Ghost in the Shell – ab 30.03.2017 im Kino

Dieser Film kann nicht funktionieren. Auf gar keinen Fall. Davon war ich zutiefst überzeugt. Scarlett Johansson als japanische Cyborg-Agentin? Wie soll das bitte funktionieren? Einen der meistverehrten und ins mystische übersteigerten Anime-Filme neu aufzusetzen? Das kann eigentlich nur schiefgehen. Das riecht verdächtig nach einer Marketingabteilung die sowas wie eine globale Verwertung und eine Stärkung des asiatischen Marktes im Focus hat.

Wahrscheinlich ist das auch so. Aber es bedeutet diesmal nicht, dass der Film nicht sehenswert ist. Ganz im Gegenteil. Ghost in the Shell ist in der Neuverfilmung vor allem eins – eine großartige Reminiszenz an das Original. Vor in der Bildgestaltung ist die Neuverfilmung ein beeindruckender Zwilling. Dies geht soweit, dass Schnitte und Szenen der gezeichneten Version detailliert übernommen und in den Realfilm übersetzt wurden. Dabei sind die Übergänge zwischen Digitaleffekt und echten Filmaufnahmen absolut unmerklich.

Es hat mir richtig Spaß gemacht mich in dieser Zukunftsvision zu verlieren. Einzutauchen in die Vorstellung, dass der Übergang zwischen Menschen und Maschinen fließend wird. Die Frage nach der eigenen Identität und den eigenen Fähigkeiten nicht mehr zentral von den körperlichen Voraussetzungen abhängt. Wenn wir unseren Körper immer weiter optimieren. Wann sind wir nicht mehr wir?

Allerdings ist auch einiges bei der Übersetzung in den aktuellen Film verloren gegangen. So ist das Original von 1995 für mich immer noch kryptisch. Viele Sequenzen und Deutungen haben sich erst mit der Zeit für mich entwickelt.  Und einige habe ich wohl immer noch nicht verstanden.

Diese Widerborstigkeit wurde dem aktuellen Film genommen. Er ist sowohl in seiner Storyline als auch in seiner Charakterschilderung sehr um Eindeutigkeit bemüht. Damit ja keiner falsch versteht, was mit dem „Geist in der Hülle“ gemeint ist. Und auch die Hauptfigur hat einiges an Reiz verloren. Während das Anime-Original auch in etlichen Szenen die Frage nach Nacktheit und dem sexuellen Reiz stellt, wirkt die Neuauflage geradezu antiseptisch uninteressant. Der Cyborg ist hier nicht mehr menschenähnlich um nur keine menschlichen Reaktionen auszulösen.

Das wird der Marketingabteilung gefallen haben. Ermöglicht es doch eine deutlich geringere Altersfreigabe.

 

Bildrechte: Paramount Studios

 

2 comments

  1. Martin

    “Die Frage nach der eigenen Identität und den eigenen Fähigkeiten nicht mehr zentral von den körperlichen Voraussetzungen abhängt. Wenn wir unseren Körper immer weiter optimieren. Wann sind wir nicht mehr wir?”
    Das erinnert mich an die Anekdote vom Straßenfeger, der auf seinen Besen schaut und sich fragt: “Ist das eigentlich noch der gleiche Besen, mit dem ich 25 Jahre lang die Straßen gefegt habe? Nach ein paar Monaten musste ich zum ersten mal, und dann immer wieder die Borsten austauschen, nach ein paar Jahren ist der Stil gebrochen, so dass ich ihn ersetzen musste, und irgendwann auch der Besenboden, an dem die Borsten festgemacht sind.” Ok, ein alter Besen ist kein heißer Feger wie Scarlett Johannson (sorry, aber der musste sein). Aber die Frage nach der Identität stellt sich ähnlich. Und was lernen wir aus Film und Anekdote? Dass es weniger um das beschreibene Objekt geht denn um die Beschreibung: eine Idee, ein linguistisches Konstrukt, von dem wir uns verleiten lassen, es für das Ding selbst zu halten:
    “Einzutauchen in die Vorstellung, dass der Übergang zwischen Menschen und Maschinen fließend wird. ” – Das ist eben der Trugschluss: Alles fließt*, schon immer, und gerinnt nur im Begriff, in der Zuschreibung, der Idee. Und die ist wie die Maschine: menschengemacht.
    (*diese Aussage ist natülrich ein Selbstwiderspruch, der aber in seiner Paradoxizität die These unterstreicht – und nein, um solche Sätze zu schreiben, muss ich nichts Illegales geraucht haben.)

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    1. Frederik

      Hallo Martin,
      Dein Hinweis ist natürlich auf einer praktischen Ebene völlig richtig. Denn schon jetzt ist der Übergang zwischen Mensch und Maschine fließend. Die moderne Prothetik geht diesen Weg ja schon länger. Und auch die Filmgeschichte ist reich an mal mehr, mal weniger gelungenen Beispielen (Robocop … 2001: Odyssey im Weltall … Alien).Aber die Frage nach dem innersten Erkennen eines Menschen ist so alt wie die Menschheit selbst. “ich denke also bin ich” als philosophische Idee der Selbsterkenntnis. Doch bei Ghost in the Shell wird eher die Radikalität des Übergangs als Frage artikuliert. Also nicht direkt in dem Film, sondern eher als grundsätzliches Thema. Wenn du nichts mehr bist, ist dann dennoch was von Dir geblieben? Wenn du alles verlierst bist du Mensch oder Maschine? Und so wird für mich mehr als ein linguistisches Modell daraus. Denn es geht für mich nicht und die Beschreibung meiner Umgebung sondern um das Verstehen des Kerns der Realität und damit meines eigenen Seins.

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