Ferdinand – ab 14.12.2017

Also ich könnte mir so ein Leben schon gut vorstellen. Unter einem Baum in Spanien in der Sonne zu sitzen. Lecker essen und sich hin und wieder hinter den Ohren kraulen lassen. Hört sich nach einem guten Plan an, oder? Genau deswegen ist mir wohl auch „Ferdinand“ so sympathisch. Ein riesiger Stier der eigentlich Matadore aufspießen soll, aber viel lieber an Blumen riecht und unter seinem Baum liegt. Was für eine tolle Geschichte.

Nun ist „Ferdinand“ ein Familienfilm und daher will ich auch gar nicht zu viel von ihm erwarten. Natürlich gibt es keine überraschenden Wendungen und clevere Story-Kniffe. Aber darum geht es hier auch nicht, finde ich. Dieser Film ist die animierte Version einer heilen Welt in der alle sich am Ende mögen und zum Glück nicht singen. Letzteres ist für mich persönlich sehr wichtig. Stattdessen gibt es durchaus gelungen Tanzeinlagen von Hoftieren. Die Dance-Battles passen zwar so gar nicht in das spanisch-rustikale Ambiente, aber es verpasst dem hin und wieder ein wenig lahmenden Film dann doch wieder Schwung.

Richtig gut gefällt mir der Humor vom Filmverleih, der ihn dazu bringt Ferdinand kurz vor Weihnachten und parallel zu Star Wars rauszubringen. Warner Brothers dachte sich wohl, es sei gut so kurz vor den Festtagen etwas familienfreundliches anzubieten. Ein sicherlich guter Gedanken. Aber da wäre ja noch die Grundaussage des Films. Die – ganz grob übersetzt – heißt, Tiere sind nett, deine besten Freunde und auf jeden Fall nichts, was gegessen wird. Eine wirklich gewagte Aussage, eine Woche vor dem wohl größten Braten-Festival das das Jahr zu bieten hat: Weihnachten. Da werden einige Eltern sicherlich ihren Kindern erklären müssen, dass ihr Rind, die Gans oder das Schwein ein sehr glückliches Leben gehabt hat, bevor es auf dem Tisch gelandet ist. Und es auf gar keinen Fall ein Freund von Ferdinand gewesen ist.

Richtig toll ist die Balance im Film. Es hat stimmungsvolle Charts-Musik, viel Humor dank der Beruhigungsziege Elvira und keine Gewalt. Der Film ist wirklich prima für Kinder geeignet. Sogar auf einen echten Bösewicht wird verzichtet, damit am Ende alle gut gelaunt aus dem Kino gehen können. Sehr gut für friedliche Weihnachten.

Ob Ferdinand mein Kino-Tipp ist? Schwer zu sagen. Der Film hat mir zu wenig Besonderes. Er ist stimmig erzählt und genau richtig für Familienfeiertage. Aber mir bleibt er wahrscheinlich nicht lange in Erinnerung. Ein wenig mehr Originalität. Eventuell noch eine besondere Prise Humor, wie sie beispielsweise mit Scratch in Ice-Age vorgekommen ist. Das hätte mir geholfen. So ist es vor allem ein Film, mit dem Familien kaum was falsch machen können. Vor allem, wenn sie sich für vegetarische Weihnachten entschieden haben.

 

 

 

Bildrechte: Warner Brothers Deutschland

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