Rampage – 10.05.2018

Da kommt ‘was Großes auf uns zu

Bei diesem Film könnte ich sicherlich einen Berg an Deutungsmöglichkeiten rauskramen. Ich könnte in der Story von Rampage nach Analogien zu Angstpsychosen suchen. Nach verschlüsselten Botschaften und einer unterschwelligen Gesellschaftskritik. Ich könnte Parallelen ziehen zu einer zukunftsfeindlichen, geradezu dyspeptischen Weltauffassung. All das könnte ich. Und die absolute Inhaltsleere von Rampage lädt auch gerade dazu ein. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass dies völlig überzogen wäre. Der Film ist einfach sinn- und deutungslos. So wie er ist.

Nein, das ist keine Kritik. Ich finde es super, wenn Filme nicht versuchen mehr zu sein, als sie sind. Denn das endet sehr schnell in einer intellektuellen Agonie.

Rampage ist genau der Gegenentwurf. Ein „Hau drauf und mach alles kaputt“-Film, der selbst Regisseure wie Roland Emmerich wie differenzierten Autorenfilmer aussehen lässt. Und der liebt bereits die große Action, bei der Städte in Schutt und Asche gelegt werden. Emmerich muss man in der Kategorie erst mal schlagen.

Story

Ja, die Story existiert. Sie ist dünn und würde vollständig auf eine Serviette passen, aber es gibt sie tatsächlich. Sie ist auch löchrig ohne Ende (Wahrscheinlich, weil die Serviette schon benutzt war. Nur so eine Vermutung von mir). Aber wen interessiert es? Offensichtlich nicht mal die Filmemacher. Hier dient die Story einzig und alleine dem Zweck, Dwayne „The Rock“ Johnson in den unterschiedlichsten Bombast-Situationen gut aussehen zu lassen. Alle anderen Charaktere sind Stichwortgeber und die digitalen Monster, die Chicago in Schutt und Asche legen, sind so gesehen nur der Anlass für große Hau-Drauf-Action.

Regie und Schauspieler

Das Beste was man darüber sagen kann: Existiert. Der Regie und den Darstellern gelingt es dabei ausgesprochen gut, keine inhaltlichen Ambitionen oder emotionale Tiefe vortäuschen zu wollen. Wie denn auch, wenn laut Skript gerade ein gigantischer Gorilla und ein fliegender Riesenwolf gerade eine Stadt verwüsten? Also unterwerfen sich alle Beteiligten dem Dogma, dass es permanent krachen und scheppern muss. Nicht zu vergessen Dwayne Johnson, der den ganzen Film über als Mischung aus einer optimistischeren Version von John McClane und einer menschenfreundlichen Ausgabe von John Rambo daherkommt.

Mein Fazit

Ungelogen, Rampage macht richtig Spaß. Denn auf der Kinoleinwand ist permanent die Hölle los und es scheppert und kracht vom wunderbarsten. Da bleibt kaum Zeit zum Luft holen.

Es lässt sich der Verdacht auch nicht ganz ausräumen, dass alle Beteiligten ihren Spaß am zügellosen ausleben diese sinnlosen Action-Gewitters haben. Wie großartig.

Das alles funktioniert wirklich super, solange sich keiner auf die Suche nach Metaebenen und Deutungsmöglichkeiten macht. Das hat der Film nämlich nicht verdient. Im positivsten Sinne.

 

 

 

 

 

Bildrechte: Warner Bros. Deutschland

 

 

Kingsman: The Golden Circle – 20.09.2017

Ganz nüchtern betrachtet ist Kingsman: The Golden Circle ein ganz typischer Fortsetzungsfilm. Das Erfolgsrezept des ersten Teils wird aufgenommen und um neue Stunts, neue Schauspieler und neue Schauplätze erweitert. Das ist gut. Schließlich hat mir der erste Teil schon sehr gut gefallen. Es bleibt bei einem an James Bond erinnernden Film, der vor allem den Regler für „Absurde Gewalt“ noch einmal deutlich weiter aufdreht.

Wie schon im ersten Teil funktioniert dieses Konzept. Es wird geschossen, getötet und nach der Weltherrschaft gegriffen, wie sonst nur in einem klassischen B-Movie. Die Hauptdarsteller sind dabei gut angezogen und versuchen dem britischen Klischee eines Gentlemans so nahe wie möglich zu kommen. Und wie im ersten Teil ist das die Hauptquelle des Spaßes. Denn wer Anzüge und Regenschirme trägt, ist nicht unbedingt für die Schlacht um die Weltherrschaft gerüstet. Das im Verlauf des Films die Geschichte an so einigen Stellen unter die Räder des Golden Circle gerät: Geschenkt! Denn darum geht es hier nicht. Dieser Film ist eine Krachbummente. So würde es wohl „Darkwing Duck“ formulieren.

Neben all dem zu erwartenden Action-Gewitter gibt es aber auch zwei Besonderheiten.

Hier ist zuallererst Julianne Moore zu nennen. Sie ist eine ganz wunderbare Schurkin, die auch den härtesten Kerlen das Fürchten lehrt. Sie ist natürlich ausgesprochen skrupellos und hat sich ein großartiges, exotisches Schurkenversteck errichtet. So wie es sich in solch einem an Bond erinnernden Film auch gehört. Darüber hinaus hat sie allerdings etwas, mit dem ich in diesem Film gar nicht gerechnet habe: Ein nachvollziehbares Motiv für ihre Taten. Jenseits des Krawalls ist die Motivation von „Poppy“ klar verständlich und sogar gesellschaftskritisch. Das macht die Figur in diesem Film so besonders. Sie wartet mit einem unerwarteten Tiefgang auf, den die männlichen Hauptfiguren nicht ansatzweise zeigen. Umso mehr habe ich es bedauert, dass „Poppy“ nicht häufiger im Film auftaucht.

Die zweite Besonderheit des Films ergibt sich für mich aus der grundsätzlichen Entscheidung des Drehbuches. Ganz klar will Kingsman: The Golden Circle die 007-Filme übertrumpfen. Sei es bei den technischen Spielereien, den exotischen Schauplätzen oder der schon fast grotesk zur Schau gestellten Gewalt. Immer schimmert der Agent in Auftrag seiner Majestät durch die Figuren und Szenerien hindurch. Dabei werden dessen Grundprinzipien in ein von  Games inspiriertes Action-Kino übersetzt. Wo Bond in den letzten Jahren düster und realistischer geworden ist, dort werden die Kingsman absurder, lauter und wahnwitziger.

Es gibt aber eine Ausnahme:  Der Film ist so prüde, dass nicht einmal „M“ etwas Anstößiges daran finden würde. Dort wo 007 direkt und eindeutig ist, werden die Kingsman geradezu verschämt und verschwommen. Dies ist für mich umso bemerkenswerter, da bei der Gewalt kaum Zurückhaltung zu erkennen ist. Hier scheitern die Schneider aus London an ihrem großen Vorbild.

Zurück bleiben für mich gemischte Gefühle. Auf der einen Seite sieht Kingsman: The Golden Circle toll aus. Die Action ist einfallsreich und wild. Die Schurkin „Poppy“ ist großartig. Die Drehorte sind spektakulär. Ich habe mich keine Minute in diesem Film gelangweilt. Und doch bin ich nicht restlos überzeugt. Dafür hat die Story zu viele sinnlose Sprünge und sind die neuen Figuren zu oberflächlich gezeichnet. Insgesamt fühlt es sich an wie eine ganze Packung „Ahoi Brause“ auf der Zunge. Es prickelt wie verrückt – löscht aber keinen Durst und macht auch nicht satt.

 

 

Bildrechte: 20th Century Fox