3 Engel für Charlie – 02.01.2020

“Anything a man can do, I can do.” Cardi B

Jetzt also auch „3 Engel für Charlie“? Nachdem der weibliche Ghostbusters Reboot bereits so unglaublich daneben gegangen ist und auch „Oceans 8“ eine eher mittelmäßige Gangster-Komödie geworden ist, kommen jetzt also die drei Engel von Charlie an die Reihe. Das lässt schlimmes befürchten. Allerdings in diesem Fall völlig zu Unrecht. Denn die drei Engel waren ja schon immer Frauen. Nur übernehmen sie jetzt das Kommando. Der erzählerische Schritt ist also viel kleiner und die Abgrenzung zur den bisher entstandenen Filmen und Serien gar nicht notwendig. Das hilf dem neuen Film enorm. 

Ich mag die neuen Engel. Und ich mag den neuen Charlie. Und vor allem gefällt mir der strikte Ansatz, einen charmanten und durchgestylten Actionfilm mit „Girl-Power“ zu sehen. 

Der blinde Fleck des Films

„3 Engel für Charlie“ machen auch in der Neuauflage Spaß und haben mich 119 Minuten sehr gut unterhalten. Hier wird zwar das Action-Kino nicht neu erfunden, aber das muss es ja auch nicht immer. Allerdings fühlt sich der Film für mich ein wenig so an, als wäre er aus der Zeit gefallen. Die Neuauflage der drei Engel wäre vor – sagen wir mal im Jahr 2013 – noch deutlich spektakulärer wahrgenommen worden. Als Konkurrenten gab es „Thor – The Dark Kingdom“ oder den vierten Teil der „Stirb Langsam“-Reihe. Hier hätten drei Frauen mit Style und Charisma richtig gepunktet. Doch 2014 kam „Kingsman“ in die Kinos und bewies, wie ein Agentenfilm neu interpretiert werden kann. Mit hochkarätiger Action, spannenden Dialogen und einem hervorragenden Produktionsdesign. Diese sechs Jahre als Messlatte schafft „3 Engel für Charlie“ leider nicht. Die Aciton findet nicht das elegante Mittel aus großer Dramatik und direkter Konfrontation. Die Dialoge sind oft ein wenig zu direkt und lassen den Charakteren zu wenig Raum. Und das Produktionsdesign hätte schlicht ein größeres Budget verdient gehabt. Das sind alles keine Gründe, den Film nicht im Kino zu sehen. Ganz und gar nicht. Aber sie machen den Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Film aus.

Es gibt den weiblichen Touch 

Ganz großartig gelingt es der Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Elisabeth Banks einige begeisternd neue Erzählweisen den Actionkino-Stereotypen hinzuzufügen. Ich würde jetzt zu gerne einen wirklich verblüffenden und begeisternden Moment des Filmes erzählen, aber ich will ja nicht spoilern. Nur so viel: Selten ist es mir im Kino so ergangen, dass ich mich selbst ertappt gefühlt habe. Wer Kristen Stewart in der ersten Szene des Filmes richtig zuhört wird am Ende begeistert sein. Ich war es auf jeden Fall. 

Richtig gut gefallen hat mir auch die Abwandlung der gängigen Action-Klischees. Männer spielen eine wichtige Rolle im Film, aber sie werden bewusst auf Rollenbilder reduziert. Diesmal sind die Männer, das oft nur schmückende Beiwerk. Die „Moneypennys“ und „Pepper Potts“ existieren jetzt mit andern Geschlechtervorzeichen. Das Erstaunliche ist dabei, wie gut und unproblematisch dies funktioniert. Es gelingt Elisabeth Banks deutlich besser diese weibliche Perspektive aufrecht zu erhalten, als es bei „Ghost Busters“ oder „Oceans 8“ gelungen ist. Die „3 Engel für Charlie“ sind gestandene Frauen, die ihre Rolle ausfüllen und sich nicht in Abhängigkeit begeben wollen. 

Fazit

Bei diesem Film ist es wichtig, die richtigen Erwartungen zu haben. Wer ein feministisches Statement erwartet wird eindeutig enttäuscht werden. Darum geht es nicht. Wer allerdings einen hochglanz Actionfilm mit riesigem Budget erwartet wird auch enttäuscht sein. Das können die Engel so leider nicht leisten. 

Aber das sind eigentlich gute Nachrichten. Denn wer einfach nur eine spannende, unterhaltsame und eventuell ein wenig nachdenkliche Zeit im Kino haben will, der ist bei „3 Engel für Charlie“ genau richtig. Es ist ein wunderbar entspannter Film mit guten Story-Wendungen, tollen Locations und einem eindeutig weiblichen Blickwinkel. Nichts wirkt dabei aufgesetzt und verkrampft, sondern eher zielsicher und direkt umgesetzt. Wenn Männer die Welt retten können – dann können Frauen das auf jeden Fall auch. 

Bildrechte:  Sony Pictures Deutschland

Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone – 31.01.2018

Junge, gutaussehende Menschen stemmen sich gegen ein unmenschliches System, welches ihnen die Zukunft raubt. Sie kämpfen, verlieben sich und überleben.
Kommt einem schon merkwürdig bekannt vor, diese dystopische Beschreibung aus dem Standard Jugendbuch-Regal. Und spätestens seit den „Tributen von Panem“ weiß jeder Hollywood-Produzent, dass solch eine Erzählidee super erfolgreich sein kann. Ganz besonders als Mehrteiler. Daher gibt es jetzt auch den vorerst letzten Teil der Maze Runner-Trilogie.

Die Idee … Doch Moment! Was war so besonderes an Maze Runner? Ich grüble mal nach.
Junge, sexy Helden? – Nein, kennen wir bereits.
Schreckliche und tödliche Monster? – Auch schon bekannt.
Bösewichte, die das überkommene System mit Brutalität stützen? – Sehr gerne genommen.
Ein tödliches Fallenlabyrinth? – „Bing – Bing – Bing“ – wir haben einen Sieger!

Originalität: 2 / 10 Punkte

Die Story: Nur leider ist genau das Element des Labyrinths in der „Todeszone“ nicht mehr vorhanden. Hier gibt es keine Fallen, keine Rätsel und Herausforderungen. Es gibt nicht einmal mehr eine konkrete Bedrohung für die Helden. Die könnten sich einfach zur Ruhe setzen und ein paar Drinks am Strand nehmen. Würde in diesem Szenario eigentlich gar keinen Unterschied machen.

Story: 4 / 10 Punkte

Aber nein, es muss ja das Ende der Trilogie sein. Also muss viel zerstört werden und es müssen große Dramen vorkommen: Verzweifelte Liebe genauso wie abgrundtiefe Trauer. Und das in einer Mischung aus Mad Max-Szenario und Battlefield-Gameplay.

Action: 7 /10 Punkte

Die Schauspieler: Sie machen in dieser ziemlich sinnlosen Inszenierung einen guten Job. Sie versuchen die Zeit zwischen den Explosionen tatsächlich mit Emotionen und Charakterentwicklung auszufüllen. Sogar harte Männer dürfen weinen und selbstbewusste Frauen trösten sie. Oder zerren sie aus dem Bild, damit die nächste Explosion sie nicht umbringt. Das ist eigentlich wirklich eine neue Tonalität in einer dystopischen Welt. Wenn es Zeit gäbe für solche Zwischentöne und nicht permanent etwas explodieren würde.

Schauspieler: 6 / 10 Punkte

Fazit: Das Labyrinth ist geschlossen und die Schauspieler bleiben ziemlich verloren in einer meist sinnlosen Abfolge von Action-Seqenzen zurück. Die Ausstattung hat wohl noch Reste von „Mad-Max: Fury Road“ ganz hinten in der Lagerhalle gefunden und die Autoren wollten es offensichtlich einfach nur zu Ende bringen. Wer Teil 1 und 2 gesehen hat, der will sicher wissen wie es ausgeht. Das Versprechen löst der Film ein. Alle übrigen Käufer eines Kinotickets könnten enttäuscht werden.

Insgesamt: 5 / 10

 

Bildrechte: 20th Century Fox