

Nur eins von sehr, sehr vielen Beispielen: Wer erinnert sich an Mikael Blomkvist aus den ersten Teilen? Ja? —- Sehr gut. Behaltet ihn so in Erinnerung. Denn im jüngsten Film wird er nicht mehr gebraucht. Zumindest scheinen der Regisseur und der Autor davon überzeugt zu sein. Aber dort wo Mikael hin verschwunden ist, dorthin sind auch Spannung, Witz und eine gute Storyline abgeschoben worden. Was bleibt ist Claire Foy, die sich als Lisbeth Salander engagiert und bemüht. Allerdings war sie in „Aufbruch zum Mond“ deutlich besser.  

Was mir gefällt

Ich mag Schweden. Ich mag Stockholm. Ich mag den Schnee, das Eis und den Kontrast zwischen zurückhaltender, schwedischer Mentalität und brutaler, gesellschaftskritischer Kriminalstory. In einigen, wenigen Momenten schafft es auch „Verschwörung“ dieses Gefühl abzuliefern. Wer möchte: Die Version von David Fincher „Verblendung“ aus dem Jahr 2011 ist in dieser Hinsicht deutlich treffsicherer. Wenn auch dieser Film hinter den Erwartungen und hinter der schwedischen Fernsehreihe zurückgeblieben ist. Es war auch durchaus interessant Lisbeth Salander in der Neuinterpretation von Claire Foy zu begegnen, die ihre Figur noch weiter entmenschlicht hat und stattdessen mehr Richtung einsamen Agenten weiterentwickelte. Der Rest ist leider uninteressanter und schnell zu vergessender Kinodurchschnittskram. 

Was mir nicht gefällt

Ich habe mich mehrfach während des Films gefragt, ob die Autoren die Bücher gelesen haben und ob sie überhaupt einen Zugang zu den Figuren gefunden haben. Das würde für mich den Unterschied machen zwischen missglückt und sabotiert. Wenn ich als Regisseur keinen Spaß an der Verfilmung eines Buches habe, dann sollte ich es sein lassen. Wenn Figuren zu Abziehbildern verkommen und selbst die zumindest potentiell dramatische Konfrontation mit dem moralisch fragwürdigen Bösewicht nur irgendwo zwischen Langweile und absurder Unglaubwürdigkeit hin und her pendelt, dann gibt es kaum noch einen Grund ins Kino zu gehen. 

Story 

Kurze Charakterstudie um die fehlende Liebe zu den Figuren zu beschreiben: Lisbeth Salander  wirkt wie eine weibliche Mischung aus James Bond und Jason Bourne, die nach ihrer Geburt allerdings nach Schweden ausgewandert ist und seitdem nur so irgendwie zurechtkommt und mit einem gewissen Desinteresse auf die Welt schaut. Fertig. Diese Figur konfrontiert der Film dann mit einer Story, die aus der ganz tiefen Ramschkiste der B-Movie Actionfilme kommt. Weltverschwörung, Atomraketen, zwielichtige Hacker und eine gemeingefährliche böse Schwester. Bitte sehr. Von der Dramatik der originalen Trilogie, die immer das familiäre Drama mit regional verwurzelten Konflikten konfrontierte, davon ist wirklich nichts geblieben. Die Trilogie war eine runde Sache und ich hätte nichts vermisst, wenn diese zusätzliche vierte Geschichte nicht erzählt worden wäre. 

Sony

Fazit

Es bleibt mir ein Rätsel warum rund 2,3 Millionen Euro deutsches Fördergeld in diese Filmproduktion geflossen sind. Also rund 20.000 Euro für jede Filmminute zwischen Langeweile, Klischee und Unglaubwürdigkeit. Ich hätte mir wirklich eine gute Verfilmung gewünscht. Und ich hätte Claire Foy um so mehr eine gute Regie und ein gutes Drehbuch gewünscht.

 „But she wished she had had the guts to go up to him and say hello. Or possibly break his legs, she wasn’t sure which.” The Girl Who Played with Fire

Bildrechte: Sony Pictures

Mile 22 – 12.09.2018

Spannend wie die Fahrt mit dem Bus zum Flughafen

Das habe ich mir gewünscht: Ich wollte eine dreckige Story mit bösen Wendungen und einer zupackenden Portion Action. Mehr nicht. Das waren tatsächlich meine Wünsche bei „Mile 22“. Und jetzt, nachdem ich den Film gesehen habe, denke ich mir: Ich war naiv und hatte wohl zu hohe Ansprüche. „Mile 22“ hätte alles Potential gehabt für eine Mischung aus „Stirb Langsam“ und „16 Blocks“. Ein zeitkritischer Job, eine Crew die jenseits des Gesetzes steht und schlicht 22 Meilen bis zum Ziel überleben muss. Es hätte gradlinig, heftig und mitreißend sein können. Stattdessen wurde es brutal, stupide und über weite Strecken sinnlos.

Ist es denn wirklich so schwierig, geradlinig eine Geschichte zu erzählen? Regisseur Peter Berg („Boston“ / „Deepwater Horizon“ – übrigens beide auch mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle) ist jetzt wirklich nicht für feinsinnige Emotionsstudien bekannt. Aber selbst er haut diesen Film gegen die Wand und lässt sein Publikum zuschauen, wie das Kind in den Brunnen fällt. Bildlich gesprochen. Der Film ist für Actionfans zu lahm und für Erzählkino zu sinnlos und brutal. Das Potential ist wirklich da. Aber es bleibt ein Brei, der zäh an der Wand runter läuft.

Was mir gefällt

Der Cast gefällt mir ausgesprochen gut. Alle Schauspieler zeigen große Präsenz und mühen sich wirklich, durch die ganzen Explosionen, Schießereien und dämlichen Dialoge heil hindurch zu kommen. Einzige Ausnahme ist John Malkovich, der offensichtlich das Drehende seiner wenigen Tage am Set herbeigesehnt hat. Lustlos ist hier noch geschmeichelt. Ansonsten wird es wirklich schwierig weiteres Positives über den Film zu sagen. Obwohl, doch. Die Story hätte wirklich Möglichkeiten gehabt und ein paar Wendungen sind wirklich überraschend. Eigentlich …

Was mir nicht gefällt

Vor allem die lausige Dramaturgie dieses Filmes. Aus welchen Gründen auch immer Peter Berg eine zweite Erzählebene eingebaut hat, sie funktioniert gar nicht. Immer wieder wurde ich im Kino aus der eigentlichen Story herausgerissen um mir triefend langweilige Monologe anzuhören. Über die allgemeine Sicherheitslage und den Grund, warum Handeln wichtiger als Denken ist. Oder so …

Story

Kurze Schilderung aus dem Kino: Der Film ist ja mit 95 Minuten nicht allzu lang geraten. Trotzdem saß ich nach 60 Minuten im Kino, schaute auf meine Uhr und hoffte, dass es nicht noch viel länger dauert. Wenn mir das bei einem Actionfilm passiert, dann ist das echt ein ganz mieses Zeichen. Denn es bedeutet, dass die Action bei einem solchen Film so beliebig und redundant ist, dass sie nicht mehr zur Unterhaltung taugt. Bei „Mile 22“ ist es sogar noch schlimmer. Ich hatte Angst, dass die zweite Erzählebene wieder auftaucht und mich mit ihrer bräsigen Erzählweise sogar mehr nervt. Ich wartete also nicht nur auf das Filmende, ich hatte Angst davor, bis dahin noch unnötig geärgert und gelangweilt zu werden. Schlimmer geht es kaum noch.

Fazit

So ist das nix. Der Film ist für einen Actionkracher zu langatmig und für alles Übrige einfach zu nervtötend. Der hoffnungslose Versuch des Regisseurs den Figuren eine gewisse Tiefe zu geben, geht völlig den Bach hinunter. Denn für den Film spielen diese Elemente überhaupt und gar keine Rolle. Sie kosten nur Zeit und den Zuschauer eine Menge seiner Nerven.

 

 

 

 

 

Bildrechte: Constantin Film Deutschland