Pirates of the Caribbean: Salazars Rache – ab 24.05.2017

 

Bevor ich hier auch nur ein einziges Wort über den neusten Piratenfilm der Serie verliere, will ich ein Geständnis machen: Ich finde „Flucht der Karibik” aus dem 2003 ist ein grandioser Film. Ein wunderbarer Spaß, der mit so ziemlich allen Konventionen des Piratenfilms bricht und gleichzeitig eine eigene Reihe von Rockstar-Piratenfilmen initiiert. Ich liebe das von Johnny Depp weitererzählte Zitat, das der damalige Disney-Boss Michael Eisner nach den ersten Testshots gesagt haben soll: „He’s ruining the movie!“ Und andere aus der Chefetage zu seiner Figur Jack Sparrow fragten: „What’s wrong with him? Is he, you know, like some kind of weird simpleton? Is he drunk? By the way, is he gay?“ Genau diese Konfusion ist einer der großartigsten Momente des Originalfilms. Die selbstbewusste und völlig irrwitzige Haltung des Piraten Jack Sparrow.

Wie habe ich mich auf Teil 5 der Serie gefreut. (Naja, wohl wie ein Trinker an der Bar, der nach drei schlechten Cocktails die Hoffnung auf den nächsten nicht aufgeben will. Nur weil er sich noch daran erinnert, wie grandios der erste war.)

Doch was ich dann gesehen habe, das hat kaum noch etwas mit dem für mich so wichtigen Spirit des Originalfilms zu tun. Der große Jerry Bruckheimer-Shaker hat wieder zugeschlagen. Das bedeutet: Die Explosionen sind größer, die Action noch wilder und die computergenerierten Piratenschiffe noch absurder. Als ob die Transformers-Reihe einen Segelausflug machen würde. Und mitten drin ein Jack Sparrow, der sich einige Highlight-Szenen erarbeitet aber ansonsten für die Geschichte völlig unwichtig ist. Der große Pirat aus Teil 1 ist jetzt wirklich zu einer Witzfigur verkommen, der nur in der spektakulären Anfangsszene seinen alten Geist und seine großartige Weltfremdheit zur Schau stellen kann.  Stattdessen gibt es digitale Zombie-Haie. Und ja, das ist genauso grauenhaft überflüssig wie es sich anhört.

Was bei mir nach 137 Minuten bleibt, ist ein wenig Mitleid. Mitleid mit Will Turner und Elizabeth Swan. Wie wunderbar war ihr Aufeinandertreffen mit Jack Sparrow. Wie unglaublich prallten hier die Welten kolonialer Eroberer und sich selbst überschätzender Piraten aufeinander. Wie gruselig waren die Verfluchten. Wenn sich in Teil 5 die Pulverdämpfe verzogen haben, dann bleibt für mich kaum etwas davon übrig. Lediglich Geoffrey Rush und Javier Bardem retten den Film davor, in den Wellen gänzlich unterzugehen. Die beiden sind herrliche Piraten und genau deswegen völlig fremd in diesem Film.

Ich denke gerne zurück an „The Curse oft he Black Pearl“. Daher wünsche ich der Serie auch einen 6. Teil. In der Hoffnung, dass wieder jemand versucht den Film zu ruinieren. Prost!

 

Bildrechte und Ausschnitte: Disney

King Arthur: Legend of the Sword – ab 11.05.2017

„The final weapon ist the brain, all else ist supplemental.“ John Steinbeck, The Acts of King Arthur and His Noble Knights.

Dieser Gedanke scheint Guy Ritchie fast völlig fremd zu sein.  Seine Adaption der Sage rund um Arthus, Excalibur und Camelot ist ein 126 Minuten langes Videogame, welches wenige überzeugende Momente hat aber viel 3D-Alarm und Prügeleien.

 

 

Dabei ist der Grundgedanke des Filmes ja zutiefst spannend: Was, wenn Arthus eben nicht von seiner noblen Herkunft weiß, sondern in der Londoner Gosse groß wird? Was wenn er kein König, sondern eine Mischung aus Zuhälter und Türsteher ist? Was, wenn die epischen Schlachten der Arthus-Legende mit Fäusten ausgetragen werden? Ich fände das hoch spannend. Dann hätte Ritchie den hochfliegenden Ritterphantasien einen ganz gehörigen Tritt in den metallgeschützen Hintern gegeben. Die Arthus-Legende sozusagen in die Snacht-Gosse heruntergerissen.

 

Und es gibt diese Momente. Aber es sind leider viel zu Wenige. Statt dessen ist der Film über weite Teile eine Mischung aus Herr der Ringe und God of War unterlegt mit dem Soundtrack aus „Sherlock Holmes“. Mit hat an dieser Mischung nicht wirklich gefallen.

Und hier trifft sich übrigens Guy Ritchie mit John Steinbeck. Beide sind letztendlich an der selbstgestellten Aufgabe einer zeitgemäßen König Artus-Sage gescheitert. Ritchie hat einen zerplitterten Actionfilm abgeliefert. Steinbeck ein Buchfragment in dem drei Jahre Arbeit stecken.

„Ich wollte die Sage von König Artus so nacherzählen, wie sie ursprünglich geschrieben wurde, aber in einer unserer Zeit entsprechenden verständlichen Sprache. Ich wollte nichts auslassen und nichts hinzufügen.“ John Steinbeck

Steinbecks unvollendetes Buch hat über 400 Seiten. Bei Ritchie ist es schneller vorbei.

 

Bildrechte: Warner Brothers