Bumblebee – 20.12. 2018

A robot is a girls best friend

Ich hätte es wirklich nicht für möglich gehalten. Eher hätte ich daran geglaubt, dass die Avengers einen Gastauftritt in „Downtown Abbey“ bekommen und Harry Potter drei Billboards Outside Hogwarts aufstellt. Ist es wirklich möglich, aus diesem totalen Metallschrott der Transformers-Serie einen guten Film zu machen? (Ja, ich habe mich bei diesen Zeilen auch ein wenig gegruselt. Die Begriffe „gut“ und „Transformers“ in einem Satz, ohne sarkastisch zu sein – oh Mann.) Ich hatte einen, im besten Falle vergnüglichen, Action-Film erwartet. Stattdessen ist Bumblebee ein anrührender, emotionaler und sehr gut erzählter Film über eine 18-jährige Frau, die sich in ihrer eigenen Familie fremd fühlt. 

Natürlich gibt es immer noch die absurd-albernen Transformers-Szenen in denen sich die Roboter beschießen, schlagen, Gliedmaßen abreißen und so weiter. Sonst würde der Film ja auch nicht Bumblebee sondern LadyBird heißen. Genau das ist übrigens die wirklich beeindruckende Leistung des Filmes. Er beweist, dass sich sogar mit Spielzeug eine wirklich spannende und emotionale Geschichte erzählen lässt, ohne das Transformers-Universum zu verlassen. Der Film passt in die Reihe und ist gleichzeitig der einzige Teil, der nicht absurd, sexistisch, militaristisch und sinnbefreit ist. 

© Paramount Pictures

Was mir gefällt

Zuallererst finde ich den Mut der Filmemacher richtig beeindruckend. Sie erzählen den Bumlebeeals eine Mischung aus „Nummer 5 lebt“ und „About a Boy“. Die Hauptfigur Charlie Watson sucht keinen Roboter, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Das wäre der übliche Plot für einen Transformers-Film irgendwo zwischen Teil 1 und 5. Sie sucht nach Vertrauen, nach Verständnis und nach einem Freund. Diese Anforderungen sind eigentlich vollständig inkompatibel mit dem dämlichen Hau-Drauf-Roboteruniversum. Doch es funktioniert. Das ist wirklich beeindruckend.

© Paramount Pictures

Was mir nicht gefällt

Nur ganz wenige Teile dieses Films haben mich nicht mitgenommen. Die Action-Szenen im All haben bei mir böse Befürchtungen aufkommen lassen, der Film drohe wieder in die alten Zerstörungsmuster zerfallen. Da muss man halt durch. Die Szenen sind für den Film auch nicht notwendig, aber wohl für die Transformers-Fans die Teil 5 für einen unterhaltsamen Film halten, weil Robo-Dinos die Feuer speien können darin vorkommen. Kann man bei dem Franchise wohl nicht anders lösen. Kloppende Roboter im All gehören zur DNA dieses Filmuniversums. Aber alles übrige ist wirklich gut. 

© Paramount Pictures

Story 

Wie unaufgeregt und undramatisch es Travis Knight als Regisseur gelingt die Welten einer 18jährigen Frau inklusive ihrer Konflikte mit Mama, Stiefvater und kleinem Bruder mit einem mehrere Meter hohen Transformer zu verbinden, der den Großteil des Filmes kein Wort spricht, das ist wirklich sehenswert. Es sind die Klischees, die hier ausgelassen werden, die Bumblebee vom Genreeinerlei zu einem wirklich sehenswerten Film reifen lassen (Sorry, wenn ich mich noch einmal direkt einmische. Aber habe ich das wirklich geschrieben? Ein gereifter Transformers-Film? Ach du meine Güte. Das habe ich nicht für möglich gehalten.). Und Hailee Steinfeld ist übrigens wirklich eine Entdeckung in diesem Film. Mehr als es Megan Fox in den Filmen je gewesen ist. Vor allem jetzt, wo mir die sexistischen Michael-Bay-Kamerafahrten wieder in den Sinn kommen. 

© Paramount Pictures

Fazit

Es ist wirklich überraschend. Aber ich kann nur sagen, der Film ist wirklich gut und einer der besten Blockbuster-Filme 2018. Er ist emotional, mitreißend und hat gute Actionszenen ohne zu viel Metallschrott. Die Darsteller bringen eine wirkliche Tiefe in den Film und nicht jede Wendung der Story ist schon ewig vorher erkennbar. Bumblebee ist wirklich erstaunlich und bemerkenswert gute Kinounterhaltung.  

Bildrechte: Paramount Pictures Deutschland

Verschwörung – 21.11.2018

Armageddon was yesterday, today we have a serious problem.” The Girl with the Dragon Tattoo 

Ich habe nur eine Bitte: Wenn beim nächsten Mal ein Marketingmitarbeiter in der Türe steht und sagt: „Ich habe hier eine mega brighte Story dabei. Ein absolutes must do! Die Vorgänger haben als Bücher 400 Millionen gemacht. Als Bücher, das müsst ihr euch mal geben. Und hier, das ist das jüngste Buch. Das machen wir!“ Wenn also dieser oder so ein ähnlicher Satz in einer Filmproduktion fällt, dann bitte, denkt einen Tag mal in Ruhe darüber nach. Denn wenn nicht, dann kommt sowas dabei raus: 

Spoiler Hinweis: Der Trailer erzählt übrigens alles, was im Film vorkommt. Wirklich alles. Wer sich den gerade angesehen hat, der kennt jetzt eigentlich den Film. Und er hat damit keinen Fehler gemacht. Denn mehr als diesen Trailer gibt es nicht zu entdecken. Daher: Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt Euch gerade das Geld für ein Kinoticket gespart. 

Aber mal ein wenig intensiver auf den Film geblickt: Die Verfilmung des vierten Teils der „Millenium-Trilogie“, deren ersten drei Teile Stieg Larsson erschaffen hat, hat so unglaublich viele Schwächen und ist an manchen Stellen schon fast eine Beleidigung für jeden, der die ersten drei Bücher gemocht hat. 

Nur eins von sehr, sehr vielen Beispielen: Wer erinnert sich an Mikael Blomkvist aus den ersten Teilen? Ja? —- Sehr gut. Behaltet ihn so in Erinnerung. Denn im jüngsten Film wird er nicht mehr gebraucht. Zumindest scheinen der Regisseur und der Autor davon überzeugt zu sein. Aber dort wo Mikael hin verschwunden ist, dorthin sind auch Spannung, Witz und eine gute Storyline abgeschoben worden. Was bleibt ist Claire Foy, die sich als Lisbeth Salander engagiert und bemüht. Allerdings war sie in „Aufbruch zum Mond“ deutlich besser.  

Was mir gefällt

Ich mag Schweden. Ich mag Stockholm. Ich mag den Schnee, das Eis und den Kontrast zwischen zurückhaltender, schwedischer Mentalität und brutaler, gesellschaftskritischer Kriminalstory. In einigen, wenigen Momenten schafft es auch „Verschwörung“ dieses Gefühl abzuliefern. Wer möchte: Die Version von David Fincher „Verblendung“ aus dem Jahr 2011 ist in dieser Hinsicht deutlich treffsicherer. Wenn auch dieser Film hinter den Erwartungen und hinter der schwedischen Fernsehreihe zurückgeblieben ist. Es war auch durchaus interessant Lisbeth Salander in der Neuinterpretation von Claire Foy zu begegnen, die ihre Figur noch weiter entmenschlicht hat und stattdessen mehr Richtung einsamen Agenten weiterentwickelte. Der Rest ist leider uninteressanter und schnell zu vergessender Kinodurchschnittskram. 

Was mir nicht gefällt

Ich habe mich mehrfach während des Films gefragt, ob die Autoren die Bücher gelesen haben und ob sie überhaupt einen Zugang zu den Figuren gefunden haben. Das würde für mich den Unterschied machen zwischen missglückt und sabotiert. Wenn ich als Regisseur keinen Spaß an der Verfilmung eines Buches habe, dann sollte ich es sein lassen. Wenn Figuren zu Abziehbildern verkommen und selbst die zumindest potentiell dramatische Konfrontation mit dem moralisch fragwürdigen Bösewicht nur irgendwo zwischen Langweile und absurder Unglaubwürdigkeit hin und her pendelt, dann gibt es kaum noch einen Grund ins Kino zu gehen. 

Story 

Kurze Charakterstudie um die fehlende Liebe zu den Figuren zu beschreiben: Lisbeth Salander  wirkt wie eine weibliche Mischung aus James Bond und Jason Bourne, die nach ihrer Geburt allerdings nach Schweden ausgewandert ist und seitdem nur so irgendwie zurechtkommt und mit einem gewissen Desinteresse auf die Welt schaut. Fertig. Diese Figur konfrontiert der Film dann mit einer Story, die aus der ganz tiefen Ramschkiste der B-Movie Actionfilme kommt. Weltverschwörung, Atomraketen, zwielichtige Hacker und eine gemeingefährliche böse Schwester. Bitte sehr. Von der Dramatik der originalen Trilogie, die immer das familiäre Drama mit regional verwurzelten Konflikten konfrontierte, davon ist wirklich nichts geblieben. Die Trilogie war eine runde Sache und ich hätte nichts vermisst, wenn diese zusätzliche vierte Geschichte nicht erzählt worden wäre. 

Sony

Fazit

Es bleibt mir ein Rätsel warum rund 2,3 Millionen Euro deutsches Fördergeld in diese Filmproduktion geflossen sind. Also rund 20.000 Euro für jede Filmminute zwischen Langeweile, Klischee und Unglaubwürdigkeit. Ich hätte mir wirklich eine gute Verfilmung gewünscht. Und ich hätte Claire Foy um so mehr eine gute Regie und ein gutes Drehbuch gewünscht.

 „But she wished she had had the guts to go up to him and say hello. Or possibly break his legs, she wasn’t sure which.” The Girl Who Played with Fire

Bildrechte: Sony Pictures