Bo und der Weihnachtsstern – 07.12.2017

Es begab sich zu jener Zeit im Winter, dass Familien in die Kinos zogen um fröhliche Weihnachtsfilme zu sehen. Sie sehnen sich nach festlicher Stimmung, Witz und ein wenig religiöser Erbauung. Dies erkannten auch die uninspirierten Marktforscher von Sony Animations. Und so erging der Erlass, einen Film zu schaffen, der die Weihnachtsgeschichte neu erzählen möge. Vor allem, mit vielen lustigen Tieren aber dennoch nah an der originalen Geschichte, um niemanden zu verärgern.

Und so wurde „Bo und der Weihnachtsstern“ erfunden. Die erbauliche Geschichte eines einfachen Esels, der an der Seite von Maria und Josef sich aufmacht, um in Bethlehem in einem Stall ein Kind zu verehren.

Doch halt, dachten sich wohl die weisen Männer von Hollywood, als sie das Skript sahen. Sehet ihr nicht, dass dieser Film die Weihnachtsgeschichte erbaulich ernst nimmt, aber leider wenig unterhaltend ist? Könnt ihr nicht noch mehr lustige Tierfiguren einbauen und die religiöse Botschaft ein wenig gelassener nehmen?

Nein, sagten die tapferen Filmschaffenden. Denn wir wollen keinen Arg und keinen Zorn mit religiösen Gruppen entfachen. Gerade in diesem wichtigen Lande, welches Amerika genannt wird, könnte dies unsere fest einkalkulierten Einnahmen einbrechen lassen. Deswegen wollen wir ihn dort auch nicht „Bo“ nennen, sondern nur „The Star“. Dies wird es uns leichter machen, die Zweifler zu überzeugen. Außerdem möge die vielgeachtete Sängerin Mariah Carey die Hymne zum Filme beitragen.

So wurde „Bo und der Weihnachtsstern“ geschaffen. So wie er ist. Mit tiefer, ernster religiöser Überzeugung und ein klein wenig Animations-Humor. Denn selbst wenn die Botschaft wichtig ist, so mögen die Kinder doch hin und wieder ein wenig fröhlich sein.

 

Nur warnen möchte ich Euch. Lasset Euch nicht verleiten von amüsanten Filmplakaten und witzigen Trailern. Diese lassen „Bo und der Weihnachtsstern“ in einem falschen Lichte erscheinen, und mögen eher an „Ice Age“ und „Madagascar“ erinnern. Aber nein, so ist der Film leider nicht. Hier gibt es die christliche Weihnachtgeschichte ohne Ironie und fast ohne Humor. Aber dafür mit extra leidenschaftlichem Pathos.

 

 

 

 

Bildrechte: Sony Pictures Deutschland

Ferdinand – ab 14.12.2017

Also ich könnte mir so ein Leben schon gut vorstellen. Unter einem Baum in Spanien in der Sonne zu sitzen. Lecker essen und sich hin und wieder hinter den Ohren kraulen lassen. Hört sich nach einem guten Plan an, oder? Genau deswegen ist mir wohl auch „Ferdinand“ so sympathisch. Ein riesiger Stier der eigentlich Matadore aufspießen soll, aber viel lieber an Blumen riecht und unter seinem Baum liegt. Was für eine tolle Geschichte.

Nun ist „Ferdinand“ ein Familienfilm und daher will ich auch gar nicht zu viel von ihm erwarten. Natürlich gibt es keine überraschenden Wendungen und clevere Story-Kniffe. Aber darum geht es hier auch nicht, finde ich. Dieser Film ist die animierte Version einer heilen Welt in der alle sich am Ende mögen und zum Glück nicht singen. Letzteres ist für mich persönlich sehr wichtig. Stattdessen gibt es durchaus gelungen Tanzeinlagen von Hoftieren. Die Dance-Battles passen zwar so gar nicht in das spanisch-rustikale Ambiente, aber es verpasst dem hin und wieder ein wenig lahmenden Film dann doch wieder Schwung.

Richtig gut gefällt mir der Humor vom Filmverleih, der ihn dazu bringt Ferdinand kurz vor Weihnachten und parallel zu Star Wars rauszubringen. Warner Brothers dachte sich wohl, es sei gut so kurz vor den Festtagen etwas familienfreundliches anzubieten. Ein sicherlich guter Gedanken. Aber da wäre ja noch die Grundaussage des Films. Die – ganz grob übersetzt – heißt, Tiere sind nett, deine besten Freunde und auf jeden Fall nichts, was gegessen wird. Eine wirklich gewagte Aussage, eine Woche vor dem wohl größten Braten-Festival das das Jahr zu bieten hat: Weihnachten. Da werden einige Eltern sicherlich ihren Kindern erklären müssen, dass ihr Rind, die Gans oder das Schwein ein sehr glückliches Leben gehabt hat, bevor es auf dem Tisch gelandet ist. Und es auf gar keinen Fall ein Freund von Ferdinand gewesen ist.

Richtig toll ist die Balance im Film. Es hat stimmungsvolle Charts-Musik, viel Humor dank der Beruhigungsziege Elvira und keine Gewalt. Der Film ist wirklich prima für Kinder geeignet. Sogar auf einen echten Bösewicht wird verzichtet, damit am Ende alle gut gelaunt aus dem Kino gehen können. Sehr gut für friedliche Weihnachten.

Ob Ferdinand mein Kino-Tipp ist? Schwer zu sagen. Der Film hat mir zu wenig Besonderes. Er ist stimmig erzählt und genau richtig für Familienfeiertage. Aber mir bleibt er wahrscheinlich nicht lange in Erinnerung. Ein wenig mehr Originalität. Eventuell noch eine besondere Prise Humor, wie sie beispielsweise mit Scratch in Ice-Age vorgekommen ist. Das hätte mir geholfen. So ist es vor allem ein Film, mit dem Familien kaum was falsch machen können. Vor allem, wenn sie sich für vegetarische Weihnachten entschieden haben.

 

 

 

Bildrechte: Warner Brothers Deutschland

Star Wars: Die letzten Jedi – 14.12.2017

Es ist eindeutig der Kino Höhepunkt des Jahres. Kein Film sorgt für mehr Aufsehen, für vollere Kinosäle und mehr Diskussionen. „Star Wars – Die letzten Jedi“ scheint alle Rekorde zu brechen. Nach etwas mehr als einer Woche hat das Weltraum Spektakel bereits mehr als 600 Millionen US-Dollar eingespielt. Ein grandioser Erfolg und eine wahre Gelddruckmaschine für Disney. Die Space-Oper scheint alle Erwartungen zu erfüllen. Aber gleichzeitig lässt sie auch viele Chancen liegen und opfert diese für größtmögliche Massentauglichkeit.

Natürlich macht „Die letzten Jedi“ Spaß. Über 150 Minuten Film ohne Langeweile ist toll. Viele alte Freunde sind wieder mit dabei und Luke Skywalker kann endlich erklären, was passiert ist. Darauf habe ich mich sehr gefreut und das hält der Film auch ein. Wer genau das vom jüngsten Star Wars erwartet wird nicht enttäuscht.

Ich habe allerdings auf mehr gehofft. Auf neue Entwicklungen und unerwartzete Wendungen der Story. Auf tote Helden die ich betrauern kann und fiese Schurken die mich das Fürchten lehren. Nie war die Ausgangsbasis dafür besser.

Die beiden vorhergehenden Star Wars-Filme haben den Boden bereitet. Die Geschichte der Jedi ist, nach den vermurksten Episoden 1 – 3, endlich wieder gut für unterhaltsame Blockbuster. Das ist großartig. Und mit Rey gibt es eine tolle, neue Hauptfigur, deren Weg zur Macht und zu deren Beherrschung ich mir gerne ansehen möchte.

Und jetzt kommt das aber: ABER … es wäre außerdem einfach schön gewesen, wenn „Die letzten Jedi“ nicht nur Bewahrer eines 40 Jahre alten Kinomärchens wäre.

Über dem gesamten Film scheint der tiefe Wunsch der Filmemacher zu stehen, zuallererst das Franchise am Laufen zu halten. Gab es mal Kontroversen über den Ursprung der Macht? Kein Problem. Wir ignorieren das einfach. Die dunkle Seite ist verführerisch, roh und menschenverachtend. Mit Grusel erinnere ich mich noch, welche Angst ich als Kind vor Darth Vader hatte. Aber nein, so können wir keine Spielzeuge verkaufen. Also ist die dunkle Seite der Macht eher unhöflich bis ein wenig ungezügelt. Wie jemand, der sich bei Weihnachtseinkäufen an der Kassenschlange nach vorne drängelt. Ärgerlich, aber mehr auch nicht. Warum die Rebellen die First Order nicht leiden können, blieb mir auch nach dem Film ein Rätsel.

Aber es muss ja auch nicht immer die große Politik sein. Alternativ könnte ja die Ausbildung von Rey zur Jedi-Meisterin ein wichtiger Plot sein. So wie Luke sie einst von Joda auf Dagobar erhalten hat. Ein mentaler Weg zu Stärke und Verständnis, gesät mit Zweifeln, Visionen und der permanenten Angst zu scheitern. Dies scheint an Rey völlig vorbei zu gehen. Sie ist halt ein Jedi. Sie hat ein Lichtschwert. Und sie bringt sich die Macht selbst bei. Einziges Problem, sie muss auf diesem Weg dem lamentierenden Luke Skywalker zuhören.

Was mir außerdem fehlt, ist eine technische Entwicklung im Star Wars-Universum. Alles wirkt so vertraut, dass selbst ein neuer Todesstern (wäre Nummer vier in der Serie) nicht negativ aufgefallen wäre. Die „Schrottmühle“ – der Millenium Falke unterscheidet sich kaum von den übrigen Schiffen. Und wo ich gerade davon sprechen. Natürlich fehlt Han Solo. Seine wunderbare Respektlosigkeit würde den letzten Jedi unendlich guttun.

Mein schönster Lichtblick in „Die letzten Jedi“ ist Carrie Fisher. Ihre Ruhe und Präsens ist wunderbar. Sie scheint über den Ereignissen des Films zu schweben, einen geradezu magischen Überblick zu haben. Für sie ist dieser Star Wars – Film ein Geschenk. Und wir werden sie in allen künftigen Teilen schmerzlich vermissen. Davon bin ich überzeugt.

So erfüllt der Film letztendlich die Anforderungen der Filmemacher. Er bringt die Leute ins Kino und erhält das Kinomärchen am Leben. Und Fans werden Unmengen an Zitaten und Anspielungen in dem Film finden. Auch das erhöht den Spaßfaktor enorm. Das macht den Film unterhaltsam und kurzweilig. Aber für mich reicht das nicht, um meine Erwartungen zu erfüllen, die sich bei mir in den vergangenen Monaten aufgebaut hatten. Eventuell habe ich schlicht viel zu hohe Erwartungen gehabt.

 

 

Bildrechte: The Walt Disney Company (Germany)

Daddy’s Home 2 – 07.12.2017

Ich hatte mir für diesen Film eigentlich schon die passende Stimmung zurechtgelegt.

Ich war mir ganz sicher, dass „Daddy’s Home 2“ eine gute Gelegenheit sein würde, mich über merkwürdige amerikanische Comedys zu Weihnachten zu echauffieren.

Ich war mir ganz sicher. Wirklich.

 

Aber es kam ganz anders. Ich hatte Spaß. Der Film hat Tempo, Witz und an vielen Stellen gewinnt er sogar der Christmas-Comedy einige neue Aspekte ab. Das hat mich wirklich überrascht. Und nein, ich hatte weder zu viel Glühwein noch war etwas zweifelhaftes im Weihnachtspunsch.

Ein besonderes Highlight ist natürlich der Auftritt von Mel Gibson. Er ist der Sprengstoff für das harmonische Weihnachten. Wie ein Blizzard pflügt er durch das eigentlich so gut geplante Weihnachtsfest. Und genau daraus zieht „Daddy’s Home 2“ seinen Witz: Wenn Gibson mit einem einzigen Blick ganze Ehen in Frage stellt und Mark Wahlberg wie einen verweichlichten Vorschüler aussehen lässt. Es macht einfach Spaß ihm dabei zuzusehen und ich habe auf jede neue Szene mit ihm gewartet.

Das lässt mich dann auch vergessen, dass sowohl Will Ferrell als auch John Lithgow es einige Male geradezu schmerzhaft überziehen. Der Film hat es nicht nötig, dass sich Vater und Sohn am Flughafen abknutschen. Das ist billige Effekthascherei, die allerdings in US-Komödien wohl leider sein muss. Der Konflikt zwischen den Großvätern die ihre Kinder mit reinziehen, ist da viel interessanter und lustiger.

Erstaunlich großartig wird der Film in den ruhigen Momenten, wenn die emotionalen Fassaden Risse bekommen. In Situationen, in denen die Kinder erkennen das ihre Väter Menschen sind und sich in deren langen Leben auch so einige Stolpersteine und Fehltritte angesammelt haben. Hier ist die Story wirklich anrührend.

Zuletzt: Natürlich kommen alle notwendigen Weihnachts-Klischees drin vor. Das beginnt bei der Musikauswahl und endet bei den ritualisierten Weihnachtsbesorgungen. Es bleibt halt eine in Hollywood designte Weihnachts-Comedy. Aber eine, die mir großen Spaß gemacht hat. Ganz gegen meine Erwartungshaltung.

 

 

Bildrechte: Paramount Pictures Deutschland