Shazam! – 04.04.2019

Von der Sehnsucht niemals erwachsen werden zu wollen

Für mich gibt es zwei Blickwinkel auf Shazam! Der eine ist eher freundlich und wohlwollend. Der andere ist es nicht. Denn bei diesem Film ist es sehr wichtig, die eigenen Erwartungen zu kennen, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Denn so richtig funktioniert Shazam! nur für einen Fan der DC-Comics, der von den letzten Filmen (jenseits von Wonder Woman und Aquaman) enttäuscht zurückgelassen wurde. Der das quälenden Kinoerlebnis von Batman vs Superman hinter sich gebracht hat und dennoch nicht die Hoffnung auf einen guten Film im DC-Universum verloren hat. Der wird sich bei Shazam! wohlig-warm aufgehoben fühlen. Denn dieser Film verzichtet auf das für DC so typische Heldenpathos und will einfach nur Spaß machen. Unter diesen Vorzeichen funktioniert der Film wirklich hervorragend. 

Allerdings gibt es da noch die zweite Sichtweise. Das ist der Blickwinkel derjenigen, die kein Superhelden-Trauma im Marvel-Konkurrenzuniversum erlitten haben. Die eventuell ins Kino gehen, um einen Film zu sehen, der neu, witzig und emotional ist. Der zwischen den notwendigen und zu erwartenden Action-Sequenzen sogar etwas Raum für Storytelling und emotionale Entwicklung zulässt. Wer sowas ernsthaft erwartet, wird sich nach langen 132 Minuten Kinofilm fragen, ob er seine Zeit nicht hätte besser verbringen können. Und die Antwort ist: ja, hätte er!

Was mir gefällt

Endlich ist der Mief und Muff der DC-Superhelden durch einmal Stoßlüften aus den obligatorischen Geheimverstecken und Doppelidentitäten vertrieben worden. Wo sich die Mitglieder der Justice League im selbstherrlichen Pathos der jedes Mal erneuten und nicht mehr überraschenden Weltrettung baden, ist Shazam! erstaunlich kleinlaut. Der Held ist halt keine gestählter Multimilliardär sondern ein Schüler, der mit seinem Leben nicht zurechtkommt. Und er kämpft nicht gegen Oberschurken aus Paralleldimensionen sondern zuallererst mit und gegen sich selbst und dann auch noch gegen einen Erwachsenen, der ihn in die Knie zwingen will. Die Darstellung dessen was passiert, wenn ein Außenseiter in der Pubertät Superkräfte bekommt, das ist wirklich sehenswert. 

Was mir nicht gefällt

Hinter den Kulissen des Superhelden-Films gibt es wirklich wenig zu entdecken. Der pubertäre Wunsch, die eigene Besonderheit der Welt zu zeigen, wird in wirklich vielen Filmen präsentiert. Es ist ein typisches Narrativ des Jugendfilmes und wird auch in Action-Filmen wie „Kick-Ass“ (2010) oder „Spider Man: Homecoming“ bereits erzählt. Shazam! ist hier also kein wirklich neuer Ansatz. Auch der Versuch, die eigenen Superkräfte mit Humor einzuordnen ist nicht neu, wie Marvel bereits gezeigt hat. So bleibt im Kern als Überraschung nur die Art, wie Shazam! den Superhelden initiiert. Ein wenig dürftig für einen Film, der über zwei Stunden lang ist. 

Story 

Die Story für Shazam! ist stark und unterhaltsam. Gar keine Frage. Da verzeihe ich als Kinobesucher sogar die offensichtliche Nachlässigkeit des Veröffentlichungstermins. Wieso zur Hölle kommt ein Kinofilm, der intensiv auf die Vorweihnachtszeit festgelegt ist, Anfang April in die Kinos? Ich kann darüber noch immer nur den Kopf schütteln. Ebenfalls ein Rätsel ist es mir, warum der Film 132 Minuten lang sein muss. Diese Geschichte hätte wirklich locker 30 Minuten kürzen sein können, ohne dass etwas verloren gehen würde. Alleine dieser Anfang, der sich zieht wie Kaugummi und dessen Inhalt mehrfach im Film erneut beschrieben und diskutiert wird. Es hat aber auch seinen Vorteil. Wer kurz auf der Toilette war oder verspätet in den Kinosaal gekommen ist, wird der Story immer folgen können. 

Niemand sollte von Superhelden-Filmen zu viele emotionale Elemente erwarten. Oft sind Beziehungen zwischen solchen Figuren nur eine Vorbereitung der finalen Auseinandersetzung. Für irgendetwas oder irgendwen müssen Batman, Superman, Ironman oder sonstwer schließlich kämpfen. Dafür braucht es Nebenfiguren, um die Schlacht persönlich werden zu lassen. Auch Shazam! nutzt seine Nebendarsteller nur als emotionale Stufen für die Besteigung des Superhelden-Olymps. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Anders betrachte: Für einen DC-Film gibt es viel zu lachen, viel zu erleben und eine wirklich sympathische Hauptfigur. Nach dem Abspann bleibt kein sonst üblicher unangenehmer Nachgeschmack einer DC-Comikverfilmung zurück. Shazam! hat Tempo und Witz. Mehr, als ich erwartet habe.   

Fazit

Für mich ist Shazam! ein Durchatmen im DC-Universum. Es gibt also doch noch die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen die nicht überdimensional und gigantisch übertrieben sind. Billy Batson ist ein Außenseiter, dem ich gerne zusehe und dem ich seine Superkräfte zutiefst gönne. Aber all das täuscht für mich kaum darüber hinweg, dass Shazam! wie eine Wiederholung von etwas ist, das man schon einmal gesehen hat. Alle Elemente des Filmes sind bereits aus anderen Verfilmungen bekannt. Shazam! ist ein unterhaltsamer Film, aber er lässt die Möglichkeit liegen, etwas wirklich Neues auf die Leinwand zu bringen. 

Bildrechte: Warner Bros. Deutschland

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