Toy Story 4 – 14.08.2019

“Most unfortunately, in the lives of puppets there is always a ‚but‘ that spoils everything.” 

Carlo Collodi, Pinocchio

„Wir machen keine Sequels“, war einmal ein zentraler Grundsatz von Pixar. Dieses großartige Filmstudio, dass mit Findet NemoObenund WALL-Etatsächlich Filmgeschichte geschrieben hat. (Und von diesen großartigen Filmen gab es noch viel mehr.) Aber natürlich hat sich keiner bei Pixar an diese Grundregel gehalten, als ihre Filme zu erfolgreich wurden. Und so kam es zu Cars2,Planes2und The Incredibles 2. Alles Filme, die den hervorragenden Ruf ihrer Vorgänger ruinierten aber gleichzeitig an der Kinokasse Millionen Dollar einspielten. Und die unendlichen Geldquellen des Merchandisings kommen da noch oben drauf. 

Und dann gibt es da die Toy Story-Reihe, die tricktechnisch einen Meilenstein darstellt, aber spätestens mit Toy Story 3nun wirklich zu Ende erzählt war. Und jetzt kommt Toy Story 4 und kaum ein Film hat mich in diesem Jahr so begeistert, wie dieser. 

Warum? Ganz einfach: In Fortsetzungen wird meistens alles größer. Es kommen neue Charaktere hinzu, neue Schauplätze und neue Herausforderungen. Und das alles nur, um die immer gleiche und beim Publikum bekannte und gemochte Story noch einmal erzählen zu können. Und jetzt kommt Pixar. Die machen diesen Film kleiner. Viel kleiner. Selbst viele der seit Jahren bekannten Hauptfiguren kommen kaum vor. Stattdessen schaffen die Autoren und der Regisseur so Raum für eine neue, menschliche und an vielen Stellen geradezu philosophische Story.  

Weniger bekannte Figuren, als in den vorherigen Teilen.
Plastikhelden mit Charme und Witz

Warum ich mir den Film noch einmal ansehen würde

Weil er das wichtigste hat, was ein Film mitbringen muss. Eine Botschaft, ein Herz und eine exzellent erzählte Geschichte. Und ich rede hier nicht über diese Disney-Plazebos „Wir sind alle Freunde“. Das hier ist nicht der My Little Pony-Film oder noch schlimmeres. In Toy Story 4 steht Woody vor einer zutiefst menschlichen Entscheidung, die weder hochdramatisch noch emotional überspitzt ist. Gerade dadurch, dass die Wendungen der Story einfach und überschaubar bleiben, komme ich als Zuschauer diesen computeranimierten Hauptfiguren näher, als es bei vielen hochkarätig besetzten Blockbustern möglich ist. Toy Story 4ist der Anti-Avengers! Und das ist großartig.  

Ein besonderer Held – und Woody.

Was mir fehlt

Ich habe wirklich nichts zu kritisieren. Sorry. Das einzige was der Kinogänger wissen muss: Das hier ist kein Action-Blockbuster sondern großes Kino! 

Es sind halt Stofftiere. Die sind niedlich.

Story 

Die Frage bei Filmen, die eine jüngere Zielgruppe ansprechen ist ja häufig die gleiche: Wie kann ich den Kinofilm für Kinder spannend machen, ohne die Erwachsenen zu langweilen. Die Antwort von Pixar in Toy Story 4ist wohl diejenige, mit den größten Herausforderungen. Der Film will über die Story beide Zielgruppen begeistern. Deswegen verzichten Regisseur und Drehbuchautor konsequent auf übertriebene Action und beängstigende Schockmomente. Damit haben sie die Kinder für ihre quietschbunte Welt begeistert. Auf der anderen Seite eröffnet dieser Film erwachsenen Zuschauern eine erzählerische Tiefe, die an Arthaus-Filme erinnert. Ok, das ist eventuell jetzt ein wenig dick aufgetragen. Aber es geht in die richtige Richtung. Toy Story 4ist – jenseits der bunten Spielzeugfiguren – ein Film über einige große Fragen des Lebens. Wie kommen wir zu wichtigen Entscheidungen, wenn der Lebensweg sich gabelt? Wie können wir vertrauen, wenn die Antwort nicht offensichtlich ist? 

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter …

Fazit

Toy Story 4ist ein wirklich großer Kinofilm, der im besten Sinne bescheiden und zurückhaltend erzählt wird. Ein tolles Erlebnis für Erwachsene und Kinder und daher im perfekten Sinne ein Familienfilm. 

Pixar hat versprochen, nach Toy Story 4erst einmal keine Sequels mehr zu produzieren. Nachdem ich diesen Film gesehen habe, finde ich es fast ein wenig schade. 

Originalität: 4,5 / 5

Story: 5 / 5

Regie und Drehbuch: 5 / 5

Insgesamt: 5 / 5

Bildrechte:  Disney Pictures Germany

Yesterday – 11.07.2019

So may I introduce to you / The act you’ve known for all these years …

The Beatles

Ich will es gar nicht erst verheimlichen. Ich bin begeistert aus dem Kino gekommen und ich werde mir Yesterday auch auf jeden Fall noch einmal ansehen (dann mit englischem Original-Ton). Denn Yesterday ist ein wunderbarer Film, der aus einer kleinen und absurden Idee einen großartigen Kinoabend zaubert. Ich will jetzt nicht das völlig abgegriffene Bild vom Schmetterling, der das Wetter beeinflusst, zitieren. Denn es würde dem Film nicht gerecht werden. Er ist fantastisch, lyrisch und mitreißend. Auf die beste Art, die Kino zu bieten hat.   

Um das größte Lob gleich loszuwerden: Es gibt für mich ein einziges Argument, warum dieser Film eine ganz besonders herausragende Stellung in diesem Kinojahr hat. Er verzichtet vollständig auf Erklärungen. Er streicht 13 Beatles-Alben aus der Welt und versucht nicht einmal zu beschreiben, warum das passiert ist. Das ist so unglaublich gut, denn so fällt es dem Zuschauer viel leichter, mitzufühlen. Gerade dieser Moment ist es, der Yesterday so besonders macht. Außer der Hauptfigur erinnert sich nur noch der Kinozuschauer an das, was fehlt. An Songs wie „Penny Lane“, „Help“ und natürlich „Yesterday“. 

Warum ich mir den Film noch einmal ansehen würde

Yesterday bietet dem Zuschauer eine einzigartige Gelegenheit: Er kann, wenn er sich darauf einlässt, die Beatles-Songs neu entdecken und für sich selbst feststellen, was ihm fehlen würde. Denn dieser Film ist kein Musical wie „Mamma-Mia“, bei dem die Story eigentlich nur existiert, um zum nächsten Song zu kommen. Er verzichtet auch auf jeden biographischen Ansatz, wie ihn „Rocketman“ oder „Bohemia Rhapsody“ umsetzen. Die Erkenntnis des Filmes ist nicht „Ach, so ist es zu dem Song gekommen.“ Die Magie liegt in dem Gedanken „Ja, ich würde auch nicht auf Yesterday verzichten wollen.“ Das ist hervorragendes Erzählkino. 

Was mich davon abhalten könnte, den Film noch einmal zu sehen

Es gibt wirklich wenig, was ich nicht mag. Ich hatte große Erwartungen an den Film und nicht alle wurden erfüllt. Ich dachte mir, Danny Boyle als Regisseur (Slumdog Millionär) sowie Autor Richard Curtis (Tatsächlich Liebe) – das kann nur ein großartiger Film werden. Das stimmt auch zu weiten Teilen. Aber es gibt zwei Punkte, die ich nicht mag. 

Zuallererst: Das Ende. Der Film scheitert tragisch beim Versuch, die Story zu einem würdigen Ende zu bringen. Es ist leider zutiefst klischeebeladen, langweilig und in der Konsequenz völlig unangemessen. Das war nichts. Leider. 

Und ich hätte mir ein wenig mehr Spaß an den positiven Seiten der Story gewünscht. Der Gewissenskonflikt, sich mit fremden Federn zu schmücken und darauf seinen Erfolg aufzubauen, der ist wichtig für die Moral des Films. Aber ein wenig mehr Spaß hätte die Hauptfigur dennoch haben können. Als Straßenmusiker endlich Erfolg zu haben, das ist nicht nur belastend. Davon bin ich überzeugt.  

Story 

Es gelingt diesem Film wunderbar, die Entwicklung der Figuren in diesem eigentlich völlig unglaubwürdigen Setting, nachvollziehbar zu gestalten. Das ist eine wirklich große Leistung, denn jede Alien-Invasion und jede romantische Liebeskomödie ist glaubwürdiger, als diese Story. Auf einmal fehlen die Songs der Beatles im kollektiven Gedächtnis. Einfach so. Das ist – und ich liebe es, dies hier schreiben zu können – im besten Sinne an den Haaren herbeigezogen.

Der Film fühlt mit seinen Figuren und schafft es immer wieder überraschend und im besten Sinne, warmherzig zu sein. Bis auf die ätzend ehrliche Musik-Managerin bringen alle Figuren ihre eigene Biographie und nachfühlbare Emotion mit. Das fügt sich so zu einer geradlinigen Storyline die in ihrer differenzierten Ausarbeitung in diesem Kinojahr einzigartig ist. Und die emotionale Einbettung des Auftritts von Jack Malik am Strand in England ist ein wirklich genialer Akt des Storytellings. Alleine für diese bittersüße Szene lohnt sich der Kinobesuch. 

Fazit

Solche wunderbaren Filme sind selten geworden im Kino. Die Kombination aus tollen Darstellern, einer unaufdringlichen aber stets präsenten Regie und einer hervorragenden Storyline ist wirklich begeisternd. Dafür verzeihe ich auch das etwas nervige Ende. 

Bildrechte:  Universal Pictures Germany