Mile 22 – 12.09.2018

Spannend wie die Fahrt mit dem Bus zum Flughafen

Das habe ich mir gewünscht: Ich wollte eine dreckige Story mit bösen Wendungen und einer zupackenden Portion Action. Mehr nicht. Das waren tatsächlich meine Wünsche bei „Mile 22“. Und jetzt, nachdem ich den Film gesehen habe, denke ich mir: Ich war naiv und hatte wohl zu hohe Ansprüche. „Mile 22“ hätte alles Potential gehabt für eine Mischung aus „Stirb Langsam“ und „16 Blocks“. Ein zeitkritischer Job, eine Crew die jenseits des Gesetzes steht und schlicht 22 Meilen bis zum Ziel überleben muss. Es hätte gradlinig, heftig und mitreißend sein können. Stattdessen wurde es brutal, stupide und über weite Strecken sinnlos.

Ist es denn wirklich so schwierig, geradlinig eine Geschichte zu erzählen? Regisseur Peter Berg („Boston“ / „Deepwater Horizon“ – übrigens beide auch mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle) ist jetzt wirklich nicht für feinsinnige Emotionsstudien bekannt. Aber selbst er haut diesen Film gegen die Wand und lässt sein Publikum zuschauen, wie das Kind in den Brunnen fällt. Bildlich gesprochen. Der Film ist für Actionfans zu lahm und für Erzählkino zu sinnlos und brutal. Das Potential ist wirklich da. Aber es bleibt ein Brei, der zäh an der Wand runter läuft.

Was mir gefällt

Der Cast gefällt mir ausgesprochen gut. Alle Schauspieler zeigen große Präsenz und mühen sich wirklich, durch die ganzen Explosionen, Schießereien und dämlichen Dialoge heil hindurch zu kommen. Einzige Ausnahme ist John Malkovich, der offensichtlich das Drehende seiner wenigen Tage am Set herbeigesehnt hat. Lustlos ist hier noch geschmeichelt. Ansonsten wird es wirklich schwierig weiteres Positives über den Film zu sagen. Obwohl, doch. Die Story hätte wirklich Möglichkeiten gehabt und ein paar Wendungen sind wirklich überraschend. Eigentlich …

Was mir nicht gefällt

Vor allem die lausige Dramaturgie dieses Filmes. Aus welchen Gründen auch immer Peter Berg eine zweite Erzählebene eingebaut hat, sie funktioniert gar nicht. Immer wieder wurde ich im Kino aus der eigentlichen Story herausgerissen um mir triefend langweilige Monologe anzuhören. Über die allgemeine Sicherheitslage und den Grund, warum Handeln wichtiger als Denken ist. Oder so …

Story

Kurze Schilderung aus dem Kino: Der Film ist ja mit 95 Minuten nicht allzu lang geraten. Trotzdem saß ich nach 60 Minuten im Kino, schaute auf meine Uhr und hoffte, dass es nicht noch viel länger dauert. Wenn mir das bei einem Actionfilm passiert, dann ist das echt ein ganz mieses Zeichen. Denn es bedeutet, dass die Action bei einem solchen Film so beliebig und redundant ist, dass sie nicht mehr zur Unterhaltung taugt. Bei „Mile 22“ ist es sogar noch schlimmer. Ich hatte Angst, dass die zweite Erzählebene wieder auftaucht und mich mit ihrer bräsigen Erzählweise sogar mehr nervt. Ich wartete also nicht nur auf das Filmende, ich hatte Angst davor, bis dahin noch unnötig geärgert und gelangweilt zu werden. Schlimmer geht es kaum noch.

Fazit

So ist das nix. Der Film ist für einen Actionkracher zu langatmig und für alles Übrige einfach zu nervtötend. Der hoffnungslose Versuch des Regisseurs den Figuren eine gewisse Tiefe zu geben, geht völlig den Bach hinunter. Denn für den Film spielen diese Elemente überhaupt und gar keine Rolle. Sie kosten nur Zeit und den Zuschauer eine Menge seiner Nerven.

 

 

 

 

 

Bildrechte: Constantin Film Deutschland

 

 

Predator Upgrade – 12.09.2018

Alte Regel: Ein Update macht nicht immer alles besser

Bevor ich mich in die Tiefen dieses Filmes werfe und meine völlige Fassungslosigkeit über so viel unzusammenhängenden Blödsinn erkläre, bevor ich also mit meinen Eindrücken beginne, will ich Eins klarstellen: Das hier ist niemals ein Upgrade für die Predator-Reihe. Dieser Film ist ein brutal und rücksichtslos zusammengezimmertes Konglomerat aus Versatzstücken. Hier passt nichts zusammen. Am Ende des Filmes war ich so verwirrt, dass ich sogar die beiden „Alien vs Predator“ B-Movies als vergleichsweise gute Filme empfunden habe. Das alles ist kein Wunder, hatte „Predator Upgrade“ doch bei Testvorführungen so unglaublich schlecht abgeschnitten, dass ein Großteil des Endes komplett umgeschrieben und neu gedreht wurde.

Das hier ist kein Predator Film. So fühlt sich das für mich zumindest an. Denn der gesamte einzigartige Plot der Serie ist fast völlig zerlegt und in die Tonne für Alien-Restmüll geworfen worden. Die einst furchteinflößenden Monster, die fast unsichtbar Jagd auf die Hauptfiguren machten, haben ihre Macht verloren. Ich kenne Halloween-Kostüme mit Gummimasken, die mich mehr gruseln. Auch das Gefühl der Protagonisten aus den ersten Filmen, diesem Monster hilflos ausgeliefert zu sein, ist fort. Zurückgeblieben ist ein ziemlich stumpfes Rumgeballer mit kleinen Witzen zwischendurch.

 

Was mir gefällt

Äh, jetzt wird es schwierig. Denn ich mag Regisseur Shane Black (Iron Man3). Aber das hier ist ein Film für die Restekiste bei einem Flohmarkt in der Provinz. Zugutehalten will ich ihm, die gelungene Charakterisierung seiner Hauptfiguren. Sie sind gut getroffen und recht unterhaltsam. Auch gefallen hat mir, die eher dezente bis nicht vorhandene Nostalgie des Filmes. Im Gegensatz zu den jüngsten Star Wars-Filmen ersäuft dieser Predator nicht im wohligen Gefühl des Retrocharmes. Puh, jetzt atme ich erst einmal durch. Da habe ich zumindest zwei Punkte gefunden.

 

 

Was mir nicht gefällt

Der Rest! Kurz gesagt. Am Anfang pendelt der Film noch ein wenig sinn- und inspirationslos zwischen Buddy-Komödie und Kriegsdrama. Hier und da ein paar Lacher. Dann wieder Action. Wieder ein paar Lacher. Das (neu gedrehte) Ende hingegen, ist an Absurdität und Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Innerhalb kürzester Zeit geht jedes Gefühl für Ort und Zusammenhang der Handlung verloren. Die Nacht wird zum Tag, Waffen tauchen auf und verschwinden wieder. Handlungsreste erscheinen auf einmal wieder und bereits eingeführte Figuren sind plötzlich einfach weg. Da bleibt einem als Kinozuschauer nur übrig sich zurückzulehnen, und sich von den Actioneinlagen berieseln zu lassen.

Story

Ja, es gibt sie. Aber sie ist sinnlos und eines Predator-Filmes nicht würdig. Doch, ich weiß was ich hier schreibe. Schon die vergangenen Filme waren keine Story-Meisterwerke. Und „Predators“ von 2010 war auch kein wirkliches Highlight im Storytelling. Aber hier wird einfach zu viel vernachlässigt. Die Figuren wachsen einem nicht ans Herz, da sie zu wenig Zeit für ihrer Charakterentwicklung bekommen. Die Gummi-Monster wirken nicht wirklich bedrohlich, da ihre Überlegenheit bis auf wenige Szenen kaum zu spüren ist. Das eigentliche Motiv der Reihe, die geradezu hilflose Auseinandersetzung mit einem überlegenen Gegner findet hier kaum noch statt. In den ersten Filmen war es erschreckend mit anzusehen, wie die Schafherde (Menschen) von einem Wolf (Alien) immer schlimmer dezimiert wurde. Wie fremdartig inszenierte, brutale Rituale jeden Kampfesmut erstickten. Nein, das gibt es hier nicht. Aber wenigstens ist der Film kurzweilig und actionreich. Yeah!

Fazit

Es hätte alles so viel Sinn ergeben können. Regisseur Shane Black war im ersten Predator-Film noch als Darsteller dabei. Jetzt hätte er auf dem Regiestuhl den Filmen eine neue Dynamik verleihen können. Stattdessen hat er für Predator das geleistet, was vorher schon Regisseur Kevin Feige mit „Ghostbusters“ gelungen ist. Er hat den schlechtesten Film der jeweiligen Reihe hinzugefügt. Danke für nichts.

Bildrechte: 20th Century Fox Deutschland

Sicario 2 – 18.07.2018

Es gibt kein Gutes im Bösen

Verdammt, ich habe ein echtes Problem mit diesem Film – und zwar ein moralisches. Denn dort, wo der Vorgängerfilm noch ethische Grundsätze auf die dreckige Wirklichkeit des Drogenkrieges treffen ließ, dort findet sich bei Sicario 2 nur noch Leere. Keiner der Helden hinterfragt, was sie tun. Sie machen es einfach. So absurd unmenschlich und zutiefst rücksichtslos es auch ist. Gewaltausbrüche bringen die Figuren nicht mehr in eine moralische Zwickmühle oder stellen einen letzten Ausweg dar. Sie gehören einfach dazu.  Mord, Schießereien und Verstümmelungen sind ein zu akzeptierender Teil der Geschichte und somit jenseits aller Ethik. Dieser Film entzieht sich einer Bedeutung und betrachtet nur die reine Abfolge von Ursache und Wirkung. Mir ist das viel zu wenig. Gerade, wenn Regisseur und Produzenten für sich in Anspruch nehmen, den großartigen ersten Teil fortsetzen zu wollen.

Jenseits der Moral

Wem es gelingt – mir leider nicht so – die moralische Schieflage dieses Filmes hinzunehmen, der bekommt wirklich sehr gut gemachte Action mit zwei großartigen Hauptdarstellern geboten. Hinzu kommt, dass mir das Setting rund um die Grenze zwischen den USA und Mexico sehr gefällt. Ich mag die Aufnahmen der Wüste, wenn in dieser Einsamkeit die Sonne untergeht. Ich bin wirklich begeistert von der Einsamkeit und Erbarmungslosigkeit dieser Gegend und davon, wie alle Figuren dadurch noch härter und unbeugsamer wirken. Sicario 2 lebt von der Landschaft und nutzt sie visuell beeindruckend aus.

Was mir gefällt

Wie gut mir die Landschaftsaufnahmen gefallen, das habe ich ja gerade schon gesagt. Darüber hinaus gibt es einen großartigen Soundtrack. Er vermeidet es, Songs und Melodien zu offensichtlich in den Film einzubetten. Stattdessen gibt es eine unterstützende Soundmalerei, die immer die Schauspieler oder die Landschaft als Inspiration zu haben scheint. Das ist wirklich ausgesprochen gelungen. Regie und Schauspieler? Sie machen das, was sie sollen. Sie inszenieren sich selbst als amoralische Kämpfer in einer Region, in der Flüchtlinge wie Vieh behandelt werden. Das passt in den Film und ist stimmig.

Was mir nicht gefällt

Ich fange jetzt nicht schon wieder mit der Moral-Keule an. Selbst wenn es mir auf der Zunge liegt. Aber nein, was ich schmerzlich vermisse ist vor allem eine Darstellerin: Emily Blunt hat dem ersten Film extrem gutgetan. Sie war der Gegenpol zu der Testosteronschau der Männer. Und dieser Gegenpol fehlt jetzt völlig. Sie wurde auch nicht ersetzt. Frauen kommen in diesem Film nur am Rande vor. Als Stichwortgeber oder Entführungsopfer. In dieser Macho-Trump-Welt gibt es offensichtlich für Zwischentöne keinen Platz. Mist, dann bin ich doch schon wieder moralisch geworden. Sorry.

Story

Kurz gesagt: Der Film funktioniert. Vor allem, wenn man zu spät ins Kino geht und die ersten 10 bis 15 Minuten verpasst, weil es an der Getränke- und Popcorn-Theke länger gedauert hat. Der gesamte Anfang kann einfach weg. In die Tonne. Denn er macht keinen Sinn, er bedeutet für den Film nichts und spielt weder für die Figuren noch für die Entwicklung der Geschichte eine Rolle.

Alles was danach kommt, ist routiniert bis gut erzählt. Die Spannung ist an jeder Stelle greifbar und die Härte und Physis der Figuren kommt sehr gut zur Geltung. Was keiner erwarten sollte sind spannende Wendungen oder überraschende Enthüllungen. Die Politiker sind ängstlich und dämlich. Die Helden brutal und durchsetzungsstark. Die Opfer sind weinerlich und verängstigt. Das war es.

Fazit

So funktioniert es für mich nicht. Einen Film über Flüchtlingselend, Menschenschmuggel und Drogenkartelle zu machen und dann moralisch völlig zu versagen. Das Schicksal von tausenden zu einer Kulisse zu degradieren und stattdessen eine absurde Motivation für Schießereien in Mexico zu liefern. Das ist für mich einfach zu wenig. Wie es anders geht, beweist der großartige Film „No Way Out“. Auch mit Josh Brolin in der Hauptrolle. Aber Sicario 2 ist für mich einfach nur gescheitert.

 

 

 

Bildrechte: Studiocanal

 

 

 

 

 

 

 

Christopher Robin – 16.08.2018

Erinnere Dich an die guten Zeiten, bevor Du sie vergisst!

Ich habe mich gefragt, wann ich mich zuletzt so gefühlt habe, wie nach diesem Film. Wann und wo war mein Herz gleichzeitig so begeistert und doch tief melancholisch. Und dann fiel es mir wieder ein. Zuletzt habe ich mich so gefühlt, als ich mich gestern auf meine Bank im Flur gesetzt habe. Denn dort sitzt seit Jahren schon mein alter, gelber ziemlich gerupfter Teddybär. Meine Schwester hat ihn als Kind auf dem Jahrmarkt gewonnen und mir geschenkt. Seitdem ist er bei mir. Ein Stück meiner Kindheit.

So, genau so fühlt sich Christopher Robin für mich an. Ein melancholisch-freundlicher Ausflug in eine vergangene Zeit.

Disney Familienfilm und melancholisch – geht das überhaupt?

Es ist vielleicht eine komische Frage. Aber darf ein Familienfilm eine andere Stimmung haben als glücklich und fröhlich? Meistens sind diese Filme ja geprägt von fröhlichen, lustigen und herzensguten Figuren. Die Landschaften sind bunt und das Ende ist stets gut. Umso überraschter war ich von der Grundstimmung von „Christopher Robin“. Denn hier geht es nicht um glückliche Kindertage, sondern um die Melancholie eines Erwachsenen, der seine Kindheit im Spiegel der Erinnerungen wiederentdeckt. Dem Pu der Bär nicht die verspielte Kindheit zurückbringt, sondern tragisch vor Augen führt, was er verloren hat.

Ich mag den Ansatz. Mir gefällt diese Sichtweise auf die Vergangenheit, weil sie nicht verklärt oder glorifiziert, sondern eher beschreibt, welchen Preis wir für das Erwachsenwerden zahlen.

 

Was mir gefällt

Zuallererst natürlich die Animation von Puuh, Tigger, I-Aah und Ferkel. Es ist wirklich hinreißend schön zu sehen, wie sich die Stofftiere verhalten. Denn sie imitieren nicht die Realität, sondern rutschen von Stühlen und schwimmen im Wasser wie Stofftiere. Genau so, wie es mein Teddybär damals in der Badewanne gemacht hat. Und Ewan McGregor gelingt es großartig, sich als Erwachsener in diese Stofftiergruppe einzufügen. In ihm brennt immer der Funken, der ihn Kind sein lässt und der durch seine Arbeit in London fast erloschen ist. Das macht wirklich Spaß.  

Was mir nicht gefällt

Jetzt wo ich versuche es zusammen zu schreiben fällt mir auf, dass ich eigentlich keine wirklichen Kritikpunkte finde. Mich hat die Stimme von Puuh dem Bär ein wenig gestört. Aber nur anfänglich. Irgendwann habe ich akzeptiert, dass auch Bären älter werden und man das hört. Bei meinem Teddy ist das Fell auch schon abgewetzt und die Nähte halten nicht mehr wirklich.

Story

Es ist natürlich ein wenig schade, dass die hinreißende Freude der Zeichentrickversion von Puuh es nicht in diesen Film geschafft hat. Der honigliebende Teddy als bester Freund des jungen Christopher Robin. Das ist hier Jahre her und fast vergessen. Wer sich darauf einlassen kann und nicht enttäuscht ist, der wird von einer erstaunlich differenzierten Zeichnung der menschlichen Figuren überrascht sein. Die Story schildert erwachsen sein nicht als Bedrohung oder Abstumpfung, sondern eher als eine zwangsläufige Evolution jedes Menschen. Und Christopher Robin ist auch erwachsen ein guter Mann. Er fühlt sich gespalten in seinem Wunsch, für seine Familie und für seinen Kollegen da zu sein. Er verliert das Verspielte durch sein Verständnis für Verantwortung. Das macht diese Story wirklich außergewöhnlich. Dabei bleibt die Geschichte in ihrer Struktur allerdings immer familiengerecht. Ein erstaunlicher inhaltlicher Spagat der hier gut gelingt.

Fazit

Aus diesem Film bin ich nicht jubelnd herausgekommen. Ich bin nach Hause gefahren und habe mich neben meinen gelben Teddy auf die Bank im Flur gesetzt. Und das war schön und ein wenig traurig zugleich. Dass ein Kinderfilm diese Tiefe auslöst und ein solch starkes Gefühl mitgibt, ist wirklich erstaunlich. Das macht Christopher Robin zu einem besonderen Film für mich.

 

 

 

Bildrechte: Disney Pictures Germany

 

 

 

Ocean’s 8 – 21.06.2018

Just tell me what you want what you really really want …

Ja, zugegeben. Das hatten wir alles schon. Eine zusammengewürfelte Crew von Ganoven begeht einen beeindruckenden Diebstahl. Genau, das ist das Rezept von Oceans’s 11 bis 13. Doch hier kommt der Clou: In Ocean’s 8 sind die Diebe gewitzte Frauen. Knaller!

Es wird aber noch besser. Der Film macht richtig Spaß. Es ist eine große Freude, den Hauptdarstellerinnen zuzusehen wie sie das Ding drehen. Die Dialoge sind wirklich gut geschrieben und es ist tatsächlich eine funktionierende, weibliche Filmversion der bisherigen Oceans’s Trilogie. Kein Vergleich mit der furchtbaren Ghostbusters Version von 2016, die für mich vor allem eine bösartige Beleidigung der Originalfilme ist.

Kleine Einschränkung: Mich verwirrt der Name des Films ungemein. Denn natürlich erweckt die Zahl 8 den Eindruck, der Film würde vor Ocean’s 11 bis 13 spielen. Stimmt aber nicht. Der Film spielt nach 13. Die Ziffer gibt nur die Größe des Teams an. Und jetzt wird es noch lustiger, denn eigentlich besteht das Team nur aus sieben Personen: Debbie, Lou, Amita, Tammy, Constance, Rose und Nine Ball. Zum Glück klärt sich das im Laufe des Films.

Warum gibt es den Film?

Wäre es nicht spannend herauszufinden was sich ändert, wenn nicht ein Mann, sondern eine Frau im Zentrum einer Geschichte stehen würde? Wäre Odysseus anders aus dem trojanischen Krieg nach Hause gekommen? Ok, das ist jetzt ein wenig hoch gegriffen. Aber ich versuche es noch an einem weiteren Beispiel. Würde sich Stirb Langsam anders entwickeln, wenn sich nicht Bruce Willis im Unterhemd durch den Wolkenkratzer schießt sondern ein weiblicher Star? Besseres Beispiel, oder? Und was ändert sich, wenn Schauspielerinnen nicht einfach versuchen männliche Rollen zu imitieren, sondern einen neuen Blickwinkel in den Film bringen? Das genau passiert in Ocean’s 8.

Was mir gefällt

Die ungemein unterhaltsame Lässigkeit, die auch bereits die ersten drei Film ausgezeichnet hat. Alles ist verspielt und mehrdeutig. Es gibt keine Prügeleien und keine Verfolgungsjagden. Oceans’s 8 hat das wirklich nicht nötig. Die Spielfreude der Hauptdarstellerinnen ist einfach toll und ich habe jede Minute im Kino genossen. Vor allem Sandra Bullock und Cate Blanchett sind begeisternd.

Wie schon bei den männlichen Varianten sitze ich im Kinosessel und wünsche mir anstelle einer Cola eine eisgekühlte Margarita. Nur, damit der Style auch im Kinosaal passt. Der Film hat eine eigene, sehr weibliche Sichtweise auf diesen Raub. Das ist für mich stimmig und funktioniert gut.

Was mir nicht gefällt

Hier kommt jetzt das Nörgeln auf hohem Niveau. Für mich ist bei dieser weiblichen Neuinszenierung der Spaß am Rauben ein wenig zu kurz gekommen. Es wird viel geredet und diskutiert. Aber die absurde Rekrutierung des Teams, die akribische Vorbereitung und das harte Training des Raubes fallen ein wenig hinten runter. Und damit fehlt mir leider eines der schönsten Momente der früheren Ocean’s-Filme.

Story

Der Film ist sehr gradlinig erzählt und birgt nur wenig Überraschungen. Das gefällt mir, da so der Fokus von der Story zur Qualität der Darsteller verlagert wird. Und bei einem solchen Ensemble-Film ist das für mich eine gute Wahl. Allerdings hat die Story ein paar Logiklöcher, die gerade bei einem Film über einen perfekten Diebstahl böse auffallen. Und in einigen Einstellungen ist auch ganz deutlich zu sehen, dass es nicht darum geht den Film voran zu bringen, sondern allen Hauptdarstellerinnen noch einmal die Gelegenheit zu geben, teure Abendkleider zur Schau zu tragen.

Eine Sache hat mich dann wirklich geärgert. Die Frauen sind selbstbewusst, unabhängig und stecken die Kerle im Film alle in die Tasche. Doch wenn es darum geht den Job auch mit Geschick und Körpereinsatz auszuführen, dann brauchen sie doch wieder einen Mann. Das hätte ich mir selbstbewusster vorstellen können.

Fazit

Der Film hat einen tollen Spirit. Es ist wie bei allen Ocean’s Filmen ein großes Vergnügen, einfach zuschauen zu können. Dazu gibt es eine wirkliche Unmenge an Cameos, die gerade gegen Ende des Filmes völlig unübersichtlich werden. Da muss sich sogar Zoolander geschlagen geben. Was aber für mich die wirkliche Besonderheit des Filmes ausmacht: Hier ist es wirklich gelungen, einen weiblichen Cast und einen weiblichen Blickwinkel in einer eigentlich männlichen Filmreihe sinnvoll und unterhaltsam zu inszenieren.

 

 

 

Bildrechte: Warner Bros. Deutschland

 

 

 

 

 

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes – 14.06.2018

Denn selig sind die Skifahrer

Ich bin kein religiöser Mensch. Ich war es nicht und werde es wohl auch zukünftig nicht sein. Das ist sicherlich einer der Gründe, warum ich nur sehr wenig mit diesem Wim Wenders-Film anfangen kann. Denn in seinem Kern ist dieser Film eine 96 Minuten lange Predigt von Papst Franziskus. Alles auf der Leinwand ist eine in Ehrfurcht erstarrte Glorifizierung des aktuellen Papstes. Von kritischer Auseinandersetzung fehlt jede Spur. Auch dem Menschen hinter dem Amt kam ich im Kino nicht näher. Ich wurde erschlagen von christlicher Rhetorik und religiös motivierter Nächstenliebe.

Was mir gefällt

Leider viel zu wenig. Es ist schön und durchaus spannend, dem Papst länger zuhören zu können. Es ist interessant, innerhalb der 96 Minuten seine Weltsicht besser verstehen zu lernen. Aber damit ist der Film leider auch schon am Ende.

 

Was mir nicht gefällt

Vor allem die unterwürfige Grundhaltung von Wim Wenders ist in diesem Film für mich nur ärgerlich. Er versucht nicht einmal, seine Bewunderung zu verbergen. Alles ist Anbetung, alles ist gut und er erlaubt dem Papst sogar direkt in die Kamera zu sprechen. Jegliche Distanz, jede Chance auf Beobachtung geht für mich so verloren. Außerdem ist dieser Film ebensowenig in seiner Inszenierung mitreißend. Während Musikfilme durch den Blick hinter die Bühne faszinieren und mir die Musiker und deren Leben näherbringen, verzichtet Wenders hier fast vollständig auf solche Bilder. Alles wirkt inszeniert und geradezu missionarisch. Für die Faszination des Momentes blieb bei mir kaum etwas übrig.

Außerdem hat dieser Film für mich auch einen unfassbaren und zutiefst nervigen handwerklichen Tiefpunkt. Die nachgestellten historisch wirkenden Aufnahmen aus dem „12. Jahrhundert“ sind der Laienspielschar von Oberammergau nicht würdig. Das hat auch Papst Franziskus nicht verdient.

Story

Papst Franziskus – ein Mann seines Wortessoll wohl ein Dokumentarfilm sein. Aber er dokumentiert eigentlich nichts. Er begleitet den Papst auf offiziellen Auftritten und lässt ihn dazwischen Predigen. Das war es. Eine Story, eine herzliche Zuwendung oder gar ein kritischer Abstand ist für mich zu keiner Zeit aufgetaucht. Wie dicke Zuckerwatte liegt hingegen Wenders Bewunderung und völlige Kritiklosigkeit über den Szenen. Daher schlage ich hiermit einen neuen Titel für den Film vor: Die Anbetung von Papst Franziskus durch den Filmemacher Wim Wenders.

Fazit

Wer einfach einmal in Ruhe dem Papst zuhören möchte ohne durch kritische Fragen gestört zu werden, der ist hier richtig. Gar keine Frage. Wer zur Gedankenwelt von Papst Franziskus einen Zugang sucht, auch dem kann ich diesen Film noch empfehlen. Aber für mich ist das hier weder ein Dokumentarfilm noch ein Grund ins Kino zu gehen. Und das sage ich mit tiefstem Bedauern.

Ich bin überzeugt davon, dass Papst Franziskus viel zu sagen hat. Er hat wirklich wichtige moralische Anmerkungen und Hinweise für unsere Zeit. Ich denke sogar, es könnte ihm gelingen eine moderne Inspiration für die katholische Kirche zu sein. Das alles ist in meinen Augen richtig. Aber diese zuckersüße, peinlich oberflächliche Anbetung hat er nicht verdient.

 

 

Bildrechte: Universal Pictures Germany

 

Jurassic World: Das verlorene Königreich – 07.06.2018

Brüll mich nicht an, du Dino!

Bevor ich jetzt anfange an dem Film rumzunörgeln – und ja, ich finde da schon so manche Ecke – will ich ganz klar sagen: Ich hatte Spaß. Denn der Film macht für mich sehr vieles im Jurassic Park / World-Universum richtig. Vor allem vermittelt Jurassic World eines: Das gefallene Königreich, das großartige Gefühl, wieder nach Hause zu kommen. Wer die ersten Teile kennt, wird viele Kulissen und Anspielungen wiedererkennen. Und trotz aller neuen Dinos, der T-Rex bleibt der König der Isla Nublar.

Was mir gefällt

Vor allem die erste Hälfte des Filmes ist ein großartiger Trip zurück. Die Insel mit ihrem Vulkan ist wirklich schön in Szene gesetzt und frei umherlaufenden Dinos sind immer eine Schau. Gar keine Frage. Die Tricktechnik ist absolut auf der Höhe der Zeit und das 3D war bei diesem Film wirklich eine Augenweide. Auch der Charme von Chris Pratt hat sich gut konserviert und ist auch im neusten Teil irgendwo zwischen Indiana Jones und Lieblingsschwiegersohn. Die Story liefert das Erwartbare: Erst sind alle froh, dann brüllen und fressen die Dinos und dann beginnt das Geschreie. Gut gemacht, wenn auch nichts Neues.

Was mir nicht gefällt

Für mich war und ist eine der schönsten Momente in den Filmen immer die naive Faszination, wenn Dinosaurier über die Leinwand laufen und die Darsteller einfach staunend davorstehen. Das Gefühl der wiederauferstandenen Kreidezeit ist für mich das emotionale Herz der Serie. Leider verzichtet der jüngste Jurassic-Klon fast gänzlich auf diese Momente. Stattdessen wird die Action immer mehr angezogen und mehr Tempo soll über die Faszinations-Lücken hinweghelfen. Mir war das manchmal zu krawallig.

Was gar nicht geht, ist die Logik im Film. Habe ich mich bei Jurassic Park noch lange Zeit nach dem Buch und dem Film gefragt, ob das tatsächlich so passieren könnte, so ist die Antwort jetzt klar: Nö – geht nicht – auf gar keinen Fall. Die Storyline hat Löcher von der Größe eines Meteoritenkraters. Bei der Geschwindigkeit des Filmes fällt das nur nicht so auf.  Eine Ausnahme: der Auftritt von Jeff Goldblum ist sicher mit das langatmigste und überflüssigste, was ich seit langem gesehen habe.

Story

Wo ich doch gerade dabei bin: Es ist nicht leicht, eine neue Wendung und einen neuen Dreh bei den Jurassic Park / World-Filmen zu erschaffen. Schon klar. Die Story klont sich da selbst aus den Resten der noch vorhandenen Serien-Filmfragmente. Und das geht so: Ein Park mit Dinos wird geschaffen. Es geht furchtbar schief und die Entscheidungen in den darauffolgenden Filmen machen alles noch schlimmer. Das hier ist Teil 2. Also der Park ist hin und jetzt muss es noch schlimmer werden. Und wie? Indem wir Dinos auf Menschen loslassen und diese alle umbringen. Ok, das ist keine neue Idee. Aber wer hat das beim „story-kloning“ auch erwartet. Ich finde das gar nicht so schlimm. Alles kommt mir bekannt vor und es sind Dinos!

Endlich wieder Dinos auf der Leinwand! Mir gefallen daher auch die Dino-Posing-Szenen im Film. Also die Momente, die keinen Sinn machen aber den brüllenden Dino vor eindrucksvoller Kulisse zeigen. Inszenierungen die sich super auf Plakaten machen.

 

Fazit

Es ist laut, es hat Dinos und fast permanent Action. Das passt für einen unterhaltsamen Jurassic Park / World – Film. Mir hat es gefallen und ich fand keine Sekunde im Kino langweilig. Allerdings ist dem Sequel auch deutlich anzumerken, dass den Machern die Ideen ausgegangen sind. Es ist ein Misch-Masch aus Elementen der vorherigen Filme ohne wirklich eigene Ideen oder Akzente hinzuzufügen. Wer wie ich im Kino Spaß mit Dinos haben möchte, kann gerne rein gehen. Das wird geliefert inklusive T-Rex und ein wenig Splatter. Wer auf neue Ideen und eine clevere Weiterentwicklung hofft, der wird allerdings ziemlich enttäuscht sein.

 

 

Bildrechte: Universal Pictures Germany

Solo: A Star Wars Story – 24.05.2018

Keine Macht den Jedi

Es ist eindeutig das Beste, was diesem Film nur passieren konnte: Lichtschwerter, Midi-Chlorianer und Bösewichte mit Asthma spielen hier keine Rolle. All das, was Star Wars Episode VIII in Teilen so mutlos und teilweise geradezu apathisch wirken lässt, ist hier schlicht nicht vorhanden. (Wer möchte, kann meine Eindrücke hier noch mal nachlesen http://nospoiler.de/?p=766) Denn mit Han Solo steht eine Figur im Vordergrund, die in allen bisherigen Filmen den religiös überzogenen Jedi immer einen gewissen Pragmatismus entgegenstellte. Und genau so ist Solo – A Star Wars Story. Der Film zeigt, wie Han Solo zu seinem Zeug, also dem Raumschiff, dem Copiloten und dem Blaster gekommen ist. Fertig. Das ist unterhaltsam und deutlich weniger lähmend nostalgisch als befürchtet.

 

Solo ist ein sehr lockerer und wenig dramatischer Ausflug ins Star Wars Universum. Denn wir wissen ja alle, wie es ausgeht. Also kann sich jeder entspannt zurücklehnen und zuschauen, wie die schnellste Schrottmühle des Universums zu seinem Piloten kommt. Dabei wird man als Zuschauer nie wirklich gefordert. Der Film macht die ganze Zeit den Eindruck als sei er schon immer da gewesen. Fast so, als hätten wir diesen Film nur seit Jahren nicht mehr gesehen und ihn fast vergessen. Jetzt sitzt man wieder davor und freut sich, wie schön alles zusammenpasst.

Story

Bei Solo – A Star Wars Storypasst alles zusammen. Völlig unbestritten. Die Story ist linear und geradezu kompromisslos gradlinig erzählt. Es gibt weder böse Überraschungen noch dramatische, emotionale Höhepunkte. Alle Goodies werden gekonnt eingebunden und auch für echte Star Wars Fans gibt es genug zum Bewundern und neu entdecken. Das ist alles routiniert erzählt, aber es fehlt ein Thema. Und das ist sicherlich ein wirklicher Mangel bei diesem Film. Er hat die inhaltliche Substanz von Softeis. So scheint auch kein Ereignis die Hauptfigur tatsächlich zu verändern oder zu formen. Selbst die vorhandene Liebesgeschichte soll wohl auf gar keinen Fall in Konkurrenz zu den klassischen Star Wars Filmen und Prinzessin Leia treten. Es geht in dem Film letztendlich um … nichts – nur um die Toys des altbekannten Schmugglers. Das ist ein bisschen wenig Geschichte, finde ich.

 

Regie und Schauspieler

Ich will hier nicht auf die Querelen während der Produktion eingehen. Wie schon bei Rouge One war Disney mit den Regisseuren unzufrieden. Was genau dahinter steckt, darüber lässt sich nur spekulieren. Denn das fertige Produkt passt in die Reihe der bisherigen Disneyfilme des Star Wars-Universums. Er ist großartig visuell umgesetzt. Die Schauspieler bemühen sich redlich gegen die Ausstattungsschlacht anzukommen und vor allem in den Szenen mit Lando Calrissian gelingt das sehr gut. Es macht Spaß, den Helden zuzuschauen und sich von Chewie angrunzen zu lassen. Das wirkt alles sehr entspannt und gleichzeitig lebendig. Allerdings entwickeln die Figuren kaum eine eigene Präsenz oder gar Geschichte. Sie sind Teile der Ausstattung dieses Filmes und sollen ganz offensichtlich helfen Lego-Bausätze und Actionfiguren verkaufen. Dieser Film ist die perfekte Vorlage für die Disney-Star Wars-Freizeitparks, die gerade entstehen. Alles was der Fan möchte ist hier vorhanden. Jeder kann sich seinen Teil und seine Highlights heraussuchen. Und gleichzeitig bleiben die Regie und die Darsteller so unverbindlich und wenig einprägsam, dass sie niemanden verärgern.

Fazit

Für mich ist Solo – A Star Wars Storysicherlich der entspannteste Star Wars-Film der vergangenen Jahre. Es macht Spaß, Han Solo dabei zuzuschauen, wie er aus dem glänzenden Millenium Falken eine Schrottmühle macht. Auch die übrigen Figuren passen sehr gut in das Universum. Solo – A Star Wars Storyist meines Erachtens eher als Ausflug an den Rand des bekannten Universums in einer weit, weit entfernten Galaxie zu verstehen. Viele Elemente kommen einem aus anderen Science-Fiction Filmen bekannt vor. Aber auch das ist herzlich willkommen. Und keiner – wirklich keiner muss in diesem Film darüber diskutieren, ob die Fähigkeiten des Helden in das bekannte Universum passen. Tun sie, denn Jedikräfte und Lichtschwerter sind hier nicht mit dabei. Und das ist zur Abwechslung wirklich sehr schön!

 

 

 

 

 

Bildrechte: Disney Pictures Germany

 

Deadpool 2 – 17.05.2018

Sie finden das geschmacklos? Ich finde es lustig!

Eigentlich hätte ich an dieser Stelle sehr gerne gesagt: „Leck mich am Arsch ist der Film durchgeknallt“. Was sich in einer seriösen Kinokritik natürlich nicht gehört. Aber bei Deadpool2 wäre es schon ganz passend. Denn für das ach so klinisch reine und hochglanzpolierte Marvel Cinematic Universe (MCU) ist auch dieser Deadpool Film ein herzhafter Tritt zwischen die Beine.

Ja, ich finde das großartig. Die Respektlosigkeit von Deadpool ist zurück und er treibt es härter, wilder und noch rücksichtsloser. Der Film macht also genau das, was Teil 1 bereits so besonders gemacht hat und treibt es weiter auf die Spitze. Der Film ist lustig, brutal und an manchen Stellen heftig blutig. Und dennoch, „ja, leck mich am Arsch“, ist er frei ab 16 Jahren. Das muss ich wohl nicht verstehen, war aber auch bei Teil 1 schon so. Begründung der FSK: Die Gewalt ist überzeichnet und als comicartig anzusehen. Ja, und blutig und manchmal auch echt widerlich. Aber so ist die Filmreihe halt.

 

Story

Hier ist es wirklich schwer spoilerfrei zu bleiben, dann Deadpool2 hat einen wirklich spannenden Ansatz an die Superheldenstory heranzugehen. Ich versuche es dennoch, ohne inhaltlich etwas über den Film zu verraten. Wichtig ist auch diesmal, dass Deadpool sich jeglicher übergeordneten Verantwortung entzieht. Es geht nicht darum die Welt zu retten oder eine Katastrophe zu verhindern. Er will in seinem Leben Ordnung schaffen, was ihm wie in Teil 1 eher mäßig gelingt. Sehr lustig sind übrigens die deutlichen Anlehnungen und Crossover-Momente mit X-Men. Sogar bei den Storymotiven wird fleißig persifliert und ironisiert. Es ist wirklich ein Fest. Und natürlich gibt es wieder ganz besondere end-credit-scenes. Unbedingt sitzen bleiben!

Regie und Schauspieler

Die Regie lässt Deadpool einfach freien Lauf. Alles ordnet sich diesem völlig chaotischen Charakter unter. Die Frage ist hier, ob die Schauspieler einfach von einer Szene zur nächsten schlittern oder gar schon im freien Fall Richtung Ende sind. Sie machen ihren Job engagiert und mit vollem Körpereinsatz. Aber gegen den rot-schwarzen Superhelden kommt wirklich keiner an. Und das, obwohl Deadpool diesmal seine Maske gefühlt nur zwei- oder dreimal abnimmt. Umso krasser ist das Drumherum.

 

Fazit

Deadpool2 ist ein Film, der schlicht und einfach liefert, was von ihm erwartet wird. War Teil 1 noch eine überraschende Neuerung die ich Marvel kaum zugetraut hätte, so ist der aktuelle Teil im besten Sinne „more of the same.“ Er ist unangepasst und launisch und lustig und brutal und sinnlos und erfolgreich – alles zugleich. Nein, ich habe mich nicht gefragt warum Deadpool nicht bei Infinity War dabei gewesen ist. Obwohl, jetzt wo ich darüber nachdenke … Das hätte wirklich heftig werden können! „Heilige Scheiße!

 

 

 

 

Bildrechte: Twentieth Century Fox

 

Rampage – 10.05.2018

Da kommt ‘was Großes auf uns zu

Bei diesem Film könnte ich sicherlich einen Berg an Deutungsmöglichkeiten rauskramen. Ich könnte in der Story von Rampage nach Analogien zu Angstpsychosen suchen. Nach verschlüsselten Botschaften und einer unterschwelligen Gesellschaftskritik. Ich könnte Parallelen ziehen zu einer zukunftsfeindlichen, geradezu dyspeptischen Weltauffassung. All das könnte ich. Und die absolute Inhaltsleere von Rampage lädt auch gerade dazu ein. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass dies völlig überzogen wäre. Der Film ist einfach sinn- und deutungslos. So wie er ist.

Nein, das ist keine Kritik. Ich finde es super, wenn Filme nicht versuchen mehr zu sein, als sie sind. Denn das endet sehr schnell in einer intellektuellen Agonie.

Rampage ist genau der Gegenentwurf. Ein „Hau drauf und mach alles kaputt“-Film, der selbst Regisseure wie Roland Emmerich wie differenzierten Autorenfilmer aussehen lässt. Und der liebt bereits die große Action, bei der Städte in Schutt und Asche gelegt werden. Emmerich muss man in der Kategorie erst mal schlagen.

Story

Ja, die Story existiert. Sie ist dünn und würde vollständig auf eine Serviette passen, aber es gibt sie tatsächlich. Sie ist auch löchrig ohne Ende (Wahrscheinlich, weil die Serviette schon benutzt war. Nur so eine Vermutung von mir). Aber wen interessiert es? Offensichtlich nicht mal die Filmemacher. Hier dient die Story einzig und alleine dem Zweck, Dwayne „The Rock“ Johnson in den unterschiedlichsten Bombast-Situationen gut aussehen zu lassen. Alle anderen Charaktere sind Stichwortgeber und die digitalen Monster, die Chicago in Schutt und Asche legen, sind so gesehen nur der Anlass für große Hau-Drauf-Action.

Regie und Schauspieler

Das Beste was man darüber sagen kann: Existiert. Der Regie und den Darstellern gelingt es dabei ausgesprochen gut, keine inhaltlichen Ambitionen oder emotionale Tiefe vortäuschen zu wollen. Wie denn auch, wenn laut Skript gerade ein gigantischer Gorilla und ein fliegender Riesenwolf gerade eine Stadt verwüsten? Also unterwerfen sich alle Beteiligten dem Dogma, dass es permanent krachen und scheppern muss. Nicht zu vergessen Dwayne Johnson, der den ganzen Film über als Mischung aus einer optimistischeren Version von John McClane und einer menschenfreundlichen Ausgabe von John Rambo daherkommt.

Mein Fazit

Ungelogen, Rampage macht richtig Spaß. Denn auf der Kinoleinwand ist permanent die Hölle los und es scheppert und kracht vom wunderbarsten. Da bleibt kaum Zeit zum Luft holen.

Es lässt sich der Verdacht auch nicht ganz ausräumen, dass alle Beteiligten ihren Spaß am zügellosen ausleben diese sinnlosen Action-Gewitters haben. Wie großartig.

Das alles funktioniert wirklich super, solange sich keiner auf die Suche nach Metaebenen und Deutungsmöglichkeiten macht. Das hat der Film nämlich nicht verdient. Im positivsten Sinne.

 

 

 

 

 

Bildrechte: Warner Bros. Deutschland