Captain Marvel – 07.03.2019

„If you want something said, ask a man; if you want something done, ask a woman.”

Margaret Thatcher

Mein allererster Reflex, als ich von Captain Marvel gehört habe war dieser: „Bitte, bitte nicht noch ein Superheldenfilm. Ich habe keine Lust mehr auf Filme über Comic-Helden aus den unbekannteren Vororten des Marvel-Universums!“ Und seit Spiderman ist die Geschichte immer gleich: Typ hat vorher keine Superheldenkräfte. Dann entdeckt er, dass er auf einmal welche hat. Zum Schluss prügelt er sich mit einem Superschurken und gewinnt. Das dauert in der Regel über 120 Minuten und am Ende ist die Erde gerettet.
So ähnlich funktioniert auch Captain Marvel. Aber eben nur so ähnlich und nicht genauso. Und das macht den großen Spaß an diesem Film aus. Nicht nur weil die Heldin eine Frau ist. Sondern auch, weil die Story des Films anders aufgebaut ist.

Was ist anders bei Captain Marvel? Ich gebe mal ein Beispiel: Bisher gab es lediglich zwei Sorten von Filmen aus dem MCU (Marvel Cinematic Universe). Entweder kämpften Helden, wie in der Avengers Filmreihe, auf der Erde gegen Schurken. Oder die Schlachten wurden wie bei Thor oder Guardians of the Galaxy, am anderen Ende des Universums ausgetragen. Der wirklich neue Twist bei Captain Marvel ist, dass die Erde erstmalig fast völlig unwichtig ist. Sie ist ein Schauplatz für Duelle und Schlachten, aber weder die Menschen noch die Zukunft des Planeten motiviert die Heldin. Noch nie fühlte sich der Planet so unwichtig an und noch nie waren die Hauptfiguren so desinteressiert an Kollateralschäden. Captain Marvel benimmt sich wie eine Touristin, die weiß, dass sie bald wieder weg ist.

Was mir gefällt

Ganz klar: der Film ist einfach herrlich differenziert erzählt und Brie Larson ist eine wunderbar Superheldin. Sie ist eine selbstbewusste Heldin, die während des Films immer menschlicher und verständlicher wird. Sie ist ein Superheld, der in sich den Menschen entdeckt. Die als gefährliche Alien-Kriegerin beginnt und am Ende eine Frau ist, zu deren Fähigkeit es halt gehört aus ihren Händen Energiestrahlen abzuschießen. Soweit sowas halt menschlich und normal sein kann. Mir hat außerdem gut gefallen, dass dieser Film keine offensichtliche feministische Agenda hat. Captain Marvel ist eine Frau. Und das reicht. So wird viel Platz für einen richtig guten Film geschaffen.

Was mir nicht gefällt

Das ist wirklich wenig. Das Einzige, was mich tatsächlich gestört hat, war die Retro-Verliebtheit der Filmemacher. Ich finde es auch sehr amüsant aus heutiger Superheldensicht auf die 90er Jahre zurückzublicken. Es ist wirklich sehr lustig, wenn Captain Marvel mit den ersten Computern und den Anfängen des Internets konfrontiert wird. Aber irgendwann ist dann auch gut. Und nicht alle Szenen müssen mit „dem Besten der 90er“ unterlegt werden. Hier ist Captain Marvel für mich manchmal ein Stück über das Ziel hinausgeschossen.

Story

Natürlich ist es ein Superheldenfilm und natürlich geht es um die Anfänge von SHIELD. Also wird auch alles bedient, was der Fan erwartet. Es gibt alle notwendigen Charaktere inklusive Nick Fury. Es gibt bombastisch inszenierte Schlachten und dramatische Verfolgungsjagden. Doch Captain Marvel ist nie eine Wiederholung. Immer dann, wenn ich befürchtet habe zu wissen wie es weiter geht, ändert sich die Struktur der Story. Immer wenn ich dachte: Ja klar, so muss es sein, dann kam es anders. Dabei steht die emotionale Geschichte der Hauptfigur vor dem Klamauk und vor den Effekten. Eine für Marvel sehr ungewohnte Herangehensweise, die aber wunderbar funktioniert.

Fazit

Nicht nur in der Marvel-Timeline beginnt alles mit Captain Marvel. Für mich ist Captain Marvel auch insgesamt eine der gelungensten Interpretationen des Comic-Universums. Die Kombination aus überraschender Storyline, einer beeindruckend menschlich agierenden Hauptdarstellerin und einem reduzierten Action-Gewitter funktioniert toll. Für mich einer der besten MCU-Filme.

Bildrechte: Disney Pictures Deutschland

Robin Hood – 10.01.2019

“Let’s face it. You’ve gotta be a man to wear tights!”

Little John, Men in Tights (1993)

Robin Hood? Die Geschichte mit Maid Marian und dem Loxley? Die kennt nun wirklich jeder. Die Abenteuer aus dem Sherwood Forest sind seit der Erfindung des Filmes in den unterschiedlichsten Varianten ins Kino gekommen. Zu den Highlights der Robin Hood-Filmhistorie gehören sicherlich die Zeichentrickversion von Disney (1973), die romantische Variante mit Kevin Costner (1991) oder die Satire von Mel Brooks (1993). Diese Reihe kann um etliche weitere Versionen erweitert werden, je nach eigenen Interessen und Vorlieben. Von Erol Flynn (1938) bis zur Version von Ridley Scott (2010). Diese Filme hatten eines gemeinsam: Sie waren einzigartig, unterhaltend und haben dem König der Diebe eine neue Perspektive abgerungen. Die aktuelle Neuverfilmung ist hingegen nur eins: überflüssig. 

Schon vor zwei Jahren bewies Guy Ritchie, dass historische Kino-Stoffe das reinste Kassengift sein können Sein kolossales Scheitern an der Artus-Legende war ein Desaster, das nur wenige sich ansehen mochten. Bei Robin Hood ist es in diesem Jahr noch schlimmer. Die Geschichte aus dem Sherwood Forest ist unglaublich sinnentleert erzählt. Ja, schlimmer noch. Der schon fast zwanghaft wirkende Versuch, aktuelle politische Themen in diesen Film zu integrieren, macht alles nur noch schlimmer. Robin Hood als Gewerkschaftsführer für mehr Steuergerechtigkeit? Oder als Parlamentarier in einer von Eliten beherrschten Demokratie? Oder als Kriegsveteran, der mit seinem Trauma allein gelassen wird? Das passt vorne und hinten nicht zusammen. 

Robin Hood im Straßenkampf mit Pfeil und Bogen

Am Anfang des Films hielt ich es noch für eine mutige dramaturgische Idee, den Film nicht in jenem mittelenglischen Wald spielen zu lassen. Inzwischen bilde ich mir gerne ein, dass dies aus Umweltschutzgründen geschehen ist, um den Bäumen die Dreharbeiten und die miserable Storyline zu ersparen. Ich mag diesen rücksichtsvollen Gedanken. Denn die Kinozuschauer werden durch diesen Robin Hood weit weniger respektvoll behandelt. 

Ein sinnloser Versuch eines Filmes, dem man zumindest sein Budget ansieht.

Was mir gefällt

Es muss wohl einen Spirituosenhändler in der Nähe von Hollywood geben, der mit glänzenden Augen an die Zeit zurückdenkt, in der Drehbuchautor Joby Harold und Regisseur Otto Bathurst an diesem Film gearbeitet haben. Denn anders als mit massivem Missbrauch von Alkohol oder potentiell anderen die Sinne betäubenden Mitteln, ist dieser unzusammenhängende und zutiefst unlogische Kuddelmuddel der sich Robin Hood nennt wirklich nicht zu erklären. Ich finde es super mutig diesen Film ins Kino zu bringen und tatsächlich davon auszugehen, dass Menschen sich freiwillig 116 Minuten alberne Action Szenen und sinnlose Dialoge ansehen und danach zufrieden nach Hause gehen. Respekt. 

Kann ich auch weniger geben? Nein? Schade …
Robin Hood – nicht im Sherwood Forest

Was mir nicht gefällt

Die Liste was bei diesem Robin Hood aus meiner Sicht alles falsch gelaufen ist, sprengt jeden Rahmen. Es beginnt bei Taron Egerton, der als Hauptdarsteller eine äußerst unglückliche Figur macht. Weiter geht es mit einem sinnlosen Drehbuch und endet bei einer so blödsinnigen Ideologie, dass es mich vor Wut fast aus dem Kinosessel gerissen hat. Der Aufstand britischer Minenarbeiter ist als Leitmotiv von Robin Hood völlig daneben und historisch um mehrere Jahrhunderte auseinander. Solche Ungereimtheiten leistet sich der Film leider permanent. Von dargestellten Situationen, die tatsächlich physikalisch gar nicht möglich sind, schweige ich ganz bewusst. In diesem Film wird sogar der Städtekrieg in der Wüste in engen Gassen mit Pfeil und Bogen ausgetragen. Spätestens hier wird aus einem unlogischen ein wirklich lächerlicher Film.

Das alles hätte ich eventuell sogar noch hinnehmen können. Aber die rücksichtslose Lieblosigkeit, mit der hier klassische Figuren der Robin Hood-Sage behandelt werden, das war zu viel. Hätten Bruder Tuck oder der Sheriff von Nottingham die Möglichkeit wegen Verunglimpfung zu klagen, ich würde sie unterstützen. 

Mehr als 1 Stern ist echt nicht drin
Der Sheriff in der Stadt Nottingham

Story 

„Ja, Hallo! Ich bin Robin Hood, der Held des neuen Kinofilms. Ich bin so eine Art Kriegsheld mit posttraumatischer Belastungsstörung. Ich bin gleichzeitig auch noch ein adeliger Volksheld, der zur Rebellion aufruft. Und ich kann den Sherriff von Nottingham nicht leiden, weil ich eine total krasse Verschwörung aufdecke die zwar keinerlei Sinn macht, aber echt nicht gut für uns Briten ist.“ Danke Robin. Mehr gibt es wohl nicht zu sagen. Und nein, ich übertreibe jetzt nicht. Die 116 Minuten sind sogar noch mit viel mehr Blödsinn, überflüssigen Wendungen und dämlichen Begebenheiten angefüllt. Wäre dieses Drehbuch nur als grobe Skizze für einen möglichen Kinofilm gedacht, selbst dann hätten alle Beteiligten wieder neu anfangen müssen. Denn das hier bringt nichts. 

Was für eine alberne Story
I bims, der Robin!

Fazit

Das Jahr 2019 hat sicherlich viele schöne Momente. Dieser Film leider nicht. Wer Robin Hood mag, sollte sich einfach eine BluRay kaufen oder einen VOD-Dienst nutzen. Egal auf welchen der alten Filme die Wahl fällt – er ist in jedem Fallbesser als die aktuelle Kinoversion. „Oo-De-Lally!“

Insgesamt: 1 Stern für den Film

Bildrechte: Studio Canal

Bumblebee – 20.12. 2018

A robot is a girls best friend

Ich hätte es wirklich nicht für möglich gehalten. Eher hätte ich daran geglaubt, dass die Avengers einen Gastauftritt in „Downtown Abbey“ bekommen und Harry Potter drei Billboards Outside Hogwarts aufstellt. Ist es wirklich möglich, aus diesem totalen Metallschrott der Transformers-Serie einen guten Film zu machen? (Ja, ich habe mich bei diesen Zeilen auch ein wenig gegruselt. Die Begriffe „gut“ und „Transformers“ in einem Satz, ohne sarkastisch zu sein – oh Mann.) Ich hatte einen, im besten Falle vergnüglichen, Action-Film erwartet. Stattdessen ist Bumblebee ein anrührender, emotionaler und sehr gut erzählter Film über eine 18-jährige Frau, die sich in ihrer eigenen Familie fremd fühlt. 

Natürlich gibt es immer noch die absurd-albernen Transformers-Szenen in denen sich die Roboter beschießen, schlagen, Gliedmaßen abreißen und so weiter. Sonst würde der Film ja auch nicht Bumblebee sondern LadyBird heißen. Genau das ist übrigens die wirklich beeindruckende Leistung des Filmes. Er beweist, dass sich sogar mit Spielzeug eine wirklich spannende und emotionale Geschichte erzählen lässt, ohne das Transformers-Universum zu verlassen. Der Film passt in die Reihe und ist gleichzeitig der einzige Teil, der nicht absurd, sexistisch, militaristisch und sinnbefreit ist. 

© Paramount Pictures

Was mir gefällt

Zuallererst finde ich den Mut der Filmemacher richtig beeindruckend. Sie erzählen den Bumlebeeals eine Mischung aus „Nummer 5 lebt“ und „About a Boy“. Die Hauptfigur Charlie Watson sucht keinen Roboter, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Das wäre der übliche Plot für einen Transformers-Film irgendwo zwischen Teil 1 und 5. Sie sucht nach Vertrauen, nach Verständnis und nach einem Freund. Diese Anforderungen sind eigentlich vollständig inkompatibel mit dem dämlichen Hau-Drauf-Roboteruniversum. Doch es funktioniert. Das ist wirklich beeindruckend.

© Paramount Pictures

Was mir nicht gefällt

Nur ganz wenige Teile dieses Films haben mich nicht mitgenommen. Die Action-Szenen im All haben bei mir böse Befürchtungen aufkommen lassen, der Film drohe wieder in die alten Zerstörungsmuster zerfallen. Da muss man halt durch. Die Szenen sind für den Film auch nicht notwendig, aber wohl für die Transformers-Fans die Teil 5 für einen unterhaltsamen Film halten, weil Robo-Dinos die Feuer speien können darin vorkommen. Kann man bei dem Franchise wohl nicht anders lösen. Kloppende Roboter im All gehören zur DNA dieses Filmuniversums. Aber alles übrige ist wirklich gut. 

© Paramount Pictures

Story 

Wie unaufgeregt und undramatisch es Travis Knight als Regisseur gelingt die Welten einer 18jährigen Frau inklusive ihrer Konflikte mit Mama, Stiefvater und kleinem Bruder mit einem mehrere Meter hohen Transformer zu verbinden, der den Großteil des Filmes kein Wort spricht, das ist wirklich sehenswert. Es sind die Klischees, die hier ausgelassen werden, die Bumblebee vom Genreeinerlei zu einem wirklich sehenswerten Film reifen lassen (Sorry, wenn ich mich noch einmal direkt einmische. Aber habe ich das wirklich geschrieben? Ein gereifter Transformers-Film? Ach du meine Güte. Das habe ich nicht für möglich gehalten.). Und Hailee Steinfeld ist übrigens wirklich eine Entdeckung in diesem Film. Mehr als es Megan Fox in den Filmen je gewesen ist. Vor allem jetzt, wo mir die sexistischen Michael-Bay-Kamerafahrten wieder in den Sinn kommen. 

© Paramount Pictures

Fazit

Es ist wirklich überraschend. Aber ich kann nur sagen, der Film ist wirklich gut und einer der besten Blockbuster-Filme 2018. Er ist emotional, mitreißend und hat gute Actionszenen ohne zu viel Metallschrott. Die Darsteller bringen eine wirkliche Tiefe in den Film und nicht jede Wendung der Story ist schon ewig vorher erkennbar. Bumblebee ist wirklich erstaunlich und bemerkenswert gute Kinounterhaltung.  

Bildrechte: Paramount Pictures Deutschland

Sicario 2 – 18.07.2018

Es gibt kein Gutes im Bösen

Verdammt, ich habe ein echtes Problem mit diesem Film – und zwar ein moralisches. Denn dort, wo der Vorgängerfilm noch ethische Grundsätze auf die dreckige Wirklichkeit des Drogenkrieges treffen ließ, dort findet sich bei Sicario 2 nur noch Leere. Keiner der Helden hinterfragt, was sie tun. Sie machen es einfach. So absurd unmenschlich und zutiefst rücksichtslos es auch ist. Gewaltausbrüche bringen die Figuren nicht mehr in eine moralische Zwickmühle oder stellen einen letzten Ausweg dar. Sie gehören einfach dazu.  Mord, Schießereien und Verstümmelungen sind ein zu akzeptierender Teil der Geschichte und somit jenseits aller Ethik. Dieser Film entzieht sich einer Bedeutung und betrachtet nur die reine Abfolge von Ursache und Wirkung. Mir ist das viel zu wenig. Gerade, wenn Regisseur und Produzenten für sich in Anspruch nehmen, den großartigen ersten Teil fortsetzen zu wollen.

Jenseits der Moral

Wem es gelingt – mir leider nicht so – die moralische Schieflage dieses Filmes hinzunehmen, der bekommt wirklich sehr gut gemachte Action mit zwei großartigen Hauptdarstellern geboten. Hinzu kommt, dass mir das Setting rund um die Grenze zwischen den USA und Mexico sehr gefällt. Ich mag die Aufnahmen der Wüste, wenn in dieser Einsamkeit die Sonne untergeht. Ich bin wirklich begeistert von der Einsamkeit und Erbarmungslosigkeit dieser Gegend und davon, wie alle Figuren dadurch noch härter und unbeugsamer wirken. Sicario 2 lebt von der Landschaft und nutzt sie visuell beeindruckend aus.

Was mir gefällt

Wie gut mir die Landschaftsaufnahmen gefallen, das habe ich ja gerade schon gesagt. Darüber hinaus gibt es einen großartigen Soundtrack. Er vermeidet es, Songs und Melodien zu offensichtlich in den Film einzubetten. Stattdessen gibt es eine unterstützende Soundmalerei, die immer die Schauspieler oder die Landschaft als Inspiration zu haben scheint. Das ist wirklich ausgesprochen gelungen. Regie und Schauspieler? Sie machen das, was sie sollen. Sie inszenieren sich selbst als amoralische Kämpfer in einer Region, in der Flüchtlinge wie Vieh behandelt werden. Das passt in den Film und ist stimmig.

Was mir nicht gefällt

Ich fange jetzt nicht schon wieder mit der Moral-Keule an. Selbst wenn es mir auf der Zunge liegt. Aber nein, was ich schmerzlich vermisse ist vor allem eine Darstellerin: Emily Blunt hat dem ersten Film extrem gutgetan. Sie war der Gegenpol zu der Testosteronschau der Männer. Und dieser Gegenpol fehlt jetzt völlig. Sie wurde auch nicht ersetzt. Frauen kommen in diesem Film nur am Rande vor. Als Stichwortgeber oder Entführungsopfer. In dieser Macho-Trump-Welt gibt es offensichtlich für Zwischentöne keinen Platz. Mist, dann bin ich doch schon wieder moralisch geworden. Sorry.

Story

Kurz gesagt: Der Film funktioniert. Vor allem, wenn man zu spät ins Kino geht und die ersten 10 bis 15 Minuten verpasst, weil es an der Getränke- und Popcorn-Theke länger gedauert hat. Der gesamte Anfang kann einfach weg. In die Tonne. Denn er macht keinen Sinn, er bedeutet für den Film nichts und spielt weder für die Figuren noch für die Entwicklung der Geschichte eine Rolle.

Alles was danach kommt, ist routiniert bis gut erzählt. Die Spannung ist an jeder Stelle greifbar und die Härte und Physis der Figuren kommt sehr gut zur Geltung. Was keiner erwarten sollte sind spannende Wendungen oder überraschende Enthüllungen. Die Politiker sind ängstlich und dämlich. Die Helden brutal und durchsetzungsstark. Die Opfer sind weinerlich und verängstigt. Das war es.

Fazit

So funktioniert es für mich nicht. Einen Film über Flüchtlingselend, Menschenschmuggel und Drogenkartelle zu machen und dann moralisch völlig zu versagen. Das Schicksal von tausenden zu einer Kulisse zu degradieren und stattdessen eine absurde Motivation für Schießereien in Mexico zu liefern. Das ist für mich einfach zu wenig. Wie es anders geht, beweist der großartige Film „No Way Out“. Auch mit Josh Brolin in der Hauptrolle. Aber Sicario 2 ist für mich einfach nur gescheitert.

 

 

 

Bildrechte: Studiocanal

 

 

 

 

 

 

 

Jurassic World: Das verlorene Königreich – 07.06.2018

Brüll mich nicht an, du Dino!

Bevor ich jetzt anfange an dem Film rumzunörgeln – und ja, ich finde da schon so manche Ecke – will ich ganz klar sagen: Ich hatte Spaß. Denn der Film macht für mich sehr vieles im Jurassic Park / World-Universum richtig. Vor allem vermittelt Jurassic World eines: Das gefallene Königreich, das großartige Gefühl, wieder nach Hause zu kommen. Wer die ersten Teile kennt, wird viele Kulissen und Anspielungen wiedererkennen. Und trotz aller neuen Dinos, der T-Rex bleibt der König der Isla Nublar.

Was mir gefällt

Vor allem die erste Hälfte des Filmes ist ein großartiger Trip zurück. Die Insel mit ihrem Vulkan ist wirklich schön in Szene gesetzt und frei umherlaufenden Dinos sind immer eine Schau. Gar keine Frage. Die Tricktechnik ist absolut auf der Höhe der Zeit und das 3D war bei diesem Film wirklich eine Augenweide. Auch der Charme von Chris Pratt hat sich gut konserviert und ist auch im neusten Teil irgendwo zwischen Indiana Jones und Lieblingsschwiegersohn. Die Story liefert das Erwartbare: Erst sind alle froh, dann brüllen und fressen die Dinos und dann beginnt das Geschreie. Gut gemacht, wenn auch nichts Neues.

Was mir nicht gefällt

Für mich war und ist eine der schönsten Momente in den Filmen immer die naive Faszination, wenn Dinosaurier über die Leinwand laufen und die Darsteller einfach staunend davorstehen. Das Gefühl der wiederauferstandenen Kreidezeit ist für mich das emotionale Herz der Serie. Leider verzichtet der jüngste Jurassic-Klon fast gänzlich auf diese Momente. Stattdessen wird die Action immer mehr angezogen und mehr Tempo soll über die Faszinations-Lücken hinweghelfen. Mir war das manchmal zu krawallig.

Was gar nicht geht, ist die Logik im Film. Habe ich mich bei Jurassic Park noch lange Zeit nach dem Buch und dem Film gefragt, ob das tatsächlich so passieren könnte, so ist die Antwort jetzt klar: Nö – geht nicht – auf gar keinen Fall. Die Storyline hat Löcher von der Größe eines Meteoritenkraters. Bei der Geschwindigkeit des Filmes fällt das nur nicht so auf.  Eine Ausnahme: der Auftritt von Jeff Goldblum ist sicher mit das langatmigste und überflüssigste, was ich seit langem gesehen habe.

Story

Wo ich doch gerade dabei bin: Es ist nicht leicht, eine neue Wendung und einen neuen Dreh bei den Jurassic Park / World-Filmen zu erschaffen. Schon klar. Die Story klont sich da selbst aus den Resten der noch vorhandenen Serien-Filmfragmente. Und das geht so: Ein Park mit Dinos wird geschaffen. Es geht furchtbar schief und die Entscheidungen in den darauffolgenden Filmen machen alles noch schlimmer. Das hier ist Teil 2. Also der Park ist hin und jetzt muss es noch schlimmer werden. Und wie? Indem wir Dinos auf Menschen loslassen und diese alle umbringen. Ok, das ist keine neue Idee. Aber wer hat das beim „story-kloning“ auch erwartet. Ich finde das gar nicht so schlimm. Alles kommt mir bekannt vor und es sind Dinos!

Endlich wieder Dinos auf der Leinwand! Mir gefallen daher auch die Dino-Posing-Szenen im Film. Also die Momente, die keinen Sinn machen aber den brüllenden Dino vor eindrucksvoller Kulisse zeigen. Inszenierungen die sich super auf Plakaten machen.

 

Fazit

Es ist laut, es hat Dinos und fast permanent Action. Das passt für einen unterhaltsamen Jurassic Park / World – Film. Mir hat es gefallen und ich fand keine Sekunde im Kino langweilig. Allerdings ist dem Sequel auch deutlich anzumerken, dass den Machern die Ideen ausgegangen sind. Es ist ein Misch-Masch aus Elementen der vorherigen Filme ohne wirklich eigene Ideen oder Akzente hinzuzufügen. Wer wie ich im Kino Spaß mit Dinos haben möchte, kann gerne rein gehen. Das wird geliefert inklusive T-Rex und ein wenig Splatter. Wer auf neue Ideen und eine clevere Weiterentwicklung hofft, der wird allerdings ziemlich enttäuscht sein.

 

 

Bildrechte: Universal Pictures Germany

Solo: A Star Wars Story – 24.05.2018

Keine Macht den Jedi

Es ist eindeutig das Beste, was diesem Film nur passieren konnte: Lichtschwerter, Midi-Chlorianer und Bösewichte mit Asthma spielen hier keine Rolle. All das, was Star Wars Episode VIII in Teilen so mutlos und teilweise geradezu apathisch wirken lässt, ist hier schlicht nicht vorhanden. (Wer möchte, kann meine Eindrücke hier noch mal nachlesen http://nospoiler.de/?p=766) Denn mit Han Solo steht eine Figur im Vordergrund, die in allen bisherigen Filmen den religiös überzogenen Jedi immer einen gewissen Pragmatismus entgegenstellte. Und genau so ist Solo – A Star Wars Story. Der Film zeigt, wie Han Solo zu seinem Zeug, also dem Raumschiff, dem Copiloten und dem Blaster gekommen ist. Fertig. Das ist unterhaltsam und deutlich weniger lähmend nostalgisch als befürchtet.

 

Solo ist ein sehr lockerer und wenig dramatischer Ausflug ins Star Wars Universum. Denn wir wissen ja alle, wie es ausgeht. Also kann sich jeder entspannt zurücklehnen und zuschauen, wie die schnellste Schrottmühle des Universums zu seinem Piloten kommt. Dabei wird man als Zuschauer nie wirklich gefordert. Der Film macht die ganze Zeit den Eindruck als sei er schon immer da gewesen. Fast so, als hätten wir diesen Film nur seit Jahren nicht mehr gesehen und ihn fast vergessen. Jetzt sitzt man wieder davor und freut sich, wie schön alles zusammenpasst.

Story

Bei Solo – A Star Wars Storypasst alles zusammen. Völlig unbestritten. Die Story ist linear und geradezu kompromisslos gradlinig erzählt. Es gibt weder böse Überraschungen noch dramatische, emotionale Höhepunkte. Alle Goodies werden gekonnt eingebunden und auch für echte Star Wars Fans gibt es genug zum Bewundern und neu entdecken. Das ist alles routiniert erzählt, aber es fehlt ein Thema. Und das ist sicherlich ein wirklicher Mangel bei diesem Film. Er hat die inhaltliche Substanz von Softeis. So scheint auch kein Ereignis die Hauptfigur tatsächlich zu verändern oder zu formen. Selbst die vorhandene Liebesgeschichte soll wohl auf gar keinen Fall in Konkurrenz zu den klassischen Star Wars Filmen und Prinzessin Leia treten. Es geht in dem Film letztendlich um … nichts – nur um die Toys des altbekannten Schmugglers. Das ist ein bisschen wenig Geschichte, finde ich.

 

Regie und Schauspieler

Ich will hier nicht auf die Querelen während der Produktion eingehen. Wie schon bei Rouge One war Disney mit den Regisseuren unzufrieden. Was genau dahinter steckt, darüber lässt sich nur spekulieren. Denn das fertige Produkt passt in die Reihe der bisherigen Disneyfilme des Star Wars-Universums. Er ist großartig visuell umgesetzt. Die Schauspieler bemühen sich redlich gegen die Ausstattungsschlacht anzukommen und vor allem in den Szenen mit Lando Calrissian gelingt das sehr gut. Es macht Spaß, den Helden zuzuschauen und sich von Chewie angrunzen zu lassen. Das wirkt alles sehr entspannt und gleichzeitig lebendig. Allerdings entwickeln die Figuren kaum eine eigene Präsenz oder gar Geschichte. Sie sind Teile der Ausstattung dieses Filmes und sollen ganz offensichtlich helfen Lego-Bausätze und Actionfiguren verkaufen. Dieser Film ist die perfekte Vorlage für die Disney-Star Wars-Freizeitparks, die gerade entstehen. Alles was der Fan möchte ist hier vorhanden. Jeder kann sich seinen Teil und seine Highlights heraussuchen. Und gleichzeitig bleiben die Regie und die Darsteller so unverbindlich und wenig einprägsam, dass sie niemanden verärgern.

Fazit

Für mich ist Solo – A Star Wars Storysicherlich der entspannteste Star Wars-Film der vergangenen Jahre. Es macht Spaß, Han Solo dabei zuzuschauen, wie er aus dem glänzenden Millenium Falken eine Schrottmühle macht. Auch die übrigen Figuren passen sehr gut in das Universum. Solo – A Star Wars Storyist meines Erachtens eher als Ausflug an den Rand des bekannten Universums in einer weit, weit entfernten Galaxie zu verstehen. Viele Elemente kommen einem aus anderen Science-Fiction Filmen bekannt vor. Aber auch das ist herzlich willkommen. Und keiner – wirklich keiner muss in diesem Film darüber diskutieren, ob die Fähigkeiten des Helden in das bekannte Universum passen. Tun sie, denn Jedikräfte und Lichtschwerter sind hier nicht mit dabei. Und das ist zur Abwechslung wirklich sehr schön!

 

 

 

 

 

Bildrechte: Disney Pictures Germany

 

Peter Hase – 22.03.2018

Niemand ärgert meine Kaninchen!

Das war nun wirklich vorhersehbar, was Sony Animation hier veranstaltet: Zu Ostern gibt es einen Familienfilm mit Kaninchen, der auf einem erfolgreichen Kinderbuch basiert. Der ganze Film ist dann auch noch eine Mischung aus Realverfilmung und niedlicher Animation. Ja, da werden sich die Marketingexperten von Sony aufgrund dieser brillanten Idee abgeklatscht haben. Schließlich hat das 2011 schon für Universal Pictures großartig funktioniert. Trailer Hopp – 2011. Allerdings hat Peter Hase ein bedeutendes Alleinstellungsmerkmal jenseits des ganzen Marketing-Getöses: Es ist ein wirklich bezaubernder Film geworden.

Es ist einfach wunderbar in diesem Film zu sitzen. Bei aller offensichtlichen Niedlichkeit der Hauptdarsteller hat Peter Hase doch deutlich mehr zu bieten, als nur tolle Animationen. Die Geschichte rund um die fünf Hasenwaisen vermeidet den Absturz in Kinderfilm-Klischees. Es ist eben nicht die Geschichte zwischen Gut und Böse, sondern eine Erzählung um den Zusammenprall zweier Welten. So kann sich der Zuschauer immer wieder neu entscheiden, für wen er Verständnis hat. Und das hebt Peter Hase aus dem Kinderfilm-Einerlei deutlich hervor.

 

 

Story

Eigentlich ist die Geschichte nichts Besonderes. Die friedliche Welt von Peter Hase wird durch eine Veränderung bedroht. Jaja, mehrfach schon dagewesen. Ich weiß. Und durch Mut und Zusammenhalt gelingt es den Hauptfiguren den drohenden Untergang abzuwenden. Moment. Nein, darum geht es bei Peter Hase nun eigentlich nicht. Vielmehr steht die Frage im Vordergrund, was Peter Hase bereit ist zu teilen und wofür er Verantwortung übernimmt. Erzählt wird dieser Weg dabei mit Selbstironie und einer ganz gehörigen Portion Selbstreflektion. Das macht auch als Erwachsener Spaß.

 

 

Regie und Schauspieler

Natürlich haben es die Schauspieler in Peter Hase schwer. Denn gegen die kindgerecht niedlichen Langohren gibt es eigentlich kein Ankommen. Dieses Risikos scheint sich auch die Regie bewusst gewesen zu sein. Denn der Film gibt den Figuren genug Raum, um diese aus dem Kinderfilm-Klischee zu erlösen. Sie sind eben nicht nur Abziehbilder und Stichwortgeber für die animierten Hauptakteure. Den Schauspielern gelingt daher, mehr Tiefe und emotionale Vielschichtigkeit in den Film einzubringen. An diesen Momenten haben gerade Erwachsene ihre Freude.

 

 

Fazit

Was für ein herrlicher Spaß! Die animierten Kaninchen hoppeln über die grüne Wiese und sind dabei unglaublich niedlich. Dazu kommt eine überraschend frische und lebendige Geschichte, die wirklich jedem in der Familie sein eigenes Kinoerlebnis ermöglicht. Dieser Film ist zu Ostern ganz großartig. Natürlich. Aber auch jenseits der Hasen-Feiertage würde er im Kino funktionieren, weil er einfach wirklich gut gemacht ist. Da braucht es auch keine Marketingexperten, um das vorherzusagen.

Ach, und warum ich die ganze Zeit von Kaninchen schreibe, obwohl der Film Peter Hase heißt? Weil es eindeutig Kaninchen und keine Hasen sind, die hier das Kino bevölkern. Darum.

 

Bildrechte: Sony Animations Pictures

 

 

Red Sparrow – 01.03.2018

Sind Sie eine Spionin?

Um das vorweg klarzustellen: Es gibt nur einen einzigen echten Grund sich diesen Film anzusehen. Und der ist Jennifer Lawrence. Sie ist das Zentrum der Dramaturgie, der Kameraarbeit und des Schauspielensembles. Und sie ist leider wirklich der einzige Grund, sich diesen pseudo-spannenden Agententhriller anzusehen. Der Rest ist im besten Falle ein schmückendes Beiwerk und im schlimmsten Falle eine ermüdende Farce.

Die Idee für den Film an sich ist super spannend. Die Geschichte einer Spionin zu erzählen, die anstelle von Waffen und High-Tech-Gimmicks Sex und Verführung einsetzt. Dabei aber immer die souveräne Gelassenheit eines Doppelnull-Agenten an den Tag legt. Das hätte es werden können. Ist es aber nicht geworden. Der Film ist eine an vielen Stellen von Logik befreite Aneinanderreihung von mehr oder minder freizügigen Szenen mit Jennifer Lawrence. Daneben gibt es noch klassisch osteuropäische Schauplätze und die gewünschte Prise Gewalt, ohne zu blutig zu werden. Fertig ist „Red Sparrow“.

Die Story

Meistens wird sich entweder geprügelt, erniedrigt oder ausgezogen. Es gibt leider nur wenige richtig spannende Momente in „Red Sparrow“. Aber diese gelegentlichen Momente zeigen, dass genug Potential für einen wirklich spannenden Kinofilm vorhanden gewesen wäre. Gerade bei einer Verführung zwischen Agenten ist die Frage, wo endet das professionelle Agententraining und beginnt die private, persönliche Leidenschaft, sehr spannend. Der Moment, indem Vertrauen trotz Sex in Frage gestellt wird. Das hätte richtig gut werden können. Stattdessen verzettelt sich der Film in dem hoffnungslosen Versuch, die gesamten Fäden der Geschichte doch noch am Ende zusammen bringen zu können. Hinzu kommen unglaublich schlecht geschriebene Dialoge, die in der deutschen Synchronfassung zusätzlich mit einem nervigen und völlig überflüssigen russischen Akzent vorgetragen werden.

Regie und Schauspieler

Selbst wenn ich mich wiederhole. Es gibt nur einen Grund sich diesen Film anzusehen, und der ist die beeindruckende Hauptdarstellerin. Jennifer Lawrence scheint sich in jede Szene mit einer völligen Selbstaufgabe hineinzuwerfen. Sie ist lebendig, dominant und zerbrechlich zugleich. Das ist wirklich großartig. Unterstützt wird sie dabei von einer sehr auf Lawrence zugeschnittenen Kameraarbeit. Die Bilder sind großartig inszeniert – teilweise bis an die Grenze des Kitsches. Immer wieder gibt es extreme Nahaufnahmen, die schon fast an Portraitfotos erinnern. Der Regisseur kann hier nicht mithalten. Die Übergänge sind holprig und die Inszenierung des Films bekommt den Spagat zwischen einer potentiell spannenden Story und einer beeindruckenden Hauptdarstellerin nicht hin. Die hier notwendige Balance geht oft verloren und degradiert auch alle weiteren Schauspieler zu Statisten. Dem Film tut das nicht gut.

Fazit

Würde es dem Film gelingen, ein Ende zu schaffen welches die 143 Minuten im Kino rechtfertigt, ich könnte mich mit „Red Sparrow“ wohl anfreunden. Aber das gelingt nicht. Der Film scheitert vor allem am Drehbuch. Die Regie schafft es nicht, die Defizite auszugleichen und konzentriert sich stattdessen einzig und alleine auf die Hauptdarstellerin. So scheint es, als ob Jennifer Lawrence sich ganz alleine in „Red Sparrow“ durch Kalter Krieg-Klischees und lächerliche Dialoge kämpfen muss. Doch das reicht für einen Agententhriller nun mal nicht aus.

 

Bildrechte: 20th Century Fox

Alles Geld der Welt – 15.02.2018

Geld allein ist kein Film

Woher kenne ich bloß diesen Film? Genau … Das war doch der Film, in dem ursprünglich Kevin Spacey die Hauptrolle gespielt hat. In dem dann – nach #metoo – Spacey durch Christopher Plummer ersetzt wurde – nachdem der Film eigentlich schon fertig war! Ja, das ist genau dieser Film. Und Christopher Plummer hat dafür sogar eine Oscar-Nominierung bekommen, als bester Nebendarsteller. Allerdings ist ziemlich bezeichnend, dass dies auch schon der beeindruckende Aspekt des Filmes ist. Denn an sich ist der Film lang (132 Minuten) und leider auch ein wenig zäh.

Die Ausgangslage ist dabei durchaus spannend. Der Film basiert auf dem realen Entführungsfall von John Paul Getty III im Jahr 1973. Der Enkel des damals reichsten Mannes der Welt wird in Italien gekidnappt. Für einen Regiemeister wie Ridley Scott wäre damit doch eine Vielzahl an spannenden Möglichkeiten vorhanden. Vom Sozialdrama der Superreichen bis hin zur Nacherzählung des Kriminalfalles. Dieser Möglichkeiten war sich wohl auch der Regisseur bewusst, und er wollte sie alle nutzen. So schleudert der Film hin und her. Auf der einen Seite stellt er Fragen nach Geld und Moral, auf der anderen Seite das Drama um den sechzehnjährigen Entführten. Dieser Schlingerkurs ist leider eher unentschlossen als unterhaltsam.

Story

Natürlich lebt die Story von der Frage, wie die Entführung ausgeht. Diese Dramatik ist auch der rote Faden, der sich durchzieht. Allerdings scheint die Inszenierung dieses Thema nicht sonderlich ernst zu nehmen. Die Momente des Terrors, der Vertrautheit und der Resignation von John Paul Getty III in seinem Gefängnis wirken wie nebenher eingestreut. Eher wie eine beiläufige Begründung, warum das Drama innerhalb der Getty-Familie überhaupt berichtenswert ist. Hier entbrennt der Streit um Verantwortung und um Geld: Warum sollte der reichste Mann der Welt für einen Enkel bezahlen, der ihm keinen Nutzwert bringt? Und so entsteht etwas sehr Merkwürdiges: Als Gegenspieler zur liebenden Mutter und dem knallharten Ermittler agieren nicht die Entführer, sondern vielmehr der verknöcherte Superreiche, der einfach nicht bezahlen will. Das raubt dem Film allerdings einen Großteil seiner Spannung. Denn es geht dann nicht mehr um die Entführung und deren Folgen, sondern lediglich um die Frage, wann und wie der alte Getty zahlt. Das ist spannend wie ein verfilmter Kontoauszug.

 

Regie und Schauspieler

Das der ehemalige Werbefilmer Ridley Scott mit Inszenierungen umgehen kann, beweist er wieder einmal in „Alles Geld der Welt“. Die Dramaturgie seiner Bilder ist großartig. Die Vorstellung der Figuren erfolgt vorsichtig und einfühlsam. Die emotionale Kälte in der Familie Getty kommt einem so greifbar vor, dass nicht einmal die Sonne Italiens diese vertreiben kann.

Unterstütz wird diese sehr gute Regieleistung vor allem von Michelle Williams. In der Rolle als Mutter des Entführungsopfers und gleichzeitig ausgestoßene aus dem Getty-Clan ist sie der emotionale Ankerpunkt. Christopher Plummer ist in seiner herzlosen Geldversessenheit der genaue Kontrapunkt. Es ist beeindruckend hier zuzusehen.

 

Fazit

Dieser Film lebt von der zielgenauen Regie und den tollen Schauspielern. Sie ziehen einen in die Story rein und machen den Film emotional erlebbar. Doch leider verschenkt die Story viele an Dramatik und Spannung. Einen Entführungsfall zu schildern und dann für das Entführungsopfer sowie der Suche nach ihm lediglich ein nahezu beiläufiges Interesse aufzubringen? Das ist schwierig und beschädigt den Film leider sehr.

 

 

 

 

 

 

Bildrechte: Tobis Filmverleih

 

 

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers – 16.02.2018

Küss mich, Du Monster

Wenn die Prinzessin sich nicht in den Prinzen verliebt, sondern in das Monster. Ist diese Liebe dann etwas Besonderes? Regisseur Guillermo del Toro scheint genau solche Fragen zu mögen. Denn „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ erschafft ein Universum, das nur lose mit unserer Realität verbunden ist. Der Film wirkt, als würde er in den 60er Jahren spielen. Doch dies ist nur vordergründig so. Geradezu beiläufig verführt einen der Film, über Grenzen hinweg zu sehen. Das Unmögliche wird einfach akzeptiert.

Was wäre das für ein Kino-Universum, in dem „gut“ nicht gleichbedeutend mit „attraktiv“ ist? In dem „erfolgreich“ nicht auch „perfekt“ bedeutet? In dem Liebe nicht als Erkennen des Gemeinsamen, sondern als Brücke über Grenzen hinweg verstanden wird?  Die Filme von Guillermo del Toro sind Entführungen über den Rand einer Mainstream-Kinowelt hinaus. Und in „The Shape of Water“ gelingt ihm dies besonders gut. Er katapultiert den Zuschauer hinaus in eine unbekannte Welt, die neu entdeckt werden will.

Die Story

„Frau trifft Fischmonster in geheimer Forschungsanlage.“ Klingt wie ein Horrorfilm aus den Anfängen des Kinos. Doch in „The Shape of Water“ ist diese Story nur die Oberfläche der Erzählung. Wer in das Wasser eintaucht wird mit einer wunderbaren Liebesgeschichte zwischen einer stummen Putzfrau und einem gefangenen Fischmenschen belohnt. Eine Geschichte, die anrührend bescheiden mit Gefühlen und Gesten umgeht. Die zurückhaltend erzählt wird und gerade so ihre Kraft entfaltet. So wie eine glatte Wasseroberfläche einen bis zum Grund blicken lässt. Manchmal, aber nur an einigen, wenigen Stellen ist die Geschichte eventuell ein wenig selbstverliebt.

Regie und Schauspieler

Es ist einfach wunderbar bei „The Shape of Water“ im Kino zu sitzen. Die Regie von Guillermo del Toro ist eine permanente Verführung, den Weg der Protagonisten mitzugehen. In jeder Einstellung und in jedem Dialog ist die Liebe des Regisseurs für diesen Film zu erkennen. Gemeinsam mit seinen hervorragenden Darstellern schafft er es, den Figuren eine ganz außergewöhnliche Vielschichtigkeit zu geben. Die Welt von „The Shape of Water“ ist lebendig und anrührend menschlich zugleich.

Fazit

Ich kann es nur so zusammenfassen: So und nicht anders muss dieser Film sein. Die tiefe Leidenschaft für diese außergewöhnliche Liebesgeschichte, ist in jeder Szene zu spüren. Als Zuschauer fühlt man sich wie ein Schwimmer im Ozean, dem auf einmal klar wird, dass unter der Oberfläche noch hunderte Meter Wasser liegen. Mit Tieren und Landschaften und einer Welt, die vom Ufer aus betrachtet gänzlich unsichtbar ist. Das ist wunderbares Kino.

 

 

Bildrechte: 20th Century Fox