Star Wars: Die letzten Jedi – 14.12.2017

Es ist eindeutig der Kino Höhepunkt des Jahres. Kein Film sorgt für mehr Aufsehen, für vollere Kinosäle und mehr Diskussionen. „Star Wars – Die letzten Jedi“ scheint alle Rekorde zu brechen. Nach etwas mehr als einer Woche hat das Weltraum Spektakel bereits mehr als 600 Millionen US-Dollar eingespielt. Ein grandioser Erfolg und eine wahre Gelddruckmaschine für Disney. Die Space-Oper scheint alle Erwartungen zu erfüllen. Aber gleichzeitig lässt sie auch viele Chancen liegen und opfert diese für größtmögliche Massentauglichkeit.

Natürlich macht „Die letzten Jedi“ Spaß. Über 150 Minuten Film ohne Langeweile ist toll. Viele alte Freunde sind wieder mit dabei und Luke Skywalker kann endlich erklären, was passiert ist. Darauf habe ich mich sehr gefreut und das hält der Film auch ein. Wer genau das vom jüngsten Star Wars erwartet wird nicht enttäuscht.

Ich habe allerdings auf mehr gehofft. Auf neue Entwicklungen und unerwartzete Wendungen der Story. Auf tote Helden die ich betrauern kann und fiese Schurken die mich das Fürchten lehren. Nie war die Ausgangsbasis dafür besser.

Die beiden vorhergehenden Star Wars-Filme haben den Boden bereitet. Die Geschichte der Jedi ist, nach den vermurksten Episoden 1 – 3, endlich wieder gut für unterhaltsame Blockbuster. Das ist großartig. Und mit Rey gibt es eine tolle, neue Hauptfigur, deren Weg zur Macht und zu deren Beherrschung ich mir gerne ansehen möchte.

Und jetzt kommt das aber: ABER … es wäre außerdem einfach schön gewesen, wenn „Die letzten Jedi“ nicht nur Bewahrer eines 40 Jahre alten Kinomärchens wäre.

Über dem gesamten Film scheint der tiefe Wunsch der Filmemacher zu stehen, zuallererst das Franchise am Laufen zu halten. Gab es mal Kontroversen über den Ursprung der Macht? Kein Problem. Wir ignorieren das einfach. Die dunkle Seite ist verführerisch, roh und menschenverachtend. Mit Grusel erinnere ich mich noch, welche Angst ich als Kind vor Darth Vader hatte. Aber nein, so können wir keine Spielzeuge verkaufen. Also ist die dunkle Seite der Macht eher unhöflich bis ein wenig ungezügelt. Wie jemand, der sich bei Weihnachtseinkäufen an der Kassenschlange nach vorne drängelt. Ärgerlich, aber mehr auch nicht. Warum die Rebellen die First Order nicht leiden können, blieb mir auch nach dem Film ein Rätsel.

Aber es muss ja auch nicht immer die große Politik sein. Alternativ könnte ja die Ausbildung von Rey zur Jedi-Meisterin ein wichtiger Plot sein. So wie Luke sie einst von Joda auf Dagobar erhalten hat. Ein mentaler Weg zu Stärke und Verständnis, gesät mit Zweifeln, Visionen und der permanenten Angst zu scheitern. Dies scheint an Rey völlig vorbei zu gehen. Sie ist halt ein Jedi. Sie hat ein Lichtschwert. Und sie bringt sich die Macht selbst bei. Einziges Problem, sie muss auf diesem Weg dem lamentierenden Luke Skywalker zuhören.

Was mir außerdem fehlt, ist eine technische Entwicklung im Star Wars-Universum. Alles wirkt so vertraut, dass selbst ein neuer Todesstern (wäre Nummer vier in der Serie) nicht negativ aufgefallen wäre. Die „Schrottmühle“ – der Millenium Falke unterscheidet sich kaum von den übrigen Schiffen. Und wo ich gerade davon sprechen. Natürlich fehlt Han Solo. Seine wunderbare Respektlosigkeit würde den letzten Jedi unendlich guttun.

Mein schönster Lichtblick in „Die letzten Jedi“ ist Carrie Fisher. Ihre Ruhe und Präsens ist wunderbar. Sie scheint über den Ereignissen des Films zu schweben, einen geradezu magischen Überblick zu haben. Für sie ist dieser Star Wars – Film ein Geschenk. Und wir werden sie in allen künftigen Teilen schmerzlich vermissen. Davon bin ich überzeugt.

So erfüllt der Film letztendlich die Anforderungen der Filmemacher. Er bringt die Leute ins Kino und erhält das Kinomärchen am Leben. Und Fans werden Unmengen an Zitaten und Anspielungen in dem Film finden. Auch das erhöht den Spaßfaktor enorm. Das macht den Film unterhaltsam und kurzweilig. Aber für mich reicht das nicht, um meine Erwartungen zu erfüllen, die sich bei mir in den vergangenen Monaten aufgebaut hatten. Eventuell habe ich schlicht viel zu hohe Erwartungen gehabt.

 

 

Bildrechte: The Walt Disney Company (Germany)

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