Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes – 14.06.2018

Denn selig sind die Skifahrer

Ich bin kein religiöser Mensch. Ich war es nicht und werde es wohl auch zukünftig nicht sein. Das ist sicherlich einer der Gründe, warum ich nur sehr wenig mit diesem Wim Wenders-Film anfangen kann. Denn in seinem Kern ist dieser Film eine 96 Minuten lange Predigt von Papst Franziskus. Alles auf der Leinwand ist eine in Ehrfurcht erstarrte Glorifizierung des aktuellen Papstes. Von kritischer Auseinandersetzung fehlt jede Spur. Auch dem Menschen hinter dem Amt kam ich im Kino nicht näher. Ich wurde erschlagen von christlicher Rhetorik und religiös motivierter Nächstenliebe.

Was mir gefällt

Leider viel zu wenig. Es ist schön und durchaus spannend, dem Papst länger zuhören zu können. Es ist interessant, innerhalb der 96 Minuten seine Weltsicht besser verstehen zu lernen. Aber damit ist der Film leider auch schon am Ende.

 

Was mir nicht gefällt

Vor allem die unterwürfige Grundhaltung von Wim Wenders ist in diesem Film für mich nur ärgerlich. Er versucht nicht einmal, seine Bewunderung zu verbergen. Alles ist Anbetung, alles ist gut und er erlaubt dem Papst sogar direkt in die Kamera zu sprechen. Jegliche Distanz, jede Chance auf Beobachtung geht für mich so verloren. Außerdem ist dieser Film ebensowenig in seiner Inszenierung mitreißend. Während Musikfilme durch den Blick hinter die Bühne faszinieren und mir die Musiker und deren Leben näherbringen, verzichtet Wenders hier fast vollständig auf solche Bilder. Alles wirkt inszeniert und geradezu missionarisch. Für die Faszination des Momentes blieb bei mir kaum etwas übrig.

Außerdem hat dieser Film für mich auch einen unfassbaren und zutiefst nervigen handwerklichen Tiefpunkt. Die nachgestellten historisch wirkenden Aufnahmen aus dem „12. Jahrhundert“ sind der Laienspielschar von Oberammergau nicht würdig. Das hat auch Papst Franziskus nicht verdient.

Story

Papst Franziskus – ein Mann seines Wortessoll wohl ein Dokumentarfilm sein. Aber er dokumentiert eigentlich nichts. Er begleitet den Papst auf offiziellen Auftritten und lässt ihn dazwischen Predigen. Das war es. Eine Story, eine herzliche Zuwendung oder gar ein kritischer Abstand ist für mich zu keiner Zeit aufgetaucht. Wie dicke Zuckerwatte liegt hingegen Wenders Bewunderung und völlige Kritiklosigkeit über den Szenen. Daher schlage ich hiermit einen neuen Titel für den Film vor: Die Anbetung von Papst Franziskus durch den Filmemacher Wim Wenders.

Fazit

Wer einfach einmal in Ruhe dem Papst zuhören möchte ohne durch kritische Fragen gestört zu werden, der ist hier richtig. Gar keine Frage. Wer zur Gedankenwelt von Papst Franziskus einen Zugang sucht, auch dem kann ich diesen Film noch empfehlen. Aber für mich ist das hier weder ein Dokumentarfilm noch ein Grund ins Kino zu gehen. Und das sage ich mit tiefstem Bedauern.

Ich bin überzeugt davon, dass Papst Franziskus viel zu sagen hat. Er hat wirklich wichtige moralische Anmerkungen und Hinweise für unsere Zeit. Ich denke sogar, es könnte ihm gelingen eine moderne Inspiration für die katholische Kirche zu sein. Das alles ist in meinen Augen richtig. Aber diese zuckersüße, peinlich oberflächliche Anbetung hat er nicht verdient.

 

 

Bildrechte: Universal Pictures Germany

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.