Robin Hood – 10.01.2019

“Let’s face it. You’ve gotta be a man to wear tights!”

Little John, Men in Tights (1993)

Robin Hood? Die Geschichte mit Maid Marian und dem Loxley? Die kennt nun wirklich jeder. Die Abenteuer aus dem Sherwood Forest sind seit der Erfindung des Filmes in den unterschiedlichsten Varianten ins Kino gekommen. Zu den Highlights der Robin Hood-Filmhistorie gehören sicherlich die Zeichentrickversion von Disney (1973), die romantische Variante mit Kevin Costner (1991) oder die Satire von Mel Brooks (1993). Diese Reihe kann um etliche weitere Versionen erweitert werden, je nach eigenen Interessen und Vorlieben. Von Erol Flynn (1938) bis zur Version von Ridley Scott (2010). Diese Filme hatten eines gemeinsam: Sie waren einzigartig, unterhaltend und haben dem König der Diebe eine neue Perspektive abgerungen. Die aktuelle Neuverfilmung ist hingegen nur eins: überflüssig. 

Schon vor zwei Jahren bewies Guy Ritchie, dass historische Kino-Stoffe das reinste Kassengift sein können Sein kolossales Scheitern an der Artus-Legende war ein Desaster, das nur wenige sich ansehen mochten. Bei Robin Hood ist es in diesem Jahr noch schlimmer. Die Geschichte aus dem Sherwood Forest ist unglaublich sinnentleert erzählt. Ja, schlimmer noch. Der schon fast zwanghaft wirkende Versuch, aktuelle politische Themen in diesen Film zu integrieren, macht alles nur noch schlimmer. Robin Hood als Gewerkschaftsführer für mehr Steuergerechtigkeit? Oder als Parlamentarier in einer von Eliten beherrschten Demokratie? Oder als Kriegsveteran, der mit seinem Trauma allein gelassen wird? Das passt vorne und hinten nicht zusammen. 

Robin Hood im Straßenkampf mit Pfeil und Bogen

Am Anfang des Films hielt ich es noch für eine mutige dramaturgische Idee, den Film nicht in jenem mittelenglischen Wald spielen zu lassen. Inzwischen bilde ich mir gerne ein, dass dies aus Umweltschutzgründen geschehen ist, um den Bäumen die Dreharbeiten und die miserable Storyline zu ersparen. Ich mag diesen rücksichtsvollen Gedanken. Denn die Kinozuschauer werden durch diesen Robin Hood weit weniger respektvoll behandelt. 

Ein sinnloser Versuch eines Filmes, dem man zumindest sein Budget ansieht.

Was mir gefällt

Es muss wohl einen Spirituosenhändler in der Nähe von Hollywood geben, der mit glänzenden Augen an die Zeit zurückdenkt, in der Drehbuchautor Joby Harold und Regisseur Otto Bathurst an diesem Film gearbeitet haben. Denn anders als mit massivem Missbrauch von Alkohol oder potentiell anderen die Sinne betäubenden Mitteln, ist dieser unzusammenhängende und zutiefst unlogische Kuddelmuddel der sich Robin Hood nennt wirklich nicht zu erklären. Ich finde es super mutig diesen Film ins Kino zu bringen und tatsächlich davon auszugehen, dass Menschen sich freiwillig 116 Minuten alberne Action Szenen und sinnlose Dialoge ansehen und danach zufrieden nach Hause gehen. Respekt. 

Kann ich auch weniger geben? Nein? Schade …
Robin Hood – nicht im Sherwood Forest

Was mir nicht gefällt

Die Liste was bei diesem Robin Hood aus meiner Sicht alles falsch gelaufen ist, sprengt jeden Rahmen. Es beginnt bei Taron Egerton, der als Hauptdarsteller eine äußerst unglückliche Figur macht. Weiter geht es mit einem sinnlosen Drehbuch und endet bei einer so blödsinnigen Ideologie, dass es mich vor Wut fast aus dem Kinosessel gerissen hat. Der Aufstand britischer Minenarbeiter ist als Leitmotiv von Robin Hood völlig daneben und historisch um mehrere Jahrhunderte auseinander. Solche Ungereimtheiten leistet sich der Film leider permanent. Von dargestellten Situationen, die tatsächlich physikalisch gar nicht möglich sind, schweige ich ganz bewusst. In diesem Film wird sogar der Städtekrieg in der Wüste in engen Gassen mit Pfeil und Bogen ausgetragen. Spätestens hier wird aus einem unlogischen ein wirklich lächerlicher Film.

Das alles hätte ich eventuell sogar noch hinnehmen können. Aber die rücksichtslose Lieblosigkeit, mit der hier klassische Figuren der Robin Hood-Sage behandelt werden, das war zu viel. Hätten Bruder Tuck oder der Sheriff von Nottingham die Möglichkeit wegen Verunglimpfung zu klagen, ich würde sie unterstützen. 

Mehr als 1 Stern ist echt nicht drin
Der Sheriff in der Stadt Nottingham

Story 

„Ja, Hallo! Ich bin Robin Hood, der Held des neuen Kinofilms. Ich bin so eine Art Kriegsheld mit posttraumatischer Belastungsstörung. Ich bin gleichzeitig auch noch ein adeliger Volksheld, der zur Rebellion aufruft. Und ich kann den Sherriff von Nottingham nicht leiden, weil ich eine total krasse Verschwörung aufdecke die zwar keinerlei Sinn macht, aber echt nicht gut für uns Briten ist.“ Danke Robin. Mehr gibt es wohl nicht zu sagen. Und nein, ich übertreibe jetzt nicht. Die 116 Minuten sind sogar noch mit viel mehr Blödsinn, überflüssigen Wendungen und dämlichen Begebenheiten angefüllt. Wäre dieses Drehbuch nur als grobe Skizze für einen möglichen Kinofilm gedacht, selbst dann hätten alle Beteiligten wieder neu anfangen müssen. Denn das hier bringt nichts. 

Was für eine alberne Story
I bims, der Robin!

Fazit

Das Jahr 2019 hat sicherlich viele schöne Momente. Dieser Film leider nicht. Wer Robin Hood mag, sollte sich einfach eine BluRay kaufen oder einen VOD-Dienst nutzen. Egal auf welchen der alten Filme die Wahl fällt – er ist in jedem Fallbesser als die aktuelle Kinoversion. „Oo-De-Lally!“

Insgesamt: 1 Stern für den Film

Bildrechte: Studio Canal