Avengers: Endgame – 24.04.2019

Whatever it takes!

Ich war ja der festen Überzeugung, dass die Schwemme an Superheldenfilmen und die überzogen bombastische Infinity War-Schlacht zu einer akuten Superhelden-Narkolepsie bei mir geführt hat. Schon wieder ein Held im Cape? Schnarch … Ein Superschurke der wahlweise die Welt oder das Universum zerstören will? Schnarch … Neue Superhelden von denen ich vorher noch nie gehört habe? Schnarch. Die Diagnose ist offensichtlich. Also habe ich mich für Avengers: Endgame mit Kaffee auf 300 Minuten Revenge-Hero-Action vorbereitet. Und ich hätte nicht falscher liegen können.

Was mich am meisten überrascht hat: Dieser Film trägt über die gesamte Spielzeit – ohne den Zuschauer mit permanenten Explosionen und Schlachten wieder wachrütteln zu müssen. Ganz im Gegenteil. Der Film hat eine eher ruhige und in seinen besten Momenten anrührend melancholische Grundstimmung. Er nimmt seine Superhelden ernst in ihrer Trauer über den Snap von Thanos. Das Gefühl alleine zurückgeblieben zu sein wird besonders bei Black Widow spürbar. Es sind diese Momente, die Avengers: Endgame tragen. Es sind die stillen, eindringlichen Situationen in denen kein stählerner Anzug und kein mythischer Hammer (oder Axt) weiterhelfen und die Helden schützen. Das ist wirklich großartig.   

Was mir gefällt

Es wäre so einfach gewesen alles kurzerhand noch einmal größer zu machen. Noch mehr Action als beim Angriff auf New York. Noch buntere Weltallschlachten als in Guardians of the Galaxy. Oder noch größere Superkräfte als bei Captain Marvel. All das passiert nicht. Stattdessen schleudert der Film den Zuschauer auf die Anfänge und auf die Menschen hinter den Kostümen zurück. Weder Tony Stark noch Steve Rogers hatten bisher so großartige Szenen in einem der vielen früheren Filme des Marvel Cinematic Universe (MCU). Dieser Film ist ein würdiges Ende.

Was mir nicht gefällt

Wirklich nur ganz wenig. Was ich schade finde ist der Laufzeit des Filmes geschuldet. Mit einigen Figuren wird sehr beiläufig umgegangen. Dies ist kein Endgame sondern eine Hommage an IronMan, Captain America, Hulk und Thor. Es wird auch nicht wirklich etwas final ausgetragen. Es bleibt genug Material für weitere Filme und weitere Helden in Capes und weitere Schlachten mit Endgegnern, welche die Welt oder das Universum zerstören wollen. Huch … da ist meine Superhelden-Narkolepsie … Schnarch. 

Story 

Kurz gesagt: die Schlacht um die Infinity-Steine ist natürlich unausweichlich und mit einer gut erzählten Storyline kommt der Film auch dort an. Unterhaltsam und anrührend ist der Weg für die Helden. Er ist gut und mit der richtigen Mischung aus Witz und Emotion erzählt. Auffällig ist allerdings eine Besonderheit. Dieser Film hat ganz offensichtlich zwei Anfänge, die hintereinander stattfinden. Offensichtlich haben sich die Verantwortlichen bei Marvel/Disney dafür entschieden, den bereits fertiggestellten Abschluss von Infinity War als Beginn von Endgame zu nutzen. Eine gute Entscheidung, da die Dramaturgie rund um Thanos so besser auf beide Filme verteilt werden kann. Der Zeitsprung zwischen den beiden Teilen verändert allerdings die Stimmungslage im Film deutlich und ich habe mich gefragt, ob ich den Thanos-Teil überhaupt gebraucht hätte. 

Fazit

Ganz sicher wird Avengers: Endgame der Film des Jahres. Er packt richtig zu und lässt einen im Kinosessel nicht mehr los. Er ist ein emotionaler Ritt und ein passendes Ende der Avengers-Reihe. Und das ist wahrlich nicht wenig. 

Bildrechte: Marvel / Disney Pictures Deutschland

Shazam! – 04.04.2019

Von der Sehnsucht niemals erwachsen werden zu wollen

Für mich gibt es zwei Blickwinkel auf Shazam! Der eine ist eher freundlich und wohlwollend. Der andere ist es nicht. Denn bei diesem Film ist es sehr wichtig, die eigenen Erwartungen zu kennen, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Denn so richtig funktioniert Shazam! nur für einen Fan der DC-Comics, der von den letzten Filmen (jenseits von Wonder Woman und Aquaman) enttäuscht zurückgelassen wurde. Der das quälenden Kinoerlebnis von Batman vs Superman hinter sich gebracht hat und dennoch nicht die Hoffnung auf einen guten Film im DC-Universum verloren hat. Der wird sich bei Shazam! wohlig-warm aufgehoben fühlen. Denn dieser Film verzichtet auf das für DC so typische Heldenpathos und will einfach nur Spaß machen. Unter diesen Vorzeichen funktioniert der Film wirklich hervorragend. 

Allerdings gibt es da noch die zweite Sichtweise. Das ist der Blickwinkel derjenigen, die kein Superhelden-Trauma im Marvel-Konkurrenzuniversum erlitten haben. Die eventuell ins Kino gehen, um einen Film zu sehen, der neu, witzig und emotional ist. Der zwischen den notwendigen und zu erwartenden Action-Sequenzen sogar etwas Raum für Storytelling und emotionale Entwicklung zulässt. Wer sowas ernsthaft erwartet, wird sich nach langen 132 Minuten Kinofilm fragen, ob er seine Zeit nicht hätte besser verbringen können. Und die Antwort ist: ja, hätte er!

Was mir gefällt

Endlich ist der Mief und Muff der DC-Superhelden durch einmal Stoßlüften aus den obligatorischen Geheimverstecken und Doppelidentitäten vertrieben worden. Wo sich die Mitglieder der Justice League im selbstherrlichen Pathos der jedes Mal erneuten und nicht mehr überraschenden Weltrettung baden, ist Shazam! erstaunlich kleinlaut. Der Held ist halt keine gestählter Multimilliardär sondern ein Schüler, der mit seinem Leben nicht zurechtkommt. Und er kämpft nicht gegen Oberschurken aus Paralleldimensionen sondern zuallererst mit und gegen sich selbst und dann auch noch gegen einen Erwachsenen, der ihn in die Knie zwingen will. Die Darstellung dessen was passiert, wenn ein Außenseiter in der Pubertät Superkräfte bekommt, das ist wirklich sehenswert. 

Was mir nicht gefällt

Hinter den Kulissen des Superhelden-Films gibt es wirklich wenig zu entdecken. Der pubertäre Wunsch, die eigene Besonderheit der Welt zu zeigen, wird in wirklich vielen Filmen präsentiert. Es ist ein typisches Narrativ des Jugendfilmes und wird auch in Action-Filmen wie „Kick-Ass“ (2010) oder „Spider Man: Homecoming“ bereits erzählt. Shazam! ist hier also kein wirklich neuer Ansatz. Auch der Versuch, die eigenen Superkräfte mit Humor einzuordnen ist nicht neu, wie Marvel bereits gezeigt hat. So bleibt im Kern als Überraschung nur die Art, wie Shazam! den Superhelden initiiert. Ein wenig dürftig für einen Film, der über zwei Stunden lang ist. 

Story 

Die Story für Shazam! ist stark und unterhaltsam. Gar keine Frage. Da verzeihe ich als Kinobesucher sogar die offensichtliche Nachlässigkeit des Veröffentlichungstermins. Wieso zur Hölle kommt ein Kinofilm, der intensiv auf die Vorweihnachtszeit festgelegt ist, Anfang April in die Kinos? Ich kann darüber noch immer nur den Kopf schütteln. Ebenfalls ein Rätsel ist es mir, warum der Film 132 Minuten lang sein muss. Diese Geschichte hätte wirklich locker 30 Minuten kürzen sein können, ohne dass etwas verloren gehen würde. Alleine dieser Anfang, der sich zieht wie Kaugummi und dessen Inhalt mehrfach im Film erneut beschrieben und diskutiert wird. Es hat aber auch seinen Vorteil. Wer kurz auf der Toilette war oder verspätet in den Kinosaal gekommen ist, wird der Story immer folgen können. 

Niemand sollte von Superhelden-Filmen zu viele emotionale Elemente erwarten. Oft sind Beziehungen zwischen solchen Figuren nur eine Vorbereitung der finalen Auseinandersetzung. Für irgendetwas oder irgendwen müssen Batman, Superman, Ironman oder sonstwer schließlich kämpfen. Dafür braucht es Nebenfiguren, um die Schlacht persönlich werden zu lassen. Auch Shazam! nutzt seine Nebendarsteller nur als emotionale Stufen für die Besteigung des Superhelden-Olymps. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Anders betrachte: Für einen DC-Film gibt es viel zu lachen, viel zu erleben und eine wirklich sympathische Hauptfigur. Nach dem Abspann bleibt kein sonst üblicher unangenehmer Nachgeschmack einer DC-Comikverfilmung zurück. Shazam! hat Tempo und Witz. Mehr, als ich erwartet habe.   

Fazit

Für mich ist Shazam! ein Durchatmen im DC-Universum. Es gibt also doch noch die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen die nicht überdimensional und gigantisch übertrieben sind. Billy Batson ist ein Außenseiter, dem ich gerne zusehe und dem ich seine Superkräfte zutiefst gönne. Aber all das täuscht für mich kaum darüber hinweg, dass Shazam! wie eine Wiederholung von etwas ist, das man schon einmal gesehen hat. Alle Elemente des Filmes sind bereits aus anderen Verfilmungen bekannt. Shazam! ist ein unterhaltsamer Film, aber er lässt die Möglichkeit liegen, etwas wirklich Neues auf die Leinwand zu bringen. 

Bildrechte: Warner Bros. Deutschland