Alles Geld der Welt – 15.02.2018

Geld allein ist kein Film

Woher kenne ich bloß diesen Film? Genau … Das war doch der Film, in dem ursprünglich Kevin Spacey die Hauptrolle gespielt hat. In dem dann – nach #metoo – Spacey durch Christopher Plummer ersetzt wurde – nachdem der Film eigentlich schon fertig war! Ja, das ist genau dieser Film. Und Christopher Plummer hat dafür sogar eine Oscar-Nominierung bekommen, als bester Nebendarsteller. Allerdings ist ziemlich bezeichnend, dass dies auch schon der beeindruckende Aspekt des Filmes ist. Denn an sich ist der Film lang (132 Minuten) und leider auch ein wenig zäh.

Die Ausgangslage ist dabei durchaus spannend. Der Film basiert auf dem realen Entführungsfall von John Paul Getty III im Jahr 1973. Der Enkel des damals reichsten Mannes der Welt wird in Italien gekidnappt. Für einen Regiemeister wie Ridley Scott wäre damit doch eine Vielzahl an spannenden Möglichkeiten vorhanden. Vom Sozialdrama der Superreichen bis hin zur Nacherzählung des Kriminalfalles. Dieser Möglichkeiten war sich wohl auch der Regisseur bewusst, und er wollte sie alle nutzen. So schleudert der Film hin und her. Auf der einen Seite stellt er Fragen nach Geld und Moral, auf der anderen Seite das Drama um den sechzehnjährigen Entführten. Dieser Schlingerkurs ist leider eher unentschlossen als unterhaltsam.

Story

Natürlich lebt die Story von der Frage, wie die Entführung ausgeht. Diese Dramatik ist auch der rote Faden, der sich durchzieht. Allerdings scheint die Inszenierung dieses Thema nicht sonderlich ernst zu nehmen. Die Momente des Terrors, der Vertrautheit und der Resignation von John Paul Getty III in seinem Gefängnis wirken wie nebenher eingestreut. Eher wie eine beiläufige Begründung, warum das Drama innerhalb der Getty-Familie überhaupt berichtenswert ist. Hier entbrennt der Streit um Verantwortung und um Geld: Warum sollte der reichste Mann der Welt für einen Enkel bezahlen, der ihm keinen Nutzwert bringt? Und so entsteht etwas sehr Merkwürdiges: Als Gegenspieler zur liebenden Mutter und dem knallharten Ermittler agieren nicht die Entführer, sondern vielmehr der verknöcherte Superreiche, der einfach nicht bezahlen will. Das raubt dem Film allerdings einen Großteil seiner Spannung. Denn es geht dann nicht mehr um die Entführung und deren Folgen, sondern lediglich um die Frage, wann und wie der alte Getty zahlt. Das ist spannend wie ein verfilmter Kontoauszug.

 

Regie und Schauspieler

Das der ehemalige Werbefilmer Ridley Scott mit Inszenierungen umgehen kann, beweist er wieder einmal in „Alles Geld der Welt“. Die Dramaturgie seiner Bilder ist großartig. Die Vorstellung der Figuren erfolgt vorsichtig und einfühlsam. Die emotionale Kälte in der Familie Getty kommt einem so greifbar vor, dass nicht einmal die Sonne Italiens diese vertreiben kann.

Unterstütz wird diese sehr gute Regieleistung vor allem von Michelle Williams. In der Rolle als Mutter des Entführungsopfers und gleichzeitig ausgestoßene aus dem Getty-Clan ist sie der emotionale Ankerpunkt. Christopher Plummer ist in seiner herzlosen Geldversessenheit der genaue Kontrapunkt. Es ist beeindruckend hier zuzusehen.

 

Fazit

Dieser Film lebt von der zielgenauen Regie und den tollen Schauspielern. Sie ziehen einen in die Story rein und machen den Film emotional erlebbar. Doch leider verschenkt die Story viele an Dramatik und Spannung. Einen Entführungsfall zu schildern und dann für das Entführungsopfer sowie der Suche nach ihm lediglich ein nahezu beiläufiges Interesse aufzubringen? Das ist schwierig und beschädigt den Film leider sehr.

 

 

 

 

 

 

Bildrechte: Tobis Filmverleih

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.