Detroit – 23.11.2017

Brennende Autos. Straßenschlachten. Tote. Diese Stichworte beschreiben nicht ein gegenwärtiges Kriegsgebiet, sondern Detroit im Jahr 1967. Der bewaffnete Kampf zwischen schwarzen Amerikanern und weißen Amerikanern ist ausgebrochen. Und mitten in Detroit im Motel „Algier“ geraten Menschen zwischen alle Fronten. Ohne Schutz und Hilfe sind sie Gewalt und Rassismus schonungslos ausgeliefert.

Der Regisseurin Kathryn Bigelow geht es in diesem Film nicht um die politischen Hintergründe der Unruhen. Der Zuschauer wird von ihr mit großer Wucht einfach mitten in das Geschehen geworfen. Er findet sich zwischen Polizeiabsperrungen und Razzien wieder. Zwischen Familien und Rassisten. Der Film sucht nicht die Ursache des Bürgeraufstandes, sondern zeigt in einer ans dokumentarische grenzenden Bildsprache die Auswirkungen von Hass und Gewalt.

Für mich war „Detroit“ eine erschütternde Erfahrung. Diesen sinnlosen und ungezügelten Rassismus mitzuerleben ist sehr belastend. Zu wissen, dass die Figuren im Film tatsächlich diese Gewalt erlebt haben und dass die Story sich nicht ein erschreckend kreativer Drehbuchautor erdacht hat, sondern sie auf Gerichtsakten und Interviews basiert. Das macht „Detroit“ für mich umso unmittelbarer.

Vor allem Schauspieler Will Poulter hat mich fassungslos zurückgelassen. Er spielt einen weißen Polizisten, der mit geradezu unschuldiger Selbstverständlichkeit Menschenrechte bricht. Dem es nicht einmal in den Sinn zu kommen scheint, dass staatliche Gewalt an Recht und Gesetz gebunden ist. Der die schwarzen Gäste des Motels „Algier“ nicht nur als Menschen zweiter Klasse ansieht, sondern es sie spüren lässt. Ihnen klar macht, dass alles was er macht richtig ist und sie keine Chance haben, sich dagegen zu wehren. Das diese Ohnmacht in Gewalt ausarten kann, wird in „Detroit“ verstehbar. Nein, eigentlich sogar erfahrbar.

Ich habe meist ein Problem mit sogenannten „wichtigen“ Filmen, deren Thema sie von jeder kritischen Betrachtung zu befreien scheint. Und auch „Detroit“ ist einer dieser Filme. Die Differenzierung von Motiven gelingt der Regisseurin nur eingeschränkt. Jeder in dem Film scheint entweder schuldig, Opfer oder Täter zu sein. Die Rollen sind eindeutig verteilt. Das hilft, um den Horrortrip in den Rassismus spürbar zu machen. Aber es verhindert auch eine menschlich differenzierte Betrachtung. Was genau in dieser Nacht im Motel „Algier“ passiert ist, scheint nicht so eindeutig zu sein. Es gibt Fragen und Widersprüche. Bis heute. Das ändert allerdings nichts daran, dass dieser filmische Abstieg in den Rassismus der 60er Jahre packend und furchteinflößend ist.

 

 

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