Solo: A Star Wars Story – 24.05.2018

Keine Macht den Jedi

Es ist eindeutig das Beste, was diesem Film nur passieren konnte: Lichtschwerter, Midi-Chlorianer und Bösewichte mit Asthma spielen hier keine Rolle. All das, was Star Wars Episode VIII in Teilen so mutlos und teilweise geradezu apathisch wirken lässt, ist hier schlicht nicht vorhanden. (Wer möchte, kann meine Eindrücke hier noch mal nachlesen http://nospoiler.de/?p=766) Denn mit Han Solo steht eine Figur im Vordergrund, die in allen bisherigen Filmen den religiös überzogenen Jedi immer einen gewissen Pragmatismus entgegenstellte. Und genau so ist Solo – A Star Wars Story. Der Film zeigt, wie Han Solo zu seinem Zeug, also dem Raumschiff, dem Copiloten und dem Blaster gekommen ist. Fertig. Das ist unterhaltsam und deutlich weniger lähmend nostalgisch als befürchtet.

 

Solo ist ein sehr lockerer und wenig dramatischer Ausflug ins Star Wars Universum. Denn wir wissen ja alle, wie es ausgeht. Also kann sich jeder entspannt zurücklehnen und zuschauen, wie die schnellste Schrottmühle des Universums zu seinem Piloten kommt. Dabei wird man als Zuschauer nie wirklich gefordert. Der Film macht die ganze Zeit den Eindruck als sei er schon immer da gewesen. Fast so, als hätten wir diesen Film nur seit Jahren nicht mehr gesehen und ihn fast vergessen. Jetzt sitzt man wieder davor und freut sich, wie schön alles zusammenpasst.

Story

Bei Solo – A Star Wars Storypasst alles zusammen. Völlig unbestritten. Die Story ist linear und geradezu kompromisslos gradlinig erzählt. Es gibt weder böse Überraschungen noch dramatische, emotionale Höhepunkte. Alle Goodies werden gekonnt eingebunden und auch für echte Star Wars Fans gibt es genug zum Bewundern und neu entdecken. Das ist alles routiniert erzählt, aber es fehlt ein Thema. Und das ist sicherlich ein wirklicher Mangel bei diesem Film. Er hat die inhaltliche Substanz von Softeis. So scheint auch kein Ereignis die Hauptfigur tatsächlich zu verändern oder zu formen. Selbst die vorhandene Liebesgeschichte soll wohl auf gar keinen Fall in Konkurrenz zu den klassischen Star Wars Filmen und Prinzessin Leia treten. Es geht in dem Film letztendlich um … nichts – nur um die Toys des altbekannten Schmugglers. Das ist ein bisschen wenig Geschichte, finde ich.

 

Regie und Schauspieler

Ich will hier nicht auf die Querelen während der Produktion eingehen. Wie schon bei Rouge One war Disney mit den Regisseuren unzufrieden. Was genau dahinter steckt, darüber lässt sich nur spekulieren. Denn das fertige Produkt passt in die Reihe der bisherigen Disneyfilme des Star Wars-Universums. Er ist großartig visuell umgesetzt. Die Schauspieler bemühen sich redlich gegen die Ausstattungsschlacht anzukommen und vor allem in den Szenen mit Lando Calrissian gelingt das sehr gut. Es macht Spaß, den Helden zuzuschauen und sich von Chewie angrunzen zu lassen. Das wirkt alles sehr entspannt und gleichzeitig lebendig. Allerdings entwickeln die Figuren kaum eine eigene Präsenz oder gar Geschichte. Sie sind Teile der Ausstattung dieses Filmes und sollen ganz offensichtlich helfen Lego-Bausätze und Actionfiguren verkaufen. Dieser Film ist die perfekte Vorlage für die Disney-Star Wars-Freizeitparks, die gerade entstehen. Alles was der Fan möchte ist hier vorhanden. Jeder kann sich seinen Teil und seine Highlights heraussuchen. Und gleichzeitig bleiben die Regie und die Darsteller so unverbindlich und wenig einprägsam, dass sie niemanden verärgern.

Fazit

Für mich ist Solo – A Star Wars Storysicherlich der entspannteste Star Wars-Film der vergangenen Jahre. Es macht Spaß, Han Solo dabei zuzuschauen, wie er aus dem glänzenden Millenium Falken eine Schrottmühle macht. Auch die übrigen Figuren passen sehr gut in das Universum. Solo – A Star Wars Storyist meines Erachtens eher als Ausflug an den Rand des bekannten Universums in einer weit, weit entfernten Galaxie zu verstehen. Viele Elemente kommen einem aus anderen Science-Fiction Filmen bekannt vor. Aber auch das ist herzlich willkommen. Und keiner – wirklich keiner muss in diesem Film darüber diskutieren, ob die Fähigkeiten des Helden in das bekannte Universum passen. Tun sie, denn Jedikräfte und Lichtschwerter sind hier nicht mit dabei. Und das ist zur Abwechslung wirklich sehr schön!

 

 

 

 

 

Bildrechte: Disney Pictures Germany

 

Star Wars: Die letzten Jedi – 14.12.2017

Es ist eindeutig der Kino Höhepunkt des Jahres. Kein Film sorgt für mehr Aufsehen, für vollere Kinosäle und mehr Diskussionen. „Star Wars – Die letzten Jedi“ scheint alle Rekorde zu brechen. Nach etwas mehr als einer Woche hat das Weltraum Spektakel bereits mehr als 600 Millionen US-Dollar eingespielt. Ein grandioser Erfolg und eine wahre Gelddruckmaschine für Disney. Die Space-Oper scheint alle Erwartungen zu erfüllen. Aber gleichzeitig lässt sie auch viele Chancen liegen und opfert diese für größtmögliche Massentauglichkeit.

Natürlich macht „Die letzten Jedi“ Spaß. Über 150 Minuten Film ohne Langeweile ist toll. Viele alte Freunde sind wieder mit dabei und Luke Skywalker kann endlich erklären, was passiert ist. Darauf habe ich mich sehr gefreut und das hält der Film auch ein. Wer genau das vom jüngsten Star Wars erwartet wird nicht enttäuscht.

Ich habe allerdings auf mehr gehofft. Auf neue Entwicklungen und unerwartzete Wendungen der Story. Auf tote Helden die ich betrauern kann und fiese Schurken die mich das Fürchten lehren. Nie war die Ausgangsbasis dafür besser.

Die beiden vorhergehenden Star Wars-Filme haben den Boden bereitet. Die Geschichte der Jedi ist, nach den vermurksten Episoden 1 – 3, endlich wieder gut für unterhaltsame Blockbuster. Das ist großartig. Und mit Rey gibt es eine tolle, neue Hauptfigur, deren Weg zur Macht und zu deren Beherrschung ich mir gerne ansehen möchte.

Und jetzt kommt das aber: ABER … es wäre außerdem einfach schön gewesen, wenn „Die letzten Jedi“ nicht nur Bewahrer eines 40 Jahre alten Kinomärchens wäre.

Über dem gesamten Film scheint der tiefe Wunsch der Filmemacher zu stehen, zuallererst das Franchise am Laufen zu halten. Gab es mal Kontroversen über den Ursprung der Macht? Kein Problem. Wir ignorieren das einfach. Die dunkle Seite ist verführerisch, roh und menschenverachtend. Mit Grusel erinnere ich mich noch, welche Angst ich als Kind vor Darth Vader hatte. Aber nein, so können wir keine Spielzeuge verkaufen. Also ist die dunkle Seite der Macht eher unhöflich bis ein wenig ungezügelt. Wie jemand, der sich bei Weihnachtseinkäufen an der Kassenschlange nach vorne drängelt. Ärgerlich, aber mehr auch nicht. Warum die Rebellen die First Order nicht leiden können, blieb mir auch nach dem Film ein Rätsel.

Aber es muss ja auch nicht immer die große Politik sein. Alternativ könnte ja die Ausbildung von Rey zur Jedi-Meisterin ein wichtiger Plot sein. So wie Luke sie einst von Joda auf Dagobar erhalten hat. Ein mentaler Weg zu Stärke und Verständnis, gesät mit Zweifeln, Visionen und der permanenten Angst zu scheitern. Dies scheint an Rey völlig vorbei zu gehen. Sie ist halt ein Jedi. Sie hat ein Lichtschwert. Und sie bringt sich die Macht selbst bei. Einziges Problem, sie muss auf diesem Weg dem lamentierenden Luke Skywalker zuhören.

Was mir außerdem fehlt, ist eine technische Entwicklung im Star Wars-Universum. Alles wirkt so vertraut, dass selbst ein neuer Todesstern (wäre Nummer vier in der Serie) nicht negativ aufgefallen wäre. Die „Schrottmühle“ – der Millenium Falke unterscheidet sich kaum von den übrigen Schiffen. Und wo ich gerade davon sprechen. Natürlich fehlt Han Solo. Seine wunderbare Respektlosigkeit würde den letzten Jedi unendlich guttun.

Mein schönster Lichtblick in „Die letzten Jedi“ ist Carrie Fisher. Ihre Ruhe und Präsens ist wunderbar. Sie scheint über den Ereignissen des Films zu schweben, einen geradezu magischen Überblick zu haben. Für sie ist dieser Star Wars – Film ein Geschenk. Und wir werden sie in allen künftigen Teilen schmerzlich vermissen. Davon bin ich überzeugt.

So erfüllt der Film letztendlich die Anforderungen der Filmemacher. Er bringt die Leute ins Kino und erhält das Kinomärchen am Leben. Und Fans werden Unmengen an Zitaten und Anspielungen in dem Film finden. Auch das erhöht den Spaßfaktor enorm. Das macht den Film unterhaltsam und kurzweilig. Aber für mich reicht das nicht, um meine Erwartungen zu erfüllen, die sich bei mir in den vergangenen Monaten aufgebaut hatten. Eventuell habe ich schlicht viel zu hohe Erwartungen gehabt.

 

 

Bildrechte: The Walt Disney Company (Germany)